Dieses Wachwerden als Erkennen, was und wo man war und ist, als das Tor zu immer weiterer Selbsterkenntnis, beschränkt sich eben nicht auf jenen Anlaß jener programmatischen Instrumentalisierung jüngster Geschichte. Man hat die Kunst schon immer instrumentalisiert.Friedhelm Schulz
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Was heißt die "Moderne"?
(Ein Vortrag zu meinen Bildern)
Kunst im Kontext der modernen Welt.
Thema meiner Bilder und Ausstellung ist: Kunst als Kunsttheorie:
Dargestellt wird: Der menschliche Entschluß als Elementarteilchen.Vorwort zur schriftlichen Fassung meiner Bilder. Zu Beginn möchte ich hier meinen Arbeiten und ihrer Theorie ein Zitat des bekannten und hochverdienten Kunstwissenschaftlers Alan Bowness voranstellen, mit dem dieser vielleicht zurecht dem auch von mir zu den wichtigen ersten Modernen gezählten Bild von Edouard Manet, „Das Frühstück im Freien" folgende Absicht unterstellt:
„Es ist, als wolle Manet die Künstlichkeit seiner Gemälde unterstreichen und so den Betrachter darauf hinweisen, daß die Welt der Malerei von der Realität unabhängig ist."Leider bekam ich die Arbeit von Alan Bowness erst jetzt, fast am Ende meines Vortrages im Febr. 2001, in die Hand. Dennoch könnten meine Ausführung auch nach diesem Vorbild nicht derart anschaulich und leicht zu lesen sein, wie Bowness erzählerisch das Gefühl vermittelt, den Hintergrund und auch die Entstehung und Karriere der Moderne derart verständlich machen zu können. Denn genau das kann Bowness nicht leisten, wenn seine Darlegung auch unendlich viel Wertvolles und Neues zum Verständnis der Moderne beiträgt. Dazu nämlich ist notwendig, gