Friedhelm
Schulz

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aktualisiert am 30. August 2001
 

Der Punkt bei Gerold Prauss


Marginalien zu Gerold Prauss "Die Welt und wir", Band 2, ab Seite 319, § 10;  Metzler Verlag Stuttgart.

»Die Wirkung von verbalen Vieldeutigkeiten auf das Denken [war] immer nur negativ, nie positiv.« Ernst Tugendhat 
1.  Unsere Welt ist nicht ein Epiphänomen des Ansichseins,
als könnten wir von den Dingen dieser Welt auf die Struktur der Dinge im Noumena schließen.
Aber wir können, - und wie könnten wir anderes? - von unserem Erkennen und Erkannten auf die Struktur unserer Erkenntnis schließen. Und die Auswirkung solcher Reflektion auf unser Selbstverständnis wie auch auf die Erkenntnis selbst ist noch kaum abzusehen und kann nur zu einem zunehmend richtigeren Verhältnis zu unserer Erkenntnis, zu uns selbst wie auch zum Mitmenschen und zum Leben überhaupt führen - als unsere eigentliche geistige Entwicklung.
In unserem Jahrhundert ist durch alle Wissenschaftsgebiete hindurch dem »Zeitpunkt« große Aufmerksamkeit zuteil geworden - und zwar als Ideal an Präzision bei Messungen und Berechnungen.
Als ich noch von früh bis spät tagtäglich Portraits zeichnete, spürte ich, daß ich mit der Zeit die Menschen in etwa 38 Gesichtstypen einteilte; und als ich einmal versuchte, diese schriftlich zu sortieren, entdeckte ich, daß ich alle Gesichtstypen zwar als Formen aber zugleich mit bestimmten Erlebnissen und Gegebenheiten in der Erinnerung hatte, was aufzuschreiben sehr umständlich und für jeden anderen als mich selbst unverständlich bzw. nichtssagend sein würde. Wenn ich sehr müde war und zeichnen mußte, zeichnete ich, ohne anders noch zu können, nur den Gesichtstyp und nicht die entsprechende Individuation des Typs; meist aber mit dem Erfolg, daß jener oder jene mit der Zeichnung zufrieden war oder sich sogar geschmeichelt fühlte. 
Auf den Gedanken, daß ein Mensch sich selbst als einer solcher Typen sieht und ihm sogar nacheifert, komme ich erst jetzt in diesem Augenblick.
Die Mühe des Zeichnens brachte es mit sich, daß mir mit der Zeit Leute, die sich leicht zeichnen lassen, ungeheuer sympathisch wurden, - ganz unabhängig von ihrem sonstigen Charakter.
Bei den vielen Gesprächen fiel mir mit der Zeit zudem auf, daß sich die Reaktionen und Argumentationen in der ja immer gleichen Situation des Portraitiertwerdens und selbst der Wortlaut bei vielen Menschen ähneln, wobei ich zuerst drei Reaktionstypen und später dann fünf unterschied, was jedoch mit den Physiognomien nichts zu tun hatte. Ich unterschied zuerst Leute, die die Welt oder einen Gegenstand im Grundansatz als ein Gewordensein verstanden wissen wollen, andere als ein Sosein und andere als ein Werden, wobei Erstere und Letztere sich aber wieder unterteilten in solche, die das Argument des Soseins und die anderen das Argument des jeweils anderen benutzten, woraus sich fünf Denktypen oder Tendenzen im Denken ergaben, wie ich es dann nannte. Ich hielt diese Eigenarten für angeboren wie die Physiognomien, obwohl sie sich eigentlich erst gegeneinander verdeutlichten, aufwiegelten bzw. sogar erst verwirklichten.
Man kann sich den Unterschied vielleicht daran vergegenwärtigen, daß jemand beim Verzehr einer Speise hauptsächlich den Geschmack, den Zustand und den Genuß oder den verdorbenen Genuß betont, während der andere zuerst die Zubereitung und der Dritte vielleicht die Bekömmlichkeit betont.
Stegmüller bekehrte mich davon, aus der Beobachtung eine Philosophie angeborener Weltanschauungen zu machen. Dies alles sei Physiologie und Psychologie. Bei Reisen durch Nord- und Schwarzafrika, Indien und China fand ich zu  meiner Überraschung alle Typen wieder. 
Heute bin ich zu müde, derart viel zu zeichnen und mich den  Situationen zu stellen, finde jedoch bei den Reaktionen auf die gigantische Arbeit von Gerold Prauss diese Reaktionsschemen wieder; und ich denke, wenn ich nun vielleicht in oder zu den fünf Variationen das erläutere, was Prauss in seiner Fußnote auf  Seite 322, Bd.2 als zusätzliches Denkmodell beschreibt, müßte für alle Menschen der Welt dieser Ausgangspunkt der Prausschen Überlegungen einsichtig werden. 
Denn wenn Stegmüller recht hatte, dann müßte auch das, was Prauss Dingverfallenheit nennt (Seite 33 bis 67), etwas Psychisches sein, auf das eher pädagogisch argumentativ als philosophisch reagiert werden sollte, wo Verständnisschwierigkeiten bestehen.
Die Fußnote von Prauss lautet vorweggeschickt also: 
Prauss Seite 322, Bd 2
„4 Wenn es Ihnen nicht genau genug ist, dieses Zeit-Modell vermittels Kreidestück und Schwamm und Tafel zu gewinnen, können Sie es absolut-exakt durch eine bloße Forderung erzeugen. Widerspruchsfrei ist es nämlich, folgendes zu fordern: Angenommen werde das dynamische Erzeugen einer geometrisch-idealen Linie in einem Zug als das dynamische Ausdehnen eines geometrisch-idealen Punktes. Durch ein solches Ausdehnen sei dann auch eine Richtung dieses Ausdehnens sowie die zu ihr umgekehrte Richtung festgelegt. Und da ein solches Ausdehnen ja kontingent sei, lasse dann auch zusätzlich noch folgendes sich annehmen: In einem Zug erfolge solches Ausdehnen, indem genau so viel an Ausdehnung, wie dabei in der einen Richtung je und je entstehe, in der umgekehrten Richtung dabei je und je vergehe. Diese Forderung führt absolut-exakt zu dem Ergebnis jenes geometrisch-idealen Zwischendings von Punkt und Linie."
:
Wenn nun aber jemand dennoch an der Kreide hängen bleibt, etwa mit folgenden Worten:
Zitat einer Prausskritik aus http://www.bdwi.org/bibliothek/heinrichs1.htm  „Das ist zwar theoretisch richtig, nicht aber lebenspraktisch. Hier kann ich im konkreten nicht wählen, ob ich z.B. den Zukunftsbezug einer Handlung in den Vordergrund stelle oder die räumliche Distanz zweier Orte. Was im Vordergrund steht, ergibt sich zwangsläufig aus meinen Bedürfnissen und der Absicht meines Handelns. Meine Absicht bestimmt meine Hinsicht; dies ist aber nur deshalb möglich, weil es unterschiedliche Weisen der Hinsicht gibt........... Nach unserer Analyse der Zeitthematik können wir erkennen, daß hier eine Vermischung der »Zeit« als sozialer Tatsache mit ihrer naturalen Grundlage, dem Prozeß des Werdens vorliegt. Diese Vermischung führt zu dem Changieren der hier gegebenen Bestimmungen der »Zeit« zwischen subjektiv und objektiv, zwischen Jetzt-Punkt und Dauer. Zudem bleibt das Verhältnis zum »Raum« unklar. Es wird zwar erkannt, daß hier eine Verbindung besteht, nicht aber, worin sie tatsächlich besteht, weil »Zeit« und »Raum« immer noch als grundsätzlich verschieden gedacht werden. Wir wollen dies etwas genauer analysieren. Was ist damit gemeint, wenn Prauss die »Zeit« als etwas »Dauernd-Wechselndes« bezeichnet? Wir haben gesehen, daß die »Zeit« eine Verhältniskategorie ist, die es den Menschen ermöglicht, Phänomene zu vergleichen, zu ordnen und sich so in ihrer Umwelt zu orientieren. Wäre diese Kategorie in einem dauernden Wechsel begriff, könnten diese Leistungen nicht erbracht werden. Prauss meint nicht die »Zeit«, wenn er vom »Dauernd-Wechselnden« redet, sondern versucht den Prozeß des Werdens zu beschreiben. Er benutzt die Ausdrücke »Zeit« und »Werden« synonym. Damit vermischt er eine soziale Kategorie mit einem physikalischen Prozeßmuster. Aber auch der Prozeß des Werdens ist mit der Definition »Dauernd-Wechselndes« nur höchst unzureichend beschrieben. Wenn wir uns Prauss Beispiel des Tafelpunktes genau ansehen, so haben wir es nicht mit etwas Dauernd-wechselndem zu tun, sondern mit einem sehr komplexen Prozeß, der aus kontinuierlichen, gerichteten Veränderungen besteht. Kalk wird in blättrigen Schichten aus einem Stück Kreide auf eine Tafel aufgetragen, und von der Tafel in einen feuchten Schwamm übertragen, dabei sättigt sich der Schwamm immer stärker mit Kreide und hinterläßt seinerseits eine zunehmend dichter werdende, unscharfe, feuchte Kreidespur auf der Tafel. Dieser Prozeß enthält Kontinuitäten, der Schwamm sättigt sich mit Kreide, er hinterläßt eine immer deutlichere Kreidespur auf der Tafel. Von einem dauernden Wechsel vom Nichts zum Sein zum Nichts kann hier keine Rede sein. ......"
Friedhelm Schulz:
Wenn Prauss eingangs von verfälschter Zeit spricht, verfälscht nämlich, woimmer man objektive bzw. objektivierte Zeit für diejenige einsetzt oder als diejenige versteht, die sich in der 1. Stufe des Prausschen Systems - oder eigentlich - eben als Punkt - noch vor einer solchen subjektiven Zeit zu den 2 einzigen Möglichkeiten des Auseinander differenziert, nämlich zu Nacheinander und Zugleich, bzw. in der jeweiligen Negation: zu Nacheinander und nicht Nacheinander und zu Nichtzugleich und Zugleich, so schließt er natürlich nicht aus, daß man in der Zeitmessung objektiver Zeit der 3. Stufe, wo in der Tat durch Erleben, d.h. durch Auflegen von Zeit auf Dingliches oder durch Ablesen von Zeit an Instrumenten einerseits und bei der individuell unterschiedlichen Abschätzung einer Zeitspanne andererseits ein Unterschied gemacht werden kann zwischen der Präzision verschiedener Uhren und den jeweils individuellen und ungenauen Schätzungen, wobei man dann umgangssprachlich von subjektiver Ungenauigkeit spricht in Unterschied zu den objektiven Messungen und Berechnungen.
Wenn es einem aber nicht gelingt, dem Gedanken des Geschehens der Kreide auf einer Tafel zu folgen, weil in der Tat dabei Tafel - als Raum - wie die Bewegung der Kreide als Werden innerhalb einer Zeitspanne vorausgesetzt ist, so kann man sich behelfsmäßig vielleicht ein Koordinatensystem vorstellen mit x=cm und y=Minuten, in dem es den Punkt 3x=3Y gibt. Auch hierbei wird natürlich der Raum des Koordinatensystems vorausgesetzt, an dem die aufgetragene Zeit abgelesen werden kann. Ich könnte nun mit der Kreide einen Punkt zeichnen als Jetzt und Hier, der nur dann ein präzises Zeichen wäre, wenn er keine Flächenausdehnung hätte, was dann immer auch Zeitausdehnung wäre, der also nur gedacht und errechnet und empirisch weder dargestellt noch realisiert werden kann. Am Aristotelischen Zeitmodell wären der Teilungspunkte auf beiden Koordinaten X und Y ebenfalls nicht existent, denn sowohl das Hier auf x wie das Jetzt auf y läge jeweils zwischen „bis 3" und „ab 3", also außerhalb der Wirklichkeit des Koordinatensystems, - was Zenon zumindest als Paradox innerhalb des empirischen Denkens erkannte. Wenn wir nun x als Variable verstehen, wäre also nicht nur der Punkt, sondern auch die resultierende Linie außerhalb der empirischen Realität und eben nur denkbar, wobei der Punkt 3x=3Y auf dieser nur gedachten nichtempirischen Linie liegt und dennoch die Eigenschaft 3x=3y hat, - aber im Prinzip unendlich viele andere Eigenschaften von x und y haben kann, nämlich die aller anderen Funktionen von Kurven und Flächen, die 3x=3y kreuzen bzw. als Flächenumgrenzung beinhalten.
Für jemand, der die Dynamik der Handbewegung mit der Kreide bei jenem Modell nicht zurücknehmen kann, weil mit ihr als Vorgang ebenfalls Zeit und Raum vorausgesetzt sein muß, der kann sich 3x=3y als Punkt auf der Sinuslinie des Lichtes mit der zusätzlichen Eigenschaft der Lichtgeschwindigkeit denken, und zwar, wie sie allgemein heute als Eigenschaft oder Zustand eines Punktes des Urknalls angenommen wird und zwar als die Voraussetzung der Entstehung des Raumes, wobei jener Punkt die Eigenschaft mit dem Urknall ja nicht verliert.
Natürlich sind auch das Hilfsvorstellungen.
Schließlich sei mir als Letztes noch einmal der ständig von Prauss wiederholte Hinweis erlaubt, daß ich bei der Reflexion auf die Struktur einer Erkenntnis eben nicht als „intentio reflectiva -recta" das Erkannte als Vorgegeben annehmen darf:
In welcher Hand habe ich die Wahrheit?
 

so als hätte ich in der linken Hand mit dem realen Stein die Wahrheit in der Hand, an der ich die Richtigkeit jeder Erkenntnis, wie ich sie vielleicht in dem Buch in meiner Rechten aufgezeichnet habe, messen und kontrollieren könnte. Natürlich habe ich in beiden Fällen nichts anderes als nur Erkenntnis. Ich vergleiche immer nur Erkenntnis mit Erkenntnis.

