»Die
Wirkung von verbalen Vieldeutigkeiten auf das Denken [war] immer nur negativ,
nie positiv.« Ernst Tugendhat
1. Unsere Welt ist nicht
ein Epiphänomen des Ansichseins,
als könnten wir von
den Dingen dieser Welt auf die Struktur der Dinge im Noumena schließen.
Aber wir können, - und wie könnten wir anderes?
- von unserem Erkennen und Erkannten auf die Struktur unserer Erkenntnis
schließen. Und die Auswirkung solcher Reflektion auf unser Selbstverständnis
wie auch auf die Erkenntnis selbst ist noch kaum abzusehen und kann nur
zu einem zunehmend richtigeren Verhältnis zu unserer Erkenntnis, zu
uns selbst wie auch zum Mitmenschen und zum Leben überhaupt führen
- als unsere eigentliche geistige Entwicklung.
In unserem Jahrhundert ist durch
alle Wissenschaftsgebiete hindurch dem »Zeitpunkt« große
Aufmerksamkeit zuteil geworden - und zwar als Ideal an Präzision bei
Messungen und Berechnungen.
Als ich noch von früh
bis spät tagtäglich Portraits zeichnete, spürte ich, daß
ich mit der Zeit die Menschen in etwa 38 Gesichtstypen einteilte; und als
ich einmal versuchte, diese schriftlich zu sortieren, entdeckte ich, daß
ich alle Gesichtstypen zwar als Formen aber zugleich mit bestimmten Erlebnissen
und Gegebenheiten in der Erinnerung hatte, was aufzuschreiben sehr umständlich
und für jeden anderen als mich selbst unverständlich bzw. nichtssagend
sein würde. Wenn ich sehr müde war und zeichnen mußte,
zeichnete ich, ohne anders noch zu können, nur den Gesichtstyp und
nicht die entsprechende Individuation des Typs; meist aber mit dem Erfolg,
daß jener oder jene mit der Zeichnung zufrieden war oder sich sogar
geschmeichelt fühlte.
Auf den Gedanken, daß
ein Mensch sich selbst als einer solcher Typen sieht und ihm sogar nacheifert,
komme ich erst jetzt in diesem Augenblick.
Die Mühe des Zeichnens
brachte es mit sich, daß mir mit der Zeit Leute, die sich leicht
zeichnen lassen, ungeheuer sympathisch wurden, - ganz unabhängig von
ihrem sonstigen Charakter.
Bei den vielen Gesprächen
fiel mir mit der Zeit zudem auf, daß sich die Reaktionen und Argumentationen
in der ja immer gleichen Situation des Portraitiertwerdens und selbst der
Wortlaut bei vielen Menschen ähneln, wobei ich zuerst drei Reaktionstypen
und später dann fünf unterschied, was jedoch mit den Physiognomien
nichts zu tun hatte. Ich unterschied zuerst Leute, die die Welt oder einen
Gegenstand im Grundansatz als ein Gewordensein verstanden wissen wollen,
andere als ein Sosein und andere als ein Werden, wobei Erstere und Letztere
sich aber wieder unterteilten in solche, die das Argument des Soseins und
die anderen das Argument des jeweils anderen benutzten, woraus sich fünf
Denktypen oder Tendenzen im Denken ergaben, wie ich es dann nannte. Ich
hielt diese Eigenarten für angeboren wie die Physiognomien, obwohl
sie sich eigentlich erst gegeneinander verdeutlichten, aufwiegelten bzw.
sogar erst verwirklichten.
Man kann sich den Unterschied
vielleicht daran vergegenwärtigen, daß jemand beim Verzehr einer
Speise hauptsächlich den Geschmack, den Zustand und den Genuß
oder den verdorbenen Genuß betont, während der andere zuerst
die Zubereitung und der Dritte vielleicht die Bekömmlichkeit betont.
Stegmüller bekehrte
mich davon, aus der Beobachtung eine Philosophie angeborener Weltanschauungen
zu machen. Dies alles sei Physiologie und Psychologie. Bei Reisen durch
Nord- und Schwarzafrika, Indien und China fand ich zu meiner Überraschung
alle Typen wieder.
Heute bin ich zu müde,
derart viel zu zeichnen und mich den Situationen zu stellen, finde
jedoch bei den Reaktionen auf die gigantische Arbeit von Gerold Prauss
diese Reaktionsschemen wieder; und ich denke, wenn ich nun vielleicht in
oder zu den fünf Variationen das erläutere, was Prauss in seiner
Fußnote auf Seite 322, Bd.2 als zusätzliches Denkmodell
beschreibt, müßte für alle Menschen der Welt dieser Ausgangspunkt
der Prausschen Überlegungen einsichtig werden.
Denn wenn Stegmüller
recht hatte, dann müßte auch das, was Prauss Dingverfallenheit
nennt (Seite 33 bis 67), etwas Psychisches sein, auf das eher pädagogisch
argumentativ als philosophisch reagiert werden sollte, wo Verständnisschwierigkeiten
bestehen.
Die Fußnote von Prauss
lautet vorweggeschickt also:
Prauss Seite 322, Bd 2
„4 Wenn es Ihnen
nicht genau genug ist, dieses Zeit-Modell vermittels Kreidestück und
Schwamm und Tafel zu gewinnen, können Sie es absolut-exakt durch eine
bloße Forderung erzeugen. Widerspruchsfrei ist es nämlich, folgendes
zu fordern: Angenommen werde das dynamische Erzeugen einer geometrisch-idealen
Linie in einem Zug als das dynamische Ausdehnen eines geometrisch-idealen
Punktes. Durch ein solches Ausdehnen sei dann auch eine Richtung dieses
Ausdehnens sowie die zu ihr umgekehrte Richtung festgelegt. Und da ein
solches Ausdehnen ja kontingent sei, lasse dann auch zusätzlich noch
folgendes sich annehmen: In einem Zug erfolge solches Ausdehnen, indem
genau so viel an Ausdehnung, wie dabei in der einen Richtung je und je
entstehe, in der umgekehrten Richtung dabei je und je vergehe. Diese Forderung
führt absolut-exakt zu dem Ergebnis jenes geometrisch-idealen Zwischendings
von Punkt und Linie."
