Man soll nicht Ersteres einfach zu Gunsten des Letzteren verwerfen, denn es ist offensichtlich nicht Schuld eines Menschen, wenn er keine eigenen Erfahrungen mit Gott hat; es ist im Gegenteil lobenswert oder jedenfalls verständlich, wenn er sich dennoch mit den Äußerungen von Menschen auseinandersetzt, die seit Menschengedenken über Gott und Götter gemacht werden.
Beide Seiten treffend zu benennen, ist schwierig, weil alle geläufigen Bezeichnungen für Menschen, die ohne eigene Erfahrung mit Gott sind, sehr negativ besetzt sind und oft als Schimpfwörter und als regelrechte Bannaussagen und sogar als Verfluchungen, Verurteilungen, Aussetzungen gemeint sind, die den Bezeichneten zum Freiwild und Verstoßenen stempeln und stempeln sollten.
Man sollte nicht meinen, daß solche Bezeichnungen von gläubigen Menschen stammen, die ich im Folgenden Paragnostiker nennen möchte, die wissen sollten, daß Gott auch die Unwissenden persönlich kennt, ja geschaffen hat und liebt, und daß jene Menschen ohne Erfahrung mit Gott, die ich im Folgenden Diskursanten nennen will, durchaus ebenso wahrheitsliebend oder verschlagen, ebenso sorgfältig im Denken oder leichtfertig sein können, wie wir es bei Paragnostikern finden.
Um gerecht, d.h. genügend sorgfältig zu sein, und mögliche Mißverständnisse zu vermeiden, muß man beide Seiten nocheinmal unterteilen.
Denn diese alten Bezeichnungen mit den schlimmen
Bedeutungen wie "Gottloser", stammen aus einer zum Teil auch vorchristlichen
und animistischen Zeit, wo praktisch jeder mit solchen paragnostischen
Erfahrungen lebte, die er auf außer- und übersinnliche Kräfte,
Mächte, Gesetze, Geister und Götter zurückführte und
mit allgebräuchlichen Namen jeweiliger Kultur bezeichnete, und wo
die Existenz übermenschlicher Wesen, Geister und Götter ganz
außer Frage stand.
Es waren oft mutige, meist aufrichtige und
wahrheitsliebende Skeptiker innerhalb (d.h. außerhalb) der
verschiedenen Religionen und Kulturen und besonders innerhalb der späteren
jüdischen Kultur, die einen rigorosen Unterschied machten zwischen
den abergläubischen und okulten Projektionen und Phantasiekonstrukten
einerseits und den Erfahrungen mit Gott andererseits. Solche Skeptiker
waren nie beliebt, wenn sie animistische Erfahrungen und paragnostische
Erklärungen z.B. als Projektionen und Produkte der Phantasien bezeichneten,
mit denen unerklärliche Geschehen kausal begründet wurden.
Erst mit der Christianisierung ging es im
Abendland darum, ob man den wahren und richtigen und tatsächlichen
Gott, den Gott Abrahams und den Gott und Vater Jesu meinte und akzeptierte,
oder irgendwelche Abgötter, Ungeister, Dämonen und Unwesen meinte,
was seitdem als Aberglaube gilt.
Man muß deswegen unter den Paragnostikern diejenigen, die an den tatsächlichen Gott glauben unterscheiden von denen, die nur Erfahrungen haben mit anderen außersinnlichen Mächten, Geistern, Teufeln, Göttern und Dämonen, wie z.B. Horoskope, Amulette, okulte Formeln usw.. Für einen Diskursanten ist es vielleicht nicht möglich, solche Unterscheidung zu machen, weil er solche Erfahrungen nicht nachvollziehen kann oder will.
Als gläubige Diskursanten muß man diejenigen bezeichnen, die an Gott glauben, die sich aber im kritischen Diskurs über Animismus und Aberglauben, über Sekten, Okultismus und andere Religionen usw. befinden.
Schließlich gibt es als fünfte Kategorie Menschen und ihre Äußerungen, die ohne eigene paragnostische Erfahrungen nur aufgrund der Äußerungen von glaubwürdigen Menschen oder deren Argumente, - z.B. der Bibel oder des Korans - quasi blind an Gott glauben ohne . Der direkte oder indirekte Glaubenszwang und die direkte oder indirekte Indoktrination und Erziehung, was es natürlich auch heute gibt, führt ebenfalls zu Menschen dieser fünften Kategorie und ihren Äußerungen.
Wie man und worüber man jeweils selbst
spricht, hängt davon ab, wozu man gehört und zu wem man spricht.
Es ist notwendig, jeweils zu erkennen und zu reflektieren, wer warum worüber zum wem spricht.
(Fußnote 1. Das Urteil darüber läßt sich allerdings nicht objektivieren oder beweisen, selbst dann, wenn der Schreibende oder Sprechende solches selbst behauptet oder bestreitet und muß also im Bereich der stillschweigenden Reflexion bleiben. Man sollte dabei vor Augen haben, daß die Gewißheit einerseits und das Erlebnis andererseits der Gottesnähe oder Gottesgegenwart als Fakt und dessen Erkennen ein Korrelat ist, das also zur reinen Behauptung wird, soweit Gott keiner Begrifflichkeit unterzuordnen ist, z.B. in der Erinnerung, Beschreibung, Erzählung, Definition oder Attribution. )
| Pragnostiker | Menschen mit übersinnlichen Erfahrungen |
| Gläubige Paragnostiker | Menschen mit Erfahrungen mit Jesus und dem Gott Abrahams bzw. mit dem tatsächlichen Gott |
| Diskursanten | Menschen im Diskurs über den Glauben ohne eigene paragnostische Erfahrung. |
| Gläubige Diskursanten | Gläubige Menschen im Diskurs über außersinnliche Dinge, die sie nicht bejahen bzw. die nicht zu ihrem Glauben gehören. |
| Gläubige | Menschen, die auch ohne eigene paragnostische Erfahrungen zu den wahren Religionen gehören. |
Fortsetzung allgemeiner Überlegungen
Ich versuche das schwierige Problem, Sinn und Bedeutung in der Abhängigkeit von Sprache einerseits und der Unabhängigkeit von zeitlich bedingten Formen andererseits, in meiner Gegendarstellung zu Augstein etwas ausführlicher verständlich zu machen, und in mehr einfachen Worten in meiner Kunsttheorie (siehe Bündnis gegen Faschismus).
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Kapitel 1, Die jeweils eigene Religion
Kapitel 2, Die Entstehung der Religionen und Religionsgebiete
Kapitel 3, Definieren, streiten, tolerieren, abgrenzen,
Kapitel 4, Andere Religionen verstehen
Kapitel 5, Die Religionen und Konfessionen in
friedlicher Gemeinschaft