2. Die Angst der Wissenschaft vor Gott und vor Subjektivität.
Beides ist als Dogma in der Tat eine höchst zweifelhafte Sache: sowohl die Existenz Gottes wie die Existenz von Subjektivität irgendwo oder an oder in irgend einem Gegenstand, Körper, Raum oder Gehabe. 
Ein Thema für die Religionsstunde der Schule einer jeden Religion: Wenn ich nur aus Gehorsam, Unterwerfung, Indoktrination, Konvention, Tradition und Angst vor anderen Menschen Gott oder ein wirkliches bzw. vermeintliches Subjekt in Gestalt eines Menschen oder Gegenstandes als solches achte, respektiere, anerkenne usw. ist dieses eine Beleidigung Gottes und des Menschen, dem schon die Beleidung meiner eigenen Person vorweggegangen ist. Ein vielschichtiges Theme über den Vorgang von Information, Begriffsbildung, Sprache und Kultur.
Nicht aber das ist das Angstthema der Wissenschaft, sondern es ist die strickte Verneinung, Gott einfach nur als jeweilige Ursache, Verantwortung und Kausalität und die subjektive Spekulation anstelle empirischer Fragen, Fakten und Forschungen zu dulden. Auch das gehört in den modernen Religionsunterricht.

Beides, nämlich Gott und Subjektivität, drängt sich mit all der ungeklärten uralten Problematik in alle bestehende Begrifflichkeit, - nämlich als solche - hinein, auf die wir ja angewiesen sind, wenn es um den Urknall und um jenen Prausschen Punkt geht, die als Beginn oder Tor unserer Welt und der menschlichen Wirklichkeit erscheinen. 
Aber selbst jener Koordinatenpunkt x=3 und y=3, den ich oben als Vorstellungshilfe anführte, und der ohne jede Ausdehung eben empirisch nicht wahrnehmbar und empirisch nicht existent ist und dennoch die Eigenschaft jener Geraden x=y besitzt, neben unendlich vielen anderen möglichen Funktionsgleichungen, die durch diesen Punkt gehen, bringt unvermeidlich mit der Forderung an das Subjekt, sich diesen Punkt dennoch zu denken, die Aufmerksamkeit auf die Tatsächlichkeit, die Notwendigkeit, ja die Voraussetzung des Subjekts und des Subjektiven auch in der Geometrie. Denn auch die Zahlen x=3 und y=3 sind ja nicht selbst die Werte oder das Attribut des Punktes, der trotz Eigenschaft in Raum- und Zeitausdehnung gleich Null ist, sondern nur der Name, wie es Frege bezeichnen würde, also eine mehr oder weniger zufällige Bezeichnung des damit Gemeinten, nämlich daß die Unterteilungen auf der Y-Linie die Zeitabstände und auf der X-Achse räumliche Abstände bedeuten sollen, wofür ja auch n und t oder andere Buchstaben oder Zeichen stehen könnten.
Der Koordinatenpunkt soll vielmehr verdeutlichen, wie konsequent wir in der Vorstellung des Prausschen Punktes oder Intervalls den mit dem Koordinatensystem vorausgesetzten Raum wie auch die Zeit und selbst das subjektive Bewußtsein zurücknehmen müssen. Denn auch der Nullpunkt des Koordinatensystems x=0 und y=0 von dem aus die Winkelhalbierende durch x=3 und y=3 führt ist ja nicht ein Luftballon mit zwei Löchern, aus denen auf der einen Seite ein Linien- oder Raumstrahl und im rechten Winkel dazu ein Zeitstrahl ausfließt, oder aus dem in 45° ein Gemisch aus Raum und Zeit die Winkelhalbierende ergibt. Keinesfalls auch wäre es so, als wenn dieser Luftballon dann - wie jene Hand mit der Kreide auf der Tafel - auf der Y-Achse entlangrutscht und so jeweils zur anderen Zeit den Raumstrahl entweichen läßt, wie es in normaler Begrifflichkeit einer „intentio reflectiva -recta" oder bei jener Demonstration mit der Kreide auf der Tafel scheinen könnte. 

Denn was Prauss in seinem 2. Band von Beginn an immer wiederholt, ist mit anderen Worten die Tatsache, die ich mit dem Selbstporträt oben demonstrieren will, daß wir außer Erkenntnis keine Erkenntnis haben. Und das bedeutet, daß auch unser Erkennen samt Selbstbewußtsein und Subjektivität zu diesem Erkannten gehört, zu jenem Stein in der linken Hand ebenso wie zu jeder Theorie in der rechten Hand. Und natürlich gilt dieses dann auch, wenn ich in der einen Hand z.B. die Bibel oder den Koran halte und in der anderen Hand eine der Auslegungen.
Bibel und Bibelauslegung

So ist es auch ganz normal, wenn wir auf dem Weg der objektiven Zeit, nämlich dem der „intentio reflectiva -recta" in die Vergangenheit auf jenen Urknall als einen Punkt als etwas Objektives stoßen und ihn eben statt Chaos und Gesetzlosigkeit zugleich auch als Subjekt auffassen können, als Subjekt, Gott, Schöpfer oder Handlung, wie bei der Begegnung mit einem anderen Menschen als Subjekt uns dieser in seiner Freiheit sowohl als Unberechenbarkeit, Chaos und Gegenstand von Gefahr wie aber auch als „mein Vater", „mein Mann", „mein Sohn", „mein Kind", nämlich als meine Verfügbarkeit erscheint, wie ein eigener Körperteil, um die beiden Gegensätze zu unterstreichen, wie es Prauss auf Seite 918, (Band 1, „Die Welt und wir", Metzler Verlag) formuliert:

Prauss:
„Dies jedoch heißt überhaupt nichts anderes, als daß jedem Subjekt jedes Objekt auch zunächst einmal als objektives oder anderes Subjekt erscheint, was bisher um so rätselhafter ist und bleibt, als doch durchaus nicht jedes Objekt auch tatsächlich, faktisch, kontingent, will sagen, auch empirisch solch ein Subjekt ist."