:
Wenn nun aber jemand
dennoch an der Kreide hängen bleibt, etwa mit folgenden Worten:
Zitat einer
Prausskritik aus http://www.bdwi.org/bibliothek/heinrichs1.htm
„Das ist zwar theoretisch richtig, nicht aber lebenspraktisch. Hier kann
ich im konkreten nicht wählen, ob ich z.B. den Zukunftsbezug einer
Handlung in den Vordergrund stelle oder die räumliche Distanz zweier
Orte. Was im Vordergrund steht, ergibt sich zwangsläufig aus meinen
Bedürfnissen und der Absicht meines Handelns. Meine Absicht bestimmt
meine Hinsicht; dies ist aber nur deshalb möglich, weil es unterschiedliche
Weisen der Hinsicht gibt........... Nach unserer Analyse der Zeitthematik
können wir erkennen, daß hier eine Vermischung der »Zeit«
als sozialer Tatsache mit ihrer naturalen Grundlage, dem Prozeß des
Werdens vorliegt. Diese Vermischung führt zu dem Changieren der hier
gegebenen Bestimmungen der »Zeit« zwischen subjektiv und objektiv,
zwischen Jetzt-Punkt und Dauer. Zudem bleibt das Verhältnis zum »Raum«
unklar. Es wird zwar erkannt, daß hier eine Verbindung besteht, nicht
aber, worin sie tatsächlich besteht, weil »Zeit« und »Raum«
immer noch als grundsätzlich verschieden gedacht werden. Wir wollen
dies etwas genauer analysieren. Was ist damit gemeint, wenn Prauss die
»Zeit« als etwas »Dauernd-Wechselndes« bezeichnet?
Wir haben gesehen, daß die »Zeit« eine Verhältniskategorie
ist, die es den Menschen ermöglicht, Phänomene zu vergleichen,
zu ordnen und sich so in ihrer Umwelt zu orientieren. Wäre diese Kategorie
in einem dauernden Wechsel begriff, könnten diese Leistungen nicht
erbracht werden. Prauss meint nicht die »Zeit«, wenn er vom
»Dauernd-Wechselnden« redet, sondern versucht den Prozeß
des Werdens zu beschreiben. Er benutzt die Ausdrücke »Zeit«
und »Werden« synonym. Damit vermischt er eine soziale Kategorie
mit einem physikalischen Prozeßmuster. Aber auch der Prozeß
des Werdens ist mit der Definition »Dauernd-Wechselndes« nur
höchst unzureichend beschrieben. Wenn wir uns Prauss Beispiel des
Tafelpunktes genau ansehen, so haben wir es nicht mit etwas Dauernd-wechselndem
zu tun, sondern mit einem sehr komplexen Prozeß, der aus kontinuierlichen,
gerichteten Veränderungen besteht. Kalk wird in blättrigen Schichten
aus einem Stück Kreide auf eine Tafel aufgetragen, und von der Tafel
in einen feuchten Schwamm übertragen, dabei sättigt sich der
Schwamm immer stärker mit Kreide und hinterläßt seinerseits
eine zunehmend dichter werdende, unscharfe, feuchte Kreidespur auf der
Tafel. Dieser Prozeß enthält Kontinuitäten, der Schwamm
sättigt sich mit Kreide, er hinterläßt eine immer deutlichere
Kreidespur auf der Tafel. Von einem dauernden Wechsel vom Nichts zum Sein
zum Nichts kann hier keine Rede sein. ......"
Friedhelm Schulz:
Wenn Prauss eingangs von verfälschter Zeit spricht, verfälscht
nämlich, woimmer man objektive bzw. objektivierte Zeit für diejenige
einsetzt oder als diejenige versteht, die sich in der 1. Stufe des Prausschen
Systems - oder eigentlich - eben als Punkt - noch vor einer solchen subjektiven
Zeit zu den 2 einzigen Möglichkeiten des Auseinander differenziert,
nämlich zu Nacheinander und Zugleich, bzw. in der jeweiligen Negation:
zu Nacheinander und nicht Nacheinander und zu Nichtzugleich und Zugleich,
so schließt er natürlich nicht aus, daß man in der Zeitmessung
objektiver Zeit der 3. Stufe, wo in der Tat durch Erleben, d.h. durch Auflegen
von Zeit auf Dingliches oder durch Ablesen von Zeit an Instrumenten einerseits
und bei der individuell unterschiedlichen Abschätzung einer Zeitspanne
andererseits ein Unterschied gemacht werden kann zwischen der Präzision
verschiedener Uhren und den jeweils individuellen und ungenauen Schätzungen,
wobei man dann umgangssprachlich von subjektiver Ungenauigkeit spricht
in Unterschied zu den objektiven Messungen und Berechnungen.
Wenn es einem aber nicht gelingt, dem Gedanken des Geschehens der Kreide
auf einer Tafel zu folgen, weil in der Tat dabei Tafel - als Raum - wie
die Bewegung der Kreide als Werden innerhalb einer Zeitspanne vorausgesetzt
ist, so kann man sich behelfsmäßig vielleicht ein Koordinatensystem
vorstellen mit x=cm und y=Minuten, in dem es den Punkt 3x=3Y gibt. Auch
hierbei wird natürlich der Raum des Koordinatensystems vorausgesetzt,
an dem die aufgetragene Zeit abgelesen werden kann. Ich könnte nun
mit der Kreide einen Punkt zeichnen als Jetzt und Hier, der nur dann ein
präzises Zeichen wäre, wenn er keine Flächenausdehnung hätte,
was dann immer auch Zeitausdehnung wäre, der also nur gedacht und
errechnet und empirisch weder dargestellt noch realisiert werden kann.
Am Aristotelischen Zeitmodell wären der Teilungspunkte auf beiden
Koordinaten X und Y ebenfalls nicht existent, denn sowohl das Hier auf
x wie das Jetzt auf y läge jeweils zwischen „bis 3" und „ab 3", also
außerhalb der Wirklichkeit des Koordinatensystems, - was Zenon zumindest
als Paradox innerhalb des empirischen Denkens erkannte. Wenn wir nun x
als Variable verstehen, wäre also nicht nur der Punkt, sondern auch
die resultierende Linie außerhalb der empirischen Realität und
eben nur denkbar, wobei der Punkt 3x=3Y auf dieser nur gedachten nichtempirischen
Linie liegt und dennoch die Eigenschaft 3x=3y hat, - aber im Prinzip unendlich
viele andere Eigenschaften von x und y haben kann, nämlich die aller
anderen Funktionen von Kurven und Flächen, die 3x=3y kreuzen bzw.
als Flächenumgrenzung beinhalten.
Für jemand, der die Dynamik der Handbewegung mit der Kreide bei
jenem Modell nicht zurücknehmen kann, weil mit ihr als Vorgang ebenfalls
Zeit und Raum vorausgesetzt sein muß, der kann sich 3x=3y als Punkt
auf der Sinuslinie des Lichtes mit der zusätzlichen Eigenschaft der
Lichtgeschwindigkeit denken, und zwar, wie sie allgemein heute als Eigenschaft
oder Zustand eines Punktes des Urknalls angenommen wird und zwar als die
Voraussetzung der Entstehung des Raumes, wobei jener Punkt die Eigenschaft
mit dem Urknall ja nicht verliert.
Natürlich sind auch das Hilfsvorstellungen.
Schließlich sei mir als Letztes noch einmal der ständig
von Prauss wiederholte Hinweis erlaubt, daß ich bei der Reflexion
auf die Struktur einer Erkenntnis eben nicht als „intentio reflectiva -recta"
das Erkannte als Vorgegeben annehmen darf:
so als hätte ich in der
linken Hand mit dem realen Stein die Wahrheit in der Hand, an der ich die
Richtigkeit jeder Erkenntnis, wie ich sie vielleicht in dem Buch in meiner
Rechten aufgezeichnet habe, messen und kontrollieren könnte. Natürlich
habe ich in beiden Fällen nichts anderes als nur Erkenntnis. Ich vergleiche
immer nur Erkenntnis mit Erkenntnis.
2. Die Angst der Wissenschaft
vor Gott und vor Subjektivität.
Beides ist als Dogma in der
Tat eine höchst zweifelhafte Sache: sowohl die Existenz Gottes wie
die Existenz von Subjektivität irgendwo oder an oder in irgend einem
Gegenstand, Körper, Raum oder Gehabe.
Ein Thema für die Religionsstunde
der Schule einer jeden Religion: Wenn ich nur aus Gehorsam, Unterwerfung,
Indoktrination, Konvention, Tradition und Angst vor anderen Menschen Gott
oder ein wirkliches bzw. vermeintliches Subjekt in Gestalt eines Menschen
oder Gegenstandes als solches achte, respektiere, anerkenne usw. ist dieses
eine Beleidigung Gottes und des Menschen, dem schon die Beleidung meiner
eigenen Person vorweggegangen ist. Ein vielschichtiges Theme über
den Vorgang von Information, Begriffsbildung, Sprache und Kultur.
Nicht aber das ist das Angstthema
der Wissenschaft, sondern es ist die strickte Verneinung, Gott einfach
nur als jeweilige Ursache, Verantwortung und Kausalität und die subjektive
Spekulation anstelle empirischer Fragen, Fakten und Forschungen zu dulden.
Auch das gehört in den modernen Religionsunterricht.
Beides, nämlich Gott
und Subjektivität, drängt sich mit all der ungeklärten uralten
Problematik in alle bestehende Begrifflichkeit, - nämlich als solche
- hinein, auf die wir ja angewiesen sind, wenn es um den Urknall und um
jenen Prausschen Punkt geht, die als Beginn oder Tor unserer Welt und der
menschlichen Wirklichkeit erscheinen.
Aber selbst jener Koordinatenpunkt
x=3 und y=3, den ich oben als Vorstellungshilfe anführte, und der
ohne jede Ausdehung eben empirisch nicht wahrnehmbar und empirisch nicht
existent ist und dennoch die Eigenschaft jener Geraden x=y besitzt, neben
unendlich vielen anderen möglichen Funktionsgleichungen, die durch
diesen Punkt gehen, bringt unvermeidlich mit der Forderung an das Subjekt,
sich diesen Punkt dennoch zu denken, die Aufmerksamkeit auf die Tatsächlichkeit,
die Notwendigkeit, ja die Voraussetzung des Subjekts und des Subjektiven
auch in der Geometrie. Denn auch die Zahlen x=3 und y=3 sind ja nicht selbst
die Werte oder das Attribut des Punktes, der trotz Eigenschaft in Raum-
und Zeitausdehnung gleich Null ist, sondern nur der Name, wie es Frege
bezeichnen würde, also eine mehr oder weniger zufällige Bezeichnung
des damit Gemeinten, nämlich daß die Unterteilungen auf der
Y-Linie die Zeitabstände und auf der X-Achse räumliche Abstände
bedeuten sollen, wofür ja auch n und t oder andere Buchstaben oder
Zeichen stehen könnten.
Der Koordinatenpunkt soll
vielmehr verdeutlichen, wie konsequent wir in der Vorstellung des Prausschen
Punktes oder Intervalls den mit dem Koordinatensystem vorausgesetzten Raum
wie auch die Zeit und selbst das subjektive Bewußtsein zurücknehmen
müssen. Denn auch der Nullpunkt des Koordinatensystems x=0 und y=0
von dem aus die Winkelhalbierende durch x=3 und y=3 führt ist ja nicht
ein Luftballon mit zwei Löchern, aus denen auf der einen Seite ein
Linien- oder Raumstrahl und im rechten Winkel dazu ein Zeitstrahl ausfließt,
oder aus dem in 45° ein Gemisch aus Raum und Zeit die Winkelhalbierende
ergibt. Keinesfalls auch wäre es so, als wenn dieser Luftballon dann
- wie jene Hand mit der Kreide auf der Tafel - auf der Y-Achse entlangrutscht
und so jeweils zur anderen Zeit den Raumstrahl entweichen läßt,
wie es in normaler Begrifflichkeit einer „intentio reflectiva -recta" oder
bei jener Demonstration mit der Kreide auf der Tafel scheinen könnte.
Denn was Prauss in seinem 2. Band von Beginn an immer wiederholt, ist
mit anderen Worten die Tatsache, die ich mit dem Selbstporträt oben
demonstrieren will, daß wir außer Erkenntnis keine Erkenntnis
haben. Und das bedeutet, daß auch unser Erkennen samt Selbstbewußtsein
und Subjektivität zu diesem Erkannten gehört, zu jenem Stein
in der linken Hand ebenso wie zu jeder Theorie in der rechten Hand. Und
natürlich gilt dieses dann auch, wenn ich in der einen Hand z.B. die
Bibel oder den Koran halte und in der anderen Hand eine der Auslegungen.
So ist es auch ganz normal, wenn wir auf dem Weg der objektiven Zeit,
nämlich dem der „intentio reflectiva -recta" in die Vergangenheit
auf jenen Urknall als einen Punkt als etwas Objektives stoßen und
ihn eben statt Chaos und Gesetzlosigkeit zugleich auch als Subjekt auffassen
können, als Subjekt, Gott, Schöpfer oder Handlung, wie bei der
Begegnung mit einem anderen Menschen als Subjekt uns dieser in seiner Freiheit
sowohl als Unberechenbarkeit, Chaos und Gegenstand von Gefahr wie aber
auch als „mein Vater", „mein Mann", „mein Sohn", „mein Kind", nämlich
als meine Verfügbarkeit erscheint, wie ein eigener Körperteil,
um die beiden Gegensätze zu unterstreichen, wie es Prauss auf Seite
918, (Band 1, „Die Welt und wir", Metzler Verlag) formuliert:
Prauss:
„Dies jedoch heißt überhaupt nichts anderes, als daß
jedem Subjekt jedes Objekt auch zunächst einmal als objektives oder
anderes Subjekt erscheint, was bisher um so rätselhafter ist und bleibt,
als doch durchaus nicht jedes Objekt auch tatsächlich, faktisch, kontingent,
will sagen, auch empirisch solch ein Subjekt ist."
Dieses gehört ebenfalls in jeden modernen Religionsunterricht
und bedeutet ja nicht, daß es jenes andere Subjekt, oder daß
es Gott nicht gäbe.
Aber als Verstandesleistung oder durch solche, - was als Aktion und
Artefakt eben genau das Gegenteil ist von einem passiven Rezipieren und
von einem Abbild eines vorgegebenen Bildes, - muß durch dieses
Zurücknehmen von objektiver Zeit und objektiven Raum aus diesem Objekt,
nämlich der Tafel und Kreide samt Handbewegung an der Tafel als objektives
Geschehen, oder auch von dem Objekt Koordinatenkreuz die Anschauung werden
und aus dieser dann der Begriff für jenen Punkt, wie es Prauss einige
Seiten vorher ausführt:
Prauss, Seite 545, Bd.1
„Genau als dieser Punkt, der im genannten Sinn nicht nur mit Raum,
nein auch mit Zeit in Einheit wie zu beidem auch in Gegensatz steht, tritt
an dieser Stelle unserer Systematik aber der Begriff auf. Und indem er
dies aus Zeit heraus mit Raum gleichauf gerade so tut, daß er dadurch
ebenso zu ihm in Gegensatz wie auch mit ihm in Einheit steht, ist der Begriff
als Punkt die Form genau desselben, wovon auch der Raum als Ausdehnung
die Form ist. Jedes dieser beiden nämlich wird auf solche, sprich,
auf seine Art jeweils zur Form des Inhalts, der in Zeit als Nacheinander
eben nur die eine Form von Punkt und Ausdehnung ineinem hat, in Raum als
Ausdehnung und in Begriff als Punkt gesondert aber zwei, und zwar zwei
grundverschiedene Formen hat, die zueinander ebenso in Gegensatz wie auch
in Einheit miteinander stehen."
Prauss: Weiter Seite 546
„Und was dies bedeutet, werden Sie sofort erfassen, wenn Sie nicht
allein beim Negativen stehenbleiben, das Begriff und Anschauung gemeinsam
haben — nämlich ihre Sachgehalte nicht zu Eigenschaften besitzen —,
sondern bis zum Positiven weitergehen, wodurch sie sich auch wieder unterscheiden.
Dazu setzen Sie am besten nochmals beim Objekt an, um sich klarzumachen,
daß es rot oder oval ja überhaupt nur ist, indem es grundsätzlich
auch ausgedehnt ist. Danach nämlich hat es nicht nur Rotgehalt oder
Ovalform, sondern auch noch Ausdehnung zur Eigenschaft, wogegen Anschauung
all dies nicht hat, sondern nur ist, - doch immerhin, das heißt,
auch Ausdehnung selbst ist. Das gilt es hier hervorzuheben, weil Anschaung
überhaupt nur dadurch, daß sie immer schon Ausdehnung ist —
nämlich in Form von Raum —, alles andere selbst ist, indem auch alles
andere noch jeweils Ausdehnung selbst ist: dergleichen wie Ovalform ebenso
wie Rotgehalt."
Was mit dieser Hilfsvorstellung
von Kreide, Handbewegung und Schwamm oder mit dem Koordinatensystem vor
sich geht, ehe dann daraus ein Begriff für jenen Punkt der Zeit, nämlich
als Punkt mit Ausdehnung ineinem werden kann, ist regelrechte Arbeit, die
ganz empirisch und wahrscheinlich meßbar Energie verbraucht und wahrscheinlich
deshalb auch schwierig und unbeliebt ist. Denn ursprünglich ist ja
mit dem deutfähigen Begriff z.B. „Demonstration an der Tafel"
oder „Koordinatenkreuz mit Zeit und Raum als Achsen" über die deutfähige
Anschauung das Objekt gemeint, als was man diese Demonstration an der Tafel
objektiv sehen und filmen kann bzw. oder als das jenes Koordinatenkreuz
als Zeichnung sichtbar ist.
Für die Philosophie
wird für der „intentio reflectiva -recta" daraus dem Wortlaut nach
eine Umkehrung, so daß „Tafel" oder „Koordinatenkreuz" zum deutfähigen
Begriff für die deutbare Vorstellung jenes Punktes wird, der als Objekt
gemeint ist.
Was uns beim Koordinatenkreuz ja nur als Anschauung dient, in dem die
Räumlichkeit auf der x-Achse vielleicht in cm eingeteilt ist, da finden
wir auf der y-Achse ja eben nicht die Zeit selbst, sondern eigentlich nur
das auseinandergerollte Ziffernblatt einer Uhr mit den markierten Bewegungsetappen
der Zeiger, auf die die objektive Zeit nachträglich erst aufgelegt
oder erschlossen und gedacht wird. Dabei wird die y-Achse oder das Ziffernblatt
einer Uhr oder die Handbewegung mit der Kreide auf der Tafel quasi zu einem
zusätzlichen Koordinatensystem, bei dem aber die entsprechende y-Achse
nur noch gedacht wird bzw aus den Abständen erschlossen wird. D.h.
die Zeit ist - wie auch mit der Bezeichnung „Anschauung" bereits gesagt
- ohne solche Bewegung oder ein Verharren nicht anschaulich, wie auch die
Subjektivität eines Lebewesen ohne solches als Bewegung oder Verharren
eines Körpers und ohne Räumliches nicht anschaulich ist; dennoch
benutzen wir für beides den deutfähigen Begriff und die deutbare
Anschauung um uns das Nichträumliche quasi zu vergegenwärtigen.
Hiermit stoßen wir nun auf ein zweites Phänomen einer gewissen
Trägheit, Schwerkraft oder Verführbarkeit unseres Denkens, das
die Menschheitsgeschichte wohl ebenso geprägt hat, wie die oben benannte
Schwierigkeit, die uns dahin drängt, in jedem Ding und Objekt zuerst
einmal ein Subjekt zu sehen, worin der Hang zum Animismus und über
diesen die Wurzeln der Religionen und der Religiösität liegt,
nur daß es sich hier bei der Veranschaulichung, Vergegenständlichung
oder Vergegenwärtigung oder Ritualisierung von Abstraktem bzw. Transzendentem
eher entgegengesetzt um eine Verdinglichung von etwas handelt, das eben
kein Ding und nicht räumlich und dennoch wirklich ist. Auch dieses
liegt den Religionen aber mehr noch als Verbissenheit und Dogmatismus diesem
Dogmatismus selbst, aber auch dem politischen, soziologischen und kulturellen
und nicht zuletzt auch dem Empiristisch-Wissenschaftlichen zugrunde
und sollte als Reflexionsthema ebenfalls zu jedem Religionsunterricht gehören.