Dieses gehört ebenfalls in jeden modernen Religionsunterricht und bedeutet ja nicht, daß es jenes andere Subjekt, oder daß es Gott nicht gäbe.
Aber als Verstandesleistung oder durch solche, - was als Aktion und Artefakt eben genau das Gegenteil ist von einem passiven Rezipieren und von einem Abbild eines vorgegebenen Bildes, -  muß durch dieses Zurücknehmen von objektiver Zeit und objektiven Raum aus diesem Objekt, nämlich der Tafel und Kreide samt Handbewegung an der Tafel als objektives Geschehen, oder auch von dem Objekt Koordinatenkreuz die Anschauung werden und aus dieser dann der Begriff für jenen Punkt, wie es Prauss einige Seiten vorher ausführt:

Prauss, Seite 545, Bd.1
„Genau als dieser Punkt, der im genannten Sinn nicht nur mit Raum, nein auch mit Zeit in Einheit wie zu beidem auch in Gegensatz steht, tritt an dieser Stelle unserer Systematik aber der Begriff auf. Und indem er dies aus Zeit heraus mit Raum gleichauf gerade so tut, daß er dadurch ebenso zu ihm in Gegensatz wie auch mit ihm in Einheit steht, ist der Begriff als Punkt die Form genau desselben, wovon auch der Raum als Ausdehnung die Form ist. Jedes dieser beiden nämlich wird auf solche, sprich, auf seine Art jeweils zur Form des Inhalts, der in Zeit als Nacheinander eben nur die eine Form von Punkt und Ausdehnung ineinem hat, in Raum als Ausdehnung und in Begriff als Punkt gesondert aber zwei, und zwar zwei grundverschiedene Formen hat, die zueinander ebenso in Gegensatz wie auch in Einheit miteinander stehen."

Prauss: Weiter Seite 546
„Und was dies bedeutet, werden Sie sofort erfassen, wenn Sie nicht allein beim Negativen stehenbleiben, das Begriff und Anschauung gemeinsam haben — nämlich ihre Sachgehalte nicht zu Eigenschaften besitzen —, sondern bis zum Positiven weitergehen, wodurch sie sich auch wieder unterscheiden.
Dazu setzen Sie am besten nochmals beim Objekt an, um sich klarzumachen, daß es rot oder oval ja überhaupt nur ist, indem es grundsätzlich auch ausgedehnt ist. Danach nämlich hat es nicht nur Rotgehalt oder Ovalform, sondern auch noch Ausdehnung zur Eigenschaft, wogegen Anschauung all dies nicht hat, sondern nur ist, -   doch immerhin, das heißt, auch Ausdehnung selbst ist. Das gilt es hier hervorzuheben, weil Anschaung überhaupt nur dadurch, daß sie immer schon Ausdehnung ist — nämlich in Form von Raum —, alles andere selbst ist, indem auch alles andere noch jeweils Ausdehnung selbst ist: dergleichen wie Ovalform ebenso wie Rotgehalt."



Was mit dieser Hilfsvorstellung von Kreide, Handbewegung und Schwamm oder mit dem Koordinatensystem vor sich geht, ehe dann daraus ein Begriff für jenen Punkt der Zeit, nämlich als Punkt mit Ausdehnung ineinem werden kann, ist regelrechte Arbeit, die ganz empirisch und wahrscheinlich meßbar Energie verbraucht und wahrscheinlich deshalb auch schwierig und unbeliebt ist. Denn ursprünglich ist ja mit dem deutfähigen Begriff  z.B. „Demonstration an der Tafel" oder „Koordinatenkreuz mit Zeit und Raum als Achsen" über die deutfähige Anschauung das Objekt gemeint, als was man diese Demonstration an der Tafel objektiv sehen und filmen kann bzw. oder als das jenes Koordinatenkreuz als Zeichnung sichtbar ist. 
Für die Philosophie wird für der „intentio reflectiva -recta" daraus dem Wortlaut nach eine Umkehrung, so daß „Tafel" oder „Koordinatenkreuz" zum deutfähigen Begriff für die deutbare Vorstellung jenes Punktes wird, der als Objekt gemeint ist.
 


Was uns beim Koordinatenkreuz ja nur als Anschauung dient, in dem die Räumlichkeit auf der x-Achse vielleicht in cm eingeteilt ist, da finden wir auf der y-Achse ja eben nicht die Zeit selbst, sondern eigentlich nur das auseinandergerollte Ziffernblatt einer Uhr mit den markierten Bewegungsetappen der Zeiger, auf die die objektive Zeit nachträglich erst aufgelegt oder erschlossen und gedacht wird. Dabei wird die y-Achse oder das Ziffernblatt einer Uhr oder die Handbewegung mit der Kreide auf der Tafel quasi zu einem zusätzlichen Koordinatensystem, bei dem aber die entsprechende y-Achse nur noch gedacht wird bzw aus den Abständen erschlossen wird. D.h. die Zeit ist - wie auch mit der Bezeichnung „Anschauung" bereits gesagt - ohne solche Bewegung oder ein Verharren nicht anschaulich, wie auch die Subjektivität eines Lebewesen ohne solches als Bewegung oder Verharren eines Körpers und ohne Räumliches nicht anschaulich ist; dennoch benutzen wir für beides den deutfähigen Begriff und die deutbare Anschauung um uns das Nichträumliche quasi zu vergegenwärtigen.
Hiermit stoßen wir nun auf ein zweites Phänomen einer gewissen Trägheit, Schwerkraft oder Verführbarkeit unseres Denkens, das die Menschheitsgeschichte wohl ebenso geprägt hat, wie die oben benannte Schwierigkeit, die uns dahin drängt, in jedem Ding und Objekt zuerst einmal ein Subjekt zu sehen, worin der Hang zum Animismus und über diesen die Wurzeln der Religionen und der Religiösität liegt, nur daß es sich hier bei der Veranschaulichung, Vergegenständlichung oder Vergegenwärtigung oder Ritualisierung von Abstraktem bzw. Transzendentem eher entgegengesetzt um eine Verdinglichung von etwas handelt, das eben kein Ding und nicht räumlich und dennoch wirklich ist. Auch dieses liegt den Religionen aber mehr noch als Verbissenheit und Dogmatismus diesem Dogmatismus selbst, aber auch dem politischen, soziologischen und kulturellen und nicht zuletzt auch dem Empiristisch-Wissenschaftlichen  zugrunde und sollte als Reflexionsthema ebenfalls zu jedem Religionsunterricht gehören.
Dabei sollten wir dennoch zugleich reflektieren, das nämlich genau so wie uns die Uhr oder die Regelmäßigkeit z.B. von Tag und Nacht verleitet, die Zeit zu verdinglichen - so wie wir Arbeitszeit verdingen und berechnen - , daß uns auch eine solche skizzenhafte Veranschaulichung der Struktur einer Erkenntnis zu voreiligen Purzelbäumen unserer Phantasie verleiten kann. Als Grundlagenforschung ist die widerspruchsfreie Denkbarkeit von Zeit, Bewegung und Handlung, wie sie Prauss nachweisen kann, in dem Gerangel des Wissenschaftsbetriebs von Philosophie und Theologie sicher ein Ereignis, von noch nicht absehbarer Bedeutung. 
eine unvermeidliche aber verführerische Hilfsvorstellung
Als mehr visuell orientierter Mensch und philosophischer Laie wird man sich bei der Prausschen Lektüre die vielen Systempunkte sicher so ähnlich wie hier oben skizziert vorstellen, um sie sich zu merken, was durch diese Vereinfachung dann zu Mißverständnissen verleiten kann, wenn man sich z.B. den Punkt Y als Teilungspunkt von Zeit und Raum denkt, als gelange oder entstünde mit der Intention unser Bewußtsein und die gedankliche Begrifflichkeit in Zeit- oder Punktform hier entgegen dem Uhrzeigersinn in die Erkenntnis und als gelange im Uhrzeigersinn die sinnliche Wahrnehmung in Raumform über die fünf Sinne in die Erkenntnis, so als bekäme die sinnliche Wahrnehmung der rechten Seite durch den Verstand und das Bewußtsein der linken Seite Name und Bedeutung. 
So wie in der Politik der Faschismus und seine Abarten als Absurdität von Selbstverständnis immer nur Folge und nicht Ursprung des Staates sein kann, so kann sich mit solcher Vergegenständlichung der Erkenntnisstruktur in Form einer Skizze oder in Form von Sinnesorganen, Gehirn und Nervenzellen wie auch in Form eines Urknalls auch Empirie zu einem neuen Empirismus verfestigen. Denn was immer wir uns nachträglich denken, das unsere Haut als festen oder weichen Gegenstand oder als Hitze oder Kälte oder auch als Welle oder als Molekül oder auch als Atom bzw. Feld berührt, und was immer wir uns als bestimmte Wellenlänge dann denken, wenn wir dann eine Farbe sehen oder mit dem Ohr einen Klang hören, so sind Wellenlänge oder Atom genau so wie auch Härte, Klang, Farbe oder Geruch und nicht anders auch die Organe wie Haut, Auge, Nase, Mund und Ohr und ebenso das Gehirn mit allen Funktionen immer erst Folge und Ergebnis und keineswegs Ursache oder Ursprung jener Differenzierung. Als solches wäre es auch falsch, von einem Prausschen Punktintervall zu sprechen, was sich irgendwann vielleicht sogar als praktischer erweisen wird, als die Lichtgeschwindigkeitskonstante.

So scheinen die Ausführungen von Prauss über die Welt und uns auf den ersten Blick denn auch wie eine schreckliche Fahrt in den Agnostizismus, was als schmerzhaftes, konsequente Losreißen aber letztlich nur von jenem versteckten oder ganz bewußten empiristischen oder theologischen Dezisionismus empfunden werden kann, als müsse man eine sichere Wahrheit verlassen. 
Letzterer aber ist es, der mit seinen Widersprüchen zu den modernen Absurditäten einer nur halb vollzogenen Aufklärung führte und führen kann. Und mit solchem Abstand durch solche Reflexion, was ja eben nicht heißen muß, daß es keinen Gott und daß es kein Subjekt als Selbst oder als den anderen Menschen gibt, wird letztlich dann auch jene Wirklichkeit aufwertet, die Prauss mit „tatsächlich, faktisch, kontingent, will sagen, auch empirisch" umschreibt, und die er uns so als menschliche und verantwortliche Lebenswirklichkeit nahebringt. Aber er macht uns auch jene wirklichkeits- und menschlichkeitsfremde weil automatistische Verbissenheit verständlich und damit überwindbar, wozu ich meine Skizze ursprünglich auch anfertigte:
eine unvermeidliche aber verführerische Hilfsvorstellung
Denn natürlich kann jener Punkt als Tor zur Wirklichkeit weder räumlich noch zeitlich vor oder nach oder innerhalb oder am Anfang von objektiver Zeit oder objektivem Raum liegen, was eben nicht nur für jenen Punkt, sondern nicht anders auch für den Urknall oder für den Beginn von Subjektivität oder Gott, oder auch ganz trivial für den Beginn aller Zahlenwerte gilt. Und Letzteres war es, weswegen der Mathematiker Bertrand Russell denn auch zum geschätzten Philosophen wurde. Denn die Zahlenreihe beginnt keineswegs etwa mit der Explosion von Null.
Und so schwer es auch ist, der von Gerold Prauss geforderten Begriffsbildung einfach zu folgen, 
 

Siehe B2, Seite 324; Gerold Prauss:
„Schwierig aber ist das, weil durch dieses Zeit-Modell etwas erzwungen wird, dem unsere Sprache und auch Logik, wie sie bisher ausgebildet sind, noch nicht gewachsen sind, sondern zu wachsen erst noch haben, um auch einem solchen Etwas noch gewachsen sein zu können. Eine Aufgabe für sich ist es mithin, ihr Wachstum zu befördern, weil nur dies die Mittel zur Verfügung stellen kann, um auch ein solches Etwas noch begrifflich zu bewältigen. Denn grundsätzlich ist unsere Sprache oder Logik vorläufig bloß dem gewachsen, das sich dem Verhältnis zwischen Punkt und Ausdehnung im Fall des Raumes als Zugleich fügt, was nach jenem Zeit-Modell jedoch das Nacheinander unverfälschter (von mir: noch nicht objektivierter) Zeit gerade nicht tut."


um so einsichtiger wird vorweg, wie verfänglich es sein kann, jene Grundfragen, wie sie sich z.B. in der Genforschung, der prädiktiven Medizin und der Präimplantationsdiagnostik bereits als politisches Problem stellen, in solcher empiristischen Befangenheit anzufassen. 
Vorerst gilt es aber, die Ursache dieser „Dingverfallenheit" zu verstehen. Denn es ist ja die Selbstverwirklichung durch Begriffsbildung und Objektivierung, wodurch man z.B. mit einer christlichen Erkenntnis dann zum Christen, mit einer sozialen Erkenntnis zum Sozialisten und eben auch mit einer empirischen Erkenntnis zum Empiristen wird und dieses dann auch noch die eigene Identität nennt, als sei diese Erkenntnis nun Fleisch geworden. Es ist in der Tat so, daß man auch heute noch derart verleiblichter Erkenntnis nicht mehr mit Argumenten und neuer oder anderer Erkenntnis begegnen zu können glaubt, sondern diese samt den ganzen Menschen verurteilt, und, - wie es noch im vorigen Jahrhundert an vielen Millionen Menschen geschah - , sie durch Tötung der „besessenen" Menschen widerlegen zu müssen glaubte; was andererseits dann eben auch Blindheit für die andere und auch neue Erkenntnisse bedeuten kann. 