Dabei sollten wir dennoch zugleich reflektieren, das nämlich genau
so wie uns die Uhr oder die Regelmäßigkeit z.B. von Tag und
Nacht verleitet, die Zeit zu verdinglichen - so wie wir Arbeitszeit verdingen
und berechnen - , daß uns auch eine solche skizzenhafte Veranschaulichung
der Struktur einer Erkenntnis zu voreiligen Purzelbäumen unserer Phantasie
verleiten kann. Als Grundlagenforschung ist die widerspruchsfreie Denkbarkeit
von Zeit, Bewegung und Handlung, wie sie Prauss nachweisen kann, in dem
Gerangel des Wissenschaftsbetriebs von Philosophie und Theologie sicher
ein Ereignis, von noch nicht absehbarer Bedeutung.
Als mehr visuell orientierter Mensch und philosophischer Laie wird
man sich bei der Prausschen Lektüre die vielen Systempunkte sicher
so ähnlich wie hier oben skizziert vorstellen, um sie sich zu merken,
was durch diese Vereinfachung dann zu Mißverständnissen verleiten
kann, wenn man sich z.B. den Punkt Y als Teilungspunkt von Zeit und Raum
denkt, als gelange oder entstünde mit der Intention unser Bewußtsein
und die gedankliche Begrifflichkeit in Zeit- oder Punktform hier entgegen
dem Uhrzeigersinn in die Erkenntnis und als gelange im Uhrzeigersinn die
sinnliche Wahrnehmung in Raumform über die fünf Sinne in die
Erkenntnis, so als bekäme die sinnliche Wahrnehmung der rechten Seite
durch den Verstand und das Bewußtsein der linken Seite Name und Bedeutung.
So wie in der Politik der Faschismus und seine Abarten als Absurdität
von Selbstverständnis immer nur Folge und nicht Ursprung des Staates
sein kann, so kann sich mit solcher Vergegenständlichung der Erkenntnisstruktur
in Form einer Skizze oder in Form von Sinnesorganen, Gehirn und Nervenzellen
wie auch in Form eines Urknalls auch Empirie zu einem neuen Empirismus
verfestigen. Denn was immer wir uns nachträglich denken, das unsere
Haut als festen oder weichen Gegenstand oder als Hitze oder Kälte
oder auch als Welle oder als Molekül oder auch als Atom bzw. Feld
berührt, und was immer wir uns als bestimmte Wellenlänge dann
denken, wenn wir dann eine Farbe sehen oder mit dem Ohr einen Klang hören,
so sind Wellenlänge oder Atom genau so wie auch Härte, Klang,
Farbe oder Geruch und nicht anders auch die Organe wie Haut, Auge, Nase,
Mund und Ohr und ebenso das Gehirn mit allen Funktionen immer erst Folge
und Ergebnis und keineswegs Ursache oder Ursprung jener Differenzierung.
Als solches wäre es auch falsch, von einem Prausschen Punktintervall
zu sprechen, was sich irgendwann vielleicht sogar als praktischer erweisen
wird, als die Lichtgeschwindigkeitskonstante.
So scheinen die Ausführungen von Prauss über die Welt und
uns auf den ersten Blick denn auch wie eine schreckliche Fahrt in den Agnostizismus,
was als schmerzhaftes, konsequente Losreißen aber letztlich nur von
jenem versteckten oder ganz bewußten empiristischen oder theologischen
Dezisionismus empfunden werden kann, als müsse man eine sichere Wahrheit
verlassen.
Letzterer aber ist es, der mit seinen Widersprüchen zu den modernen
Absurditäten einer nur halb vollzogenen Aufklärung führte
und führen kann. Und mit solchem Abstand durch solche Reflexion, was
ja eben nicht heißen muß, daß es keinen Gott und daß
es kein Subjekt als Selbst oder als den anderen Menschen gibt, wird letztlich
dann auch jene Wirklichkeit aufwertet, die Prauss mit „tatsächlich,
faktisch, kontingent, will sagen, auch empirisch" umschreibt, und die er
uns so als menschliche und verantwortliche Lebenswirklichkeit nahebringt.
Aber er macht uns auch jene wirklichkeits- und menschlichkeitsfremde weil
automatistische Verbissenheit verständlich und damit überwindbar,
wozu ich meine Skizze ursprünglich auch anfertigte:
Denn natürlich kann jener Punkt als Tor zur Wirklichkeit weder
räumlich noch zeitlich vor oder nach oder innerhalb oder am Anfang
von objektiver Zeit oder objektivem Raum liegen, was eben nicht nur für
jenen Punkt, sondern nicht anders auch für den Urknall oder für
den Beginn von Subjektivität oder Gott, oder auch ganz trivial für
den Beginn aller Zahlenwerte gilt. Und Letzteres war es, weswegen der Mathematiker
Bertrand Russell denn auch zum geschätzten Philosophen wurde. Denn
die Zahlenreihe beginnt keineswegs etwa mit der Explosion von Null.
Und so schwer es auch ist, der von Gerold Prauss geforderten Begriffsbildung
einfach zu folgen,
Siehe B2, Seite 324; Gerold Prauss:
„Schwierig aber ist das, weil durch dieses Zeit-Modell etwas erzwungen
wird, dem unsere Sprache und auch Logik, wie sie bisher ausgebildet sind,
noch nicht gewachsen sind, sondern zu wachsen erst noch haben, um auch
einem solchen Etwas noch gewachsen sein zu können. Eine Aufgabe für
sich ist es mithin, ihr Wachstum zu befördern, weil nur dies die Mittel
zur Verfügung stellen kann, um auch ein solches Etwas noch begrifflich
zu bewältigen. Denn grundsätzlich ist unsere Sprache oder Logik
vorläufig bloß dem gewachsen, das sich dem Verhältnis zwischen
Punkt und Ausdehnung im Fall des Raumes als Zugleich fügt, was nach
jenem Zeit-Modell jedoch das Nacheinander unverfälschter (von mir:
noch nicht objektivierter) Zeit gerade nicht tut."
um so einsichtiger wird vorweg, wie verfänglich es sein kann,
jene Grundfragen, wie sie sich z.B. in der Genforschung, der prädiktiven
Medizin und der Präimplantationsdiagnostik bereits als politisches
Problem stellen, in solcher empiristischen Befangenheit anzufassen.
Vorerst gilt es aber, die Ursache dieser „Dingverfallenheit" zu verstehen.
Denn es ist ja die Selbstverwirklichung durch Begriffsbildung und Objektivierung,
wodurch man z.B. mit einer christlichen Erkenntnis dann zum Christen, mit
einer sozialen Erkenntnis zum Sozialisten und eben auch mit einer empirischen
Erkenntnis zum Empiristen wird und dieses dann auch noch die eigene Identität
nennt, als sei diese Erkenntnis nun Fleisch geworden. Es ist in der Tat
so, daß man auch heute noch derart verleiblichter Erkenntnis nicht
mehr mit Argumenten und neuer oder anderer Erkenntnis begegnen zu können
glaubt, sondern diese samt den ganzen Menschen verurteilt, und, - wie es
noch im vorigen Jahrhundert an vielen Millionen Menschen geschah - , sie
durch Tötung der „besessenen" Menschen widerlegen zu müssen glaubte;
was andererseits dann eben auch Blindheit für die andere und auch
neue Erkenntnisse bedeuten kann.