Die Problematik gilt es für beide Seiten zu verstehen, ob ein Subjekt wie ein Objekt und Gegenstand gesehen und behandelt wird, sei es als Mann oder Frau, als Arbeitskraft, Käufer, Last- oder Lustobjekt, als Herrscher, König oder Bettler, wie auch, ob ein Gegenstand wie ein Subjekt gesehen wird, dem sich der Mensch unterwirft, oder unterworfen wird, sei es dem Kreuz, Halbmond oder Hakenkreuz, der Werkzeugmaschine, dem Auto oder der Spielpuppe, sei es dem Talisman, dem Gebäude der Kirche, des Tempels oder der Mosche'.
Hier ist in der Tat einer weiterer Schritt von Aufklärung zu vollziehen.
Seite 304
Hier umschreibt Prauss praktisch die ganze Schwierigkeit, die sich aus der Vereinfachung solcher graphischen Darstellung ergibt, die sich andererseits aber auch mit ihr darstellt:
eine unvermeidliche aber verführerische Hilfsvorstellung
Der von Prauss in diesem 2. Band neu eingeführte Begriff „Natur" steht eben nicht mehr für das, was wir in Wald und Feld empirisch nur als biologischen, physischen und psychischen Vorgang wahrnehmen, als das Leben und Sterben, als das Fressen und Gefressenwerden, als sei auch das Denken etwas Biologisches und machtpolitisch Organisierbares:
Prauss, Band 2, Seite 304:
„Nur kann die Natur den Zugang zu ihm dann zunächst einmal auch nur als Empirie gewinnen und mithin zunächst einmal auch nur zu ihm als dem Empirischen und damit als dem Artefakt aus jenem Material heraus. Und dieses geht dabei auf jene Affektion zurück, die weder Affektion durch dieses Artefakt sein kann, noch gar durch das Ansichsein, welches diesem Artefakt als dem Erfolg im Unterschied zum Mißerfolg zugrunde liegen muß. Sie kann vielmehr nur Affektion durch etwas beidem gegenüber Anderes sein: nur Affektion durch die Natur als das bei jener Teilung jeweils Ungeteilte. Denn auch zu dem nichtempirischen Ansichsein, das dem Artefakt als dem Empirischen laut Reflexion auf es als den Erfolg zugrunde liegen muß, kann die Natur bei dieser ihrer Teilung ja erst immer werden. Kann sie als Ansichsein doch auch immer nur auf seiten dieses Artefakts als des Erfolgs zugrunde liegen, aber niemals auch auf seiten jener Intention, weil in Gestalt von einer Intention, unendlichen Regresses wegen, die Natur nicht ebenfalls Erfolg oder auch Mißerfolg von sich als einer Intention sein kann. Statt Wirklichkeit durch Fremdverwirklichung von etwas Anderem durch etwas Anderes muß die Natur als Intention vielmehr gerade Wirklichkeit der Selbstverwirklichung durch sich sein."
Um sich dieses zu veranschaulichen kann man praktisch nur sich selbst als Beispiel nehmen, nämlich im 1. Schritt die Reflexion auf das einmalige wache Bewußtsein der eigenen Existenz in dieser Welt für die kurze Zeit der Lebenspanne, was dann im 2. Schritt eben als einmalig und nicht wiederholbar und in anderen Menschen eben nicht reproduziert ist und eben biologisch, physisch, empirisch nicht reproduzierbar ist, - auch nicht durch die Geburt anderer Menschen und was als solches auch nicht empirisch wahrnehmbar ist.
D.h. dieser Punkt Y in der Graphik befindet sich eben nicht irgendwo oder irgendwie in diesem Geschehen, sondern im Unterschied zu der reinen Kraft, zu der Bewegung ohne Bewegtes, wie sie Prauss beschrieben hat, ist die Natur diese ganze als Denk- und Erinnerungshilfe skizzierte Struktur des Punktes selbst ohne zeitliches und räumliches Vor und Nach, Vorher und Nachher eines Geschehens, wie man sich etwa eine algebraische Formel als ein Ganzes denkt, auch wenn es innerhalb solcher Formel eine komplizierte Struktur geben kann.

Der Punkt als Weltformel

Solche Formulierung demonstriert denn auch das Risiko des Prausschen Ansatzes, und nicht nur das persönliche Risiko.
Nach dem „genialen Lassowurf" von Seite 299 bis 303 (siehe meinen Kommentar über drei unvermeidliche Denkfehler, die für das Finden einer richtigen Vorstellung inkauf und dann zurückgenommen werden müssen, so als wenn man im Dunkel mit den Füßen das Ende der Treppenstufen ertasten muß, um nicht zu fallen,) gestaltet sich die Beschreibung des Erfolges bis zur Seite 317 in der Tat so ähnlich, als wolle jemand anhand der Bilder, die auf einem Fernsehschirm zu sehen sind, das Verhältnis dieser Fernsehwirklichkeit zu der anderen Wirklichkeit beschreiben, in der die Frequenzen und Wellen nach ganz anderen Kriterien existieren, als z.B. die Banditen und der einsame Sheriff in dem gezeigten Westernfilm
Die mit einer Handlungstheorie erhoffte und dringend erwartete Antwort auf die Frage, was passiert eigentlich, wenn der Mensch als bewußte Handlung ein Naturgesetz anwendet mit diesem Naturgesetz, - ob er nun als Handlung einen Stein wirft oder ihn bewußt als Handlung liegen läßt, oder ob er wie Lenin das von Marx formulierte Naturgesetzt anwendet, in der Erwartung, daß die Menschheit sich so von der gegenseitigen Unterdrückung und Versklavung zu einem friedlichen und gerechten Miteinander entwickeln wird, oder wie Hitler das Darwinsche Naturgesetzt der Auslese der Besten anwandte, um Recht zu bekommen, weil nach dem Naturgesetz der Sieger recht hat und der Auserwählte ist, wie nicht anders in der Tradition unserer europäischen Geschichte sowohl das Christentum und seine Konfessionen wie auch der Islam ihre jeweilige Gültigkeit durch militärische Kriege und physische Gewalt erlangten oder zumindest behaupteten, was denn auch die beiden Revoltierenden Lenin und Hitler als etwas gegen die menschliche Vernunft oder die natürliche Unvernunft aufgezwungenes in gleicher Weise zurückwiesen und durch etwas anderes aber mit gleicher Macht und Gewalt ersetzen wollten, Lenin zum Nutzen der Menschheit und Hitler zum Nutzen einer Nation auf Kosten anderer Nationen, wie es in Europa Tradition war, was handlungstheoretisch aber von gleicher Problematik ist, als wenn ich einen Stein werfe oder ganz bewußt nicht werfe.