Die Problematik gilt es für beide Seiten zu verstehen, ob ein
Subjekt wie ein Objekt und Gegenstand gesehen und behandelt wird, sei es
als Mann oder Frau, als Arbeitskraft, Käufer, Last- oder Lustobjekt,
als Herrscher, König oder Bettler, wie auch, ob ein Gegenstand wie
ein Subjekt gesehen wird, dem sich der Mensch unterwirft, oder unterworfen
wird, sei es dem Kreuz, Halbmond oder Hakenkreuz, der Werkzeugmaschine,
dem Auto oder der Spielpuppe, sei es dem Talisman, dem Gebäude der
Kirche, des Tempels oder der Mosche'.
Hier ist in der Tat einer weiterer Schritt von Aufklärung zu vollziehen.
Seite 304
Hier umschreibt Prauss praktisch die ganze Schwierigkeit, die sich
aus der Vereinfachung solcher graphischen Darstellung ergibt, die sich
andererseits aber auch mit ihr darstellt:
Der von Prauss in diesem 2. Band neu eingeführte Begriff „Natur"
steht eben nicht mehr für das, was wir in Wald und Feld empirisch
nur als biologischen, physischen und psychischen Vorgang wahrnehmen, als
das Leben und Sterben, als das Fressen und Gefressenwerden, als sei auch
das Denken etwas Biologisches und machtpolitisch Organisierbares:
Prauss, Band 2, Seite 304:
„Nur kann die Natur den Zugang zu ihm dann zunächst einmal auch
nur als Empirie gewinnen und mithin zunächst einmal auch nur zu ihm
als dem Empirischen und damit als dem Artefakt aus jenem Material heraus.
Und dieses geht dabei auf jene Affektion zurück, die weder Affektion
durch dieses Artefakt sein kann, noch gar durch das Ansichsein, welches
diesem Artefakt als dem Erfolg im Unterschied zum Mißerfolg zugrunde
liegen muß. Sie kann vielmehr nur Affektion durch etwas beidem gegenüber
Anderes sein: nur Affektion durch die Natur als das bei jener Teilung jeweils
Ungeteilte. Denn auch zu dem nichtempirischen Ansichsein, das dem Artefakt
als dem Empirischen laut Reflexion auf es als den Erfolg zugrunde liegen
muß, kann die Natur bei dieser ihrer Teilung ja erst immer werden.
Kann sie als Ansichsein doch auch immer nur auf seiten dieses Artefakts
als des Erfolgs zugrunde liegen, aber niemals auch auf seiten jener Intention,
weil in Gestalt von einer Intention, unendlichen Regresses wegen, die Natur
nicht ebenfalls Erfolg oder auch Mißerfolg von sich als einer Intention
sein kann. Statt Wirklichkeit durch Fremdverwirklichung von etwas Anderem
durch etwas Anderes muß die Natur als Intention vielmehr gerade Wirklichkeit
der Selbstverwirklichung durch sich sein."
Um sich dieses zu veranschaulichen kann man praktisch nur sich selbst als
Beispiel nehmen, nämlich im 1. Schritt die Reflexion auf das einmalige
wache Bewußtsein der eigenen Existenz in dieser Welt für die
kurze Zeit der Lebenspanne, was dann im 2. Schritt eben als einmalig und
nicht wiederholbar und in anderen Menschen eben nicht reproduziert ist
und eben biologisch, physisch, empirisch nicht reproduzierbar ist, - auch
nicht durch die Geburt anderer Menschen und was als solches auch nicht
empirisch wahrnehmbar ist.
D.h. dieser Punkt Y in der Graphik befindet sich eben nicht irgendwo
oder irgendwie in diesem Geschehen, sondern im Unterschied zu der reinen
Kraft, zu der Bewegung ohne Bewegtes, wie sie Prauss beschrieben hat, ist
die Natur diese ganze als Denk- und Erinnerungshilfe skizzierte Struktur
des Punktes selbst ohne zeitliches und räumliches Vor und Nach, Vorher
und Nachher eines Geschehens, wie man sich etwa eine algebraische Formel
als ein Ganzes denkt, auch wenn es innerhalb solcher Formel eine komplizierte
Struktur geben kann.
Der Punkt als Weltformel
Solche Formulierung demonstriert denn auch das Risiko des Prausschen
Ansatzes, und nicht nur das persönliche Risiko.
Nach dem „genialen Lassowurf" von Seite 299 bis 303 (siehe meinen Kommentar
über drei unvermeidliche Denkfehler, die für das Finden einer
richtigen Vorstellung inkauf und dann zurückgenommen werden müssen,
so als wenn man im Dunkel mit den Füßen das Ende der Treppenstufen
ertasten muß, um nicht zu fallen,) gestaltet sich die Beschreibung
des Erfolges bis zur Seite 317 in der Tat so ähnlich, als wolle jemand
anhand der Bilder, die auf einem Fernsehschirm zu sehen sind, das Verhältnis
dieser Fernsehwirklichkeit zu der anderen Wirklichkeit beschreiben, in
der die Frequenzen und Wellen nach ganz anderen Kriterien existieren, als
z.B. die Banditen und der einsame Sheriff in dem gezeigten Westernfilm
Die mit einer Handlungstheorie erhoffte und dringend erwartete Antwort
auf die Frage, was passiert eigentlich, wenn der Mensch als bewußte
Handlung ein Naturgesetz anwendet mit diesem Naturgesetz, - ob er nun als
Handlung einen Stein wirft oder ihn bewußt als Handlung liegen läßt,
oder ob er wie Lenin das von Marx formulierte Naturgesetzt anwendet, in
der Erwartung, daß die Menschheit sich so von der gegenseitigen Unterdrückung
und Versklavung zu einem friedlichen und gerechten Miteinander entwickeln
wird, oder wie Hitler das Darwinsche Naturgesetzt der Auslese der Besten
anwandte, um Recht zu bekommen, weil nach dem Naturgesetz der Sieger recht
hat und der Auserwählte ist, wie nicht anders in der Tradition unserer
europäischen Geschichte sowohl das Christentum und seine Konfessionen
wie auch der Islam ihre jeweilige Gültigkeit durch militärische
Kriege und physische Gewalt erlangten oder zumindest behaupteten, was denn
auch die beiden Revoltierenden Lenin und Hitler als etwas gegen die menschliche
Vernunft oder die natürliche Unvernunft aufgezwungenes in gleicher
Weise zurückwiesen und durch etwas anderes aber mit gleicher Macht
und Gewalt ersetzen wollten, Lenin zum Nutzen der Menschheit und Hitler
zum Nutzen einer Nation auf Kosten anderer Nationen, wie es in Europa Tradition
war, was handlungstheoretisch aber von gleicher Problematik ist, als wenn
ich einen Stein werfe oder ganz bewußt nicht werfe.