Um bei meinem Bild von den unterschiedlichen Wirklichkeiten des Fernsehbildes zu bleiben, erscheint die Wirklichkeit jener Frequenz, nämlich das „panta rhei" des Heraklit, wie es Prauss zu denken ja nahelegt (siehe Seite 307), die das Fernsehbild unseres Western transportiert, wie die Wirklichkeit der Naturgesetze innerhalb jener Frequenz, die allerdings in Gegensatz zu Heraklits berühmter Formulierung nach Prauss aus der unbewegten Bewegung und aus dem Unteilbaren und Ungeteilten der vorzeitlichen Struktur des Punktes als die Bewegung schlechthin durch Widerstand oder Negation erst entsteht. Die Hauptschwierigkeit liegt nun ja darin, sich dabei eine freie also trotz aller Naturgesetze nicht determinierte, also zu verantwortende menschliche Handlung zu denken, so daß also jener gute Sheriff und die bösen Banditen nicht einem fertigen Manuskript gehorchen und nicht nur ein Film sind. Dieses läßt sich als Qualität jener Frequenz in der Tat entweder nur durch eine Lücke oder Unschärfe im Determiniertsein denken, was Prauss denn auch geradezu als Beweis für die Denkbarkeit der Freiheit anführt, oder durch eine zusätzliche Qualität dieser „Natur", für deren Existenz der Mensch der Beweis ist, worauf sich Prauss immer wieder wie auf ein Geländer stützt und stützen kann, für die Lenin und Hitler in ihrer Gläubigkeit an die blinde Natur selbst blind waren; - wozu aber nicht nur Diktaturen und Diktatoren neigen und woran sie scheitern, sondern auch Empiristen als Wissenschaftler und solche, die sich z.B. auf die „natürliche" Mechanik des Geldes verlassen und Probleme nur als finanzielle sehen.
Und ich empfinde es als tröstlichen Segen, daß der Mensch nach den grausamen Entgleisungen ins Unmenschliche der Weltkriege und deren Vor- und Nachzeit zur Besinnung seiner selbst kommt, wie es keiner so mutig wie Prauss demonstriert, wobei er jene Lücke im Determinismus, die mit Einstein, Heisenberg, Plank nur als Problem des Erkennens und des Bewußtsein - aber immerhin im Zusammenhang mit unserem Denken - gesehen wurde, als die eben eigentliche Qualität der eigentlichen Natur auffaßt.

Prauss, Band 2 Seite 314-315
„Die zusätzlichen nichtempirischen Kategorien, die sie auch noch als all dies faßbar werden ließen, könnten daher, wie bereits die nichtempirischen Kategorien der Artefakte, auch allein durch Nichtempirie der Philosophie als Reflexion entwickelt werden. Diese wäre somit auch noch sehr viel weiter auszubauen, als es der Gefangene Kant vermögen konnte. Ist doch die Natur auch schon allein als so etwas wie Kraft und Energie empirisch nicht recht faßbar, was Sie weiter sich vor Augen halten müssen. Denn empirisch faßbar ist sie schon allein als solche Kraft und Energie nur dadurch, daß es etwas gibt, das langsamer bzw. schneller wird, indem es als durch Kraft bzw. Energie bewegtes Selbiges, nämlicb beschleunigtes Substrat, empirisch-stellvertretend für sie als bewegende oder beschleunigende auftritt. Die Natur als Kraft bzw. Energie für sich genommen, nämlich ohne solche Stellvertretung, wäre denn auch schon für Empirie nur etwas Nichtempirisches: so etwas wie Bewegung ohne ein Bewegtes. Und als ein substratlos-absoluter Wechsel in den Wellenfeldern des Elektromagnetismus ist sie das tatsächlich, wie erst recht auch noch im mikroskopischen Bereich, wo „alles fließt". Und so liegt eben darin auch schon für die Empirie, zum Beispiel für die Quantentheorie, die grundsätzliche Schwierigkeit: Wie könnte die Natur als derlei überhaupt verständlich werden, wenn doch jede solche Stellvertretung von ihr durch etwas Substrathaftes hier schon von Grund auf nur Verfälschung von ihr sein kann."
Wobei es also nicht um ein Lücke sondern um eine Verfälschung geht, die es richtig zu sehen gilt.
Prauss weiter Seite 320-321:
„Denn auch nur durch unverfälschte Zeit ist dann auch noch das Nichtempirische der ursprünglichen Zeit und damit auch das nichtempirische Subjekt als Zeit noch zu gewinnen. So gewiß durch diese Art von Zeit-Verfälschung nämlich vorwärts, hin zum Objekt als empirischem, der Vorhang gleichsam aufgeht, so geht eben dadurch rückwärts, hin zum nichtempirischen Subjekt, der Vorhang zu, der aber gleichfalls aufgezogen werden muß. Denn nur empirische und nicht-empirische Naturwissenschaft miteinander können die Natur als jenes Ganze zu Gesicht bekommen, zu dem die Natur nicht nur als Objekt, sondern auch als Subjekt noch gehört, und zwar so grundlegend, daß sie als Objekt auch allein aus sich als Subjekt vollständig verständlich werden kann. Nur bedarf es eben, um den Vorhang auch noch rückwärts aufzuziehen, jener außerordentlichen Anstrengung der Reflexion, die schon allein zu jenem Zeit-Modell vonnöten ist, das deren innere Struktur zunächst einmal intuitiv vor Augen stellt. Erst recht jedoch bedarf es solcher Reflexionsanstrengung, um die durch jenes Modell intuitiv erfaßte innere Struktur der unverfälschten Zeit auch diskursiv noch zu begreifen, weil die dazu nötigen Begriffe dafür keineswegs schon zur Verfügung stehen, sondern erst gebildet werden müssen.
Genau in diesem Sinne also gilt es für Sie nunmehr: Vorhang auf!, das heißt: im Licht des Zeit-Modells nicht nur die Bühne des empirischen Objekts ins Auge fassen, sondern zusätzlich auch noch das nichtempirische Subjekt als den Zuschauerraum gewissermaßen, der zunächst jedoch noch gar nicht Raum ist, sondern erst einmal nur Zeit. Gerade damit aber ist der anstrengende Reflexionsweg schon gewiesen, der auch immer wieder nur von seinem Ausgangspunkt her, durch das Zeit-Modell, beleuchtet werden kann. Noch immer nämlich kann ich davon ausgehen, daß die innere Struktur der unverfälschten Zeit sich widerspruchsfrei charakterisieren läßt, weil ein strukturgleiches Modell für sie sich geometrisch konstruieren läßt."


Und es ist ja nicht zuletzt gerade diese Anschaulichkeit der unterschiedlichen Dispositionen von Technik, Politik und Wissenschaft einerseits als der weltweiten Realität und Wirklichkeit mit funktionierenden Kommunikationsmitteln wie Telephon und Fernsehen über künstliche Sateliten usw. und die nur philosophische und vielleicht ethische Selbstbesinnung andererseits bei unserem Treiben und Getriebenwerden, wodurch ja eher der Mensch unter Milliarden anderen Menschen und unter den Milliarden Sternen des endlosen Kosmos mit seinen privaten Gedanken - sprich Subjektivität - zur beiläufigen, zufälligen und unbedeutenden subjektiven Winzigkeit zusammenschrumpft, wodurch der Denkansatz von Prauss regelrecht lächerlich und unglaubwürdig wird, als wäre es umgekehrt jene empirische Welt und Wirklichkeit mit all ihren Stimmigkeiten und Beweisbarkeiten, die zu einem sogar nur denkbar flüchtigen Punkt zusammenschrumpft, ja sogar auf ein empirisches Nichts an Ausdehnung und Gewicht wie auch an Dauer. Ein Kuriosum wie die Denkspiele von Zenon, mit denen ein Physiklehrer höchstens zur Belustigung der Schüler aufwartet, um auf jene Lücke in all den Selbstverständlichkeiten hinzuweisen.

Und bei jenem Punkt handelt es sich auch keineswegs um ein Exemplar wie etwa das der Monade bei Leibniz, die als Vielheit zur Materie wird.
 
ex ovo omnia Dieses Praussche „Ovo omnia" als die Natur, die alles hervorbringt,ist vielmehr das nahtlose Kommen und Gehen von Gegenwart,  eben auch der Gegenwart von Erinnerung und Enzyklopädien,
 der auch ein Urknall immer nur im Nachhinein folgt und ihr keineswegs vorausgeht, wie er dann allerdings umgekehrt in der Stimmigkeit dessen erscheinen muß, was Prauss als „tatsächlich, faktisch, kontingent, will sagen, auch empirisch" bezeichnet, - wobei allerdings die Stimmigkeit nicht nur lückenhaft, sondern eben weltfremd, irrig bis irrsinnig, d.h. unmenschlich und absurd geraten muß, wenn sie zum Maß für den Menschen wird.
Das, was wir unter ethischem oder religiösen Vorzeichen als Wertestruktur oder als Gut und Böse bezeichnen, gilt es heute als die ursprüngliche Bedeutung von Richtig und Falsch zu verstehen, und zwar nicht nur als eine zusätzliche Kategorie, als die man eine perfekte Stimmigkeit in Form einer klugen Einsicht oder einer perfekten Maschine oder Organisation sowohl gut und zum Nutzen wie aber auch böse und zum Betrug und Schaden anwenden kann, sondern, wie bereits zitiert heißt dies bei Prauss, Seite 320:

„Denn nur empirische und nicht-empirische Naturwissenschaft miteinander können die Natur als jenes Ganze zu Gesicht bekommen, zu dem die Natur nicht nur als Objekt, sondern auch als Subjekt noch gehört, und zwar so grundlegend, daß sie als Objekt auch allein aus sich als Subjekt vollständig verständlich werden kann. Nur bedarf es eben, um den Vorhang auch noch rückwärts aufzuziehen, jener außerordentlichen Anstrengung der Reflexion, ..."
Und das heißt, daß auch die richtige Stimmigkeit im Sinne von „tatsächlich, faktisch, kontingent, will sagen, auch empirisch" oder auch Wissenschaftlichkeit ohne die menschliche Dimension auch als eigenen Irrtum und zum eigenen Schaden verfehlt wird. Denn selbst der vollständig entschlüsselte DNS-Code könnte z.B. nicht einmal Hell und Dunkel oder eine Farbe oder auch eine einfache bewußte Handbewegung erklären, geschweige denn das Affektionsproblem oder gar das der freien Entscheidung einer Handlung.

Dieses als Stimmigkeit auf eine Reihe zu bringen, statt es als Zweierlei oder als Widerspruch zu sehen, gilt es jetzt.

Wenn Prauss Seite 350 die Ausdehnung als Folge des Punktes und diese Folge als das oder der Andere nennt, der oder das dann anschließend dadurch der oder das mit sich Selbige wird, daß der Ursprungspunkt quasi diese Ausdehnung entlang wie auf einer Straße zu diesem Anderen geht und dadurch mit diesem quasi verschmilzt, oder den Anderen mit sich austauscht, sich an die Stelle des Anderen stellt, oder wie immer, dann klingt dieses recht künstlich, konstruiert, falls man damit etwas meint oder sich vorstellt, das außerhalb des Erkennens das Erkannte, das Objekt, das oder ein Ding ist. Da es sich aber bei diesem Punkt nicht um ein Erkanntes, sondern um das reflektierte und reflektierende Erkennen selbst handelt, das allerdings als wirklich von Prauss vorausgesetzt wird, - hier ist dieses "Geländer", nämlich das evident Wirkliche, als das "Landen", immer wieder "mit einher", immer wieder "mit dabei", weil immer wieder nur ein einziger im Spiel, das Selbst des Erkennenden. Hier sind es also nicht zwei verschiedenen Teile, nämlich einmal das Selbst und zum anderen das Erkennende, wenn auch durchaus eine Diffenrenz, wobei eben das Selbst mit dem Erkennenden "immer wieder"einhergeht, mit dabei ist. "Bei sich sein" als Bewußtsein durch immer wieder "bei sich" als immer wieder "bewußt".
Was hier als Sprung in der Gedankenführung und Begrifflichkeit bzw. als "künstlich" erscheint, wird am Ende des Kapitels (Seite 366) denn auch noch deutlicher unterschieden, wenn Prauss sagt, daß diese Beschreibung "aufwärts" am Ende zu weiteren Widersprüchlichkeiten führen muß, womit er eine Begrifflichkeit dieser Beschreibung des Punktes als Zeit und Bewußtsein im Sinne eines physikalischen oder geometrischen Geschehens meint, wie es sich aus dem Modell ableitet, demgegenüber eine Begrifflichkeit des Punktes in die Tiefe oder "abwärts" eben als das Mentale meint.
 
 
 
 

Siehe weiter unter Band2.htm
 




 Dies alles sei Physiologie und Psychologie.