Um bei meinem Bild von den unterschiedlichen Wirklichkeiten des Fernsehbildes
zu bleiben, erscheint die Wirklichkeit jener Frequenz, nämlich das
„panta rhei" des Heraklit, wie es Prauss zu denken ja nahelegt (siehe
Seite 307), die das Fernsehbild unseres Western transportiert, wie
die Wirklichkeit der Naturgesetze innerhalb jener Frequenz, die allerdings
in Gegensatz zu Heraklits berühmter Formulierung nach Prauss aus der
unbewegten Bewegung und aus dem Unteilbaren und Ungeteilten der vorzeitlichen
Struktur des Punktes als die Bewegung schlechthin durch Widerstand oder
Negation erst entsteht. Die Hauptschwierigkeit liegt nun ja darin, sich
dabei eine freie also trotz aller Naturgesetze nicht determinierte, also
zu verantwortende menschliche Handlung zu denken, so daß also jener
gute Sheriff und die bösen Banditen nicht einem fertigen Manuskript
gehorchen und nicht nur ein Film sind. Dieses läßt sich als
Qualität jener Frequenz in der Tat entweder nur durch eine Lücke
oder Unschärfe im Determiniertsein denken, was Prauss denn auch geradezu
als Beweis für die Denkbarkeit der Freiheit anführt, oder durch
eine zusätzliche Qualität dieser „Natur", für deren Existenz
der Mensch der Beweis ist, worauf sich Prauss immer wieder wie auf ein
Geländer stützt und stützen kann, für die Lenin und
Hitler in ihrer Gläubigkeit an die blinde Natur selbst blind waren;
- wozu aber nicht nur Diktaturen und Diktatoren neigen und woran sie scheitern,
sondern auch Empiristen als Wissenschaftler und solche, die sich z.B. auf
die „natürliche" Mechanik des Geldes verlassen und Probleme nur als
finanzielle sehen.
Und ich empfinde es als tröstlichen Segen, daß der Mensch
nach den grausamen Entgleisungen ins Unmenschliche der Weltkriege und deren
Vor- und Nachzeit zur Besinnung seiner selbst kommt, wie es keiner so mutig
wie Prauss demonstriert, wobei er jene Lücke im Determinismus, die
mit Einstein, Heisenberg, Plank nur als Problem des Erkennens und des Bewußtsein
- aber immerhin im Zusammenhang mit unserem Denken - gesehen wurde, als
die eben eigentliche Qualität der eigentlichen Natur auffaßt.
Prauss, Band 2 Seite 314-315
„Die zusätzlichen nichtempirischen Kategorien, die sie auch noch
als all dies faßbar werden ließen, könnten daher, wie
bereits die nichtempirischen Kategorien der Artefakte, auch allein durch
Nichtempirie der Philosophie als Reflexion entwickelt werden. Diese wäre
somit auch noch sehr viel weiter auszubauen, als es der Gefangene Kant
vermögen konnte. Ist doch die Natur auch schon allein als so etwas
wie Kraft und Energie empirisch nicht recht faßbar, was Sie weiter
sich vor Augen halten müssen. Denn empirisch faßbar ist sie
schon allein als solche Kraft und Energie nur dadurch, daß es etwas
gibt, das langsamer bzw. schneller wird, indem es als durch Kraft bzw.
Energie bewegtes Selbiges, nämlicb beschleunigtes Substrat, empirisch-stellvertretend
für sie als bewegende oder beschleunigende auftritt. Die Natur als
Kraft bzw. Energie für sich genommen, nämlich ohne solche Stellvertretung,
wäre denn auch schon für Empirie nur etwas Nichtempirisches:
so etwas wie Bewegung ohne ein Bewegtes. Und als ein substratlos-absoluter
Wechsel in den Wellenfeldern des Elektromagnetismus ist sie das tatsächlich,
wie erst recht auch noch im mikroskopischen Bereich, wo „alles fließt".
Und so liegt eben darin auch schon für die Empirie, zum Beispiel für
die Quantentheorie, die grundsätzliche Schwierigkeit: Wie könnte
die Natur als derlei überhaupt verständlich werden, wenn doch
jede solche Stellvertretung von ihr durch etwas Substrathaftes hier schon
von Grund auf nur Verfälschung von ihr sein kann."
Wobei es also nicht um ein Lücke sondern um eine Verfälschung
geht, die es richtig zu sehen gilt.
Prauss weiter Seite 320-321:
„Denn auch nur durch unverfälschte Zeit ist dann auch noch das
Nichtempirische der ursprünglichen Zeit und damit auch das nichtempirische
Subjekt als Zeit noch zu gewinnen. So gewiß durch diese Art von Zeit-Verfälschung
nämlich vorwärts, hin zum Objekt als empirischem, der Vorhang
gleichsam aufgeht, so geht eben dadurch rückwärts, hin zum nichtempirischen
Subjekt, der Vorhang zu, der aber gleichfalls aufgezogen werden muß.
Denn nur empirische und nicht-empirische Naturwissenschaft miteinander
können die Natur als jenes Ganze zu Gesicht bekommen, zu dem die Natur
nicht nur als Objekt, sondern auch als Subjekt noch gehört, und zwar
so grundlegend, daß sie als Objekt auch allein aus sich als Subjekt
vollständig verständlich werden kann. Nur bedarf es eben, um
den Vorhang auch noch rückwärts aufzuziehen, jener außerordentlichen
Anstrengung der Reflexion, die schon allein zu jenem Zeit-Modell vonnöten
ist, das deren innere Struktur zunächst einmal intuitiv vor Augen
stellt. Erst recht jedoch bedarf es solcher Reflexionsanstrengung, um die
durch jenes Modell intuitiv erfaßte innere Struktur der unverfälschten
Zeit auch diskursiv noch zu begreifen, weil die dazu nötigen Begriffe
dafür keineswegs schon zur Verfügung stehen, sondern erst gebildet
werden müssen.
Genau in diesem Sinne also gilt es für Sie nunmehr: Vorhang auf!,
das heißt: im Licht des Zeit-Modells nicht nur die Bühne des
empirischen Objekts ins Auge fassen, sondern zusätzlich auch noch
das nichtempirische Subjekt als den Zuschauerraum gewissermaßen,
der zunächst jedoch noch gar nicht Raum ist, sondern erst einmal nur
Zeit. Gerade damit aber ist der anstrengende Reflexionsweg schon gewiesen,
der auch immer wieder nur von seinem Ausgangspunkt her, durch das Zeit-Modell,
beleuchtet werden kann. Noch immer nämlich kann ich davon ausgehen,
daß die innere Struktur der unverfälschten Zeit sich widerspruchsfrei
charakterisieren läßt, weil ein strukturgleiches Modell für
sie sich geometrisch konstruieren läßt."
Und es ist ja nicht zuletzt gerade diese Anschaulichkeit der unterschiedlichen
Dispositionen von Technik, Politik und Wissenschaft einerseits als der
weltweiten Realität und Wirklichkeit mit funktionierenden Kommunikationsmitteln
wie Telephon und Fernsehen über künstliche Sateliten usw. und
die nur philosophische und vielleicht ethische Selbstbesinnung andererseits
bei unserem Treiben und Getriebenwerden, wodurch ja eher der Mensch unter
Milliarden anderen Menschen und unter den Milliarden Sternen des endlosen
Kosmos mit seinen privaten Gedanken - sprich Subjektivität - zur beiläufigen,
zufälligen und unbedeutenden subjektiven Winzigkeit zusammenschrumpft,
wodurch der Denkansatz von Prauss regelrecht lächerlich und unglaubwürdig
wird, als wäre es umgekehrt jene empirische Welt und Wirklichkeit
mit all ihren Stimmigkeiten und Beweisbarkeiten, die zu einem sogar nur
denkbar flüchtigen Punkt zusammenschrumpft, ja sogar auf ein empirisches
Nichts an Ausdehnung und Gewicht wie auch an Dauer. Ein Kuriosum wie die
Denkspiele von Zenon, mit denen ein Physiklehrer höchstens zur Belustigung
der Schüler aufwartet, um auf jene Lücke in all den Selbstverständlichkeiten
hinzuweisen.
Und bei jenem Punkt handelt es sich auch keineswegs um ein Exemplar
wie etwa das der Monade bei Leibniz, die als Vielheit zur Materie wird.
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Dieses Praussche „Ovo omnia" als die Natur, die alles hervorbringt,ist
vielmehr das nahtlose Kommen und Gehen von Gegenwart, eben auch der
Gegenwart von Erinnerung und Enzyklopädien, |
der auch ein Urknall immer nur im Nachhinein folgt und ihr keineswegs
vorausgeht, wie er dann allerdings umgekehrt in der Stimmigkeit dessen
erscheinen muß, was Prauss als „tatsächlich, faktisch, kontingent,
will sagen, auch empirisch" bezeichnet, - wobei allerdings die Stimmigkeit
nicht nur lückenhaft, sondern eben weltfremd, irrig bis irrsinnig,
d.h. unmenschlich und absurd geraten muß, wenn sie zum Maß
für den Menschen wird.
Das, was wir unter ethischem oder religiösen Vorzeichen als Wertestruktur
oder als Gut und Böse bezeichnen, gilt es heute als die ursprüngliche
Bedeutung von Richtig und Falsch zu verstehen, und zwar nicht nur als eine
zusätzliche Kategorie, als die man eine perfekte Stimmigkeit in Form
einer klugen Einsicht oder einer perfekten Maschine oder Organisation sowohl
gut und zum Nutzen wie aber auch böse und zum Betrug und Schaden anwenden
kann, sondern, wie bereits zitiert heißt dies bei Prauss, Seite 320:
„Denn nur empirische und nicht-empirische Naturwissenschaft
miteinander können die Natur als jenes Ganze zu Gesicht bekommen,
zu dem die Natur nicht nur als Objekt, sondern auch als Subjekt noch gehört,
und zwar so grundlegend, daß sie als Objekt auch allein aus sich
als Subjekt vollständig verständlich werden kann. Nur bedarf
es eben, um den Vorhang auch noch rückwärts aufzuziehen, jener
außerordentlichen Anstrengung der Reflexion, ..."
Und das heißt, daß auch die richtige Stimmigkeit im Sinne von
„tatsächlich, faktisch, kontingent, will sagen, auch empirisch" oder
auch Wissenschaftlichkeit ohne die menschliche Dimension auch als eigenen
Irrtum und zum eigenen Schaden verfehlt wird. Denn selbst der vollständig
entschlüsselte DNS-Code könnte z.B. nicht einmal Hell und Dunkel
oder eine Farbe oder auch eine einfache bewußte Handbewegung erklären,
geschweige denn das Affektionsproblem oder gar das der freien Entscheidung
einer Handlung.
Dieses als Stimmigkeit auf eine Reihe zu bringen, statt es als Zweierlei
oder als Widerspruch zu sehen, gilt es jetzt.
Wenn Prauss Seite 350 die Ausdehnung als Folge des Punktes und diese
Folge als das oder der Andere nennt, der oder das dann anschließend
dadurch der oder das mit sich Selbige wird, daß der Ursprungspunkt
quasi diese Ausdehnung entlang wie auf einer Straße zu diesem Anderen
geht und dadurch mit diesem quasi verschmilzt, oder den Anderen mit sich
austauscht, sich an die Stelle des Anderen stellt, oder wie immer, dann
klingt dieses recht künstlich, konstruiert, falls man damit etwas
meint oder sich vorstellt, das außerhalb des Erkennens das Erkannte,
das Objekt, das oder ein Ding ist. Da es sich aber bei diesem Punkt nicht
um ein Erkanntes, sondern um das reflektierte und reflektierende Erkennen
selbst handelt, das allerdings als wirklich von Prauss vorausgesetzt wird,
- hier ist dieses "Geländer", nämlich das evident Wirkliche,
als das "Landen", immer wieder "mit einher", immer wieder "mit dabei",
weil immer wieder nur ein einziger im Spiel, das Selbst des Erkennenden.
Hier sind es also nicht zwei verschiedenen Teile, nämlich einmal das
Selbst und zum anderen das Erkennende, wenn auch durchaus eine Diffenrenz,
wobei eben das Selbst mit dem Erkennenden "immer wieder"einhergeht, mit
dabei ist. "Bei sich sein" als Bewußtsein durch immer wieder "bei
sich" als immer wieder "bewußt".
Was hier als Sprung in der Gedankenführung und Begrifflichkeit
bzw. als "künstlich" erscheint, wird am Ende des Kapitels (Seite 366)
denn auch noch deutlicher unterschieden, wenn Prauss sagt, daß diese
Beschreibung "aufwärts" am Ende zu weiteren Widersprüchlichkeiten
führen muß, womit er eine Begrifflichkeit dieser Beschreibung
des Punktes als Zeit und Bewußtsein im Sinne eines physikalischen
oder geometrischen Geschehens meint, wie es sich aus dem Modell ableitet,
demgegenüber eine Begrifflichkeit des Punktes in die Tiefe oder "abwärts"
eben als das Mentale meint.
Siehe weiter unter Band2.htm
Dies alles sei Physiologie
und Psychologie.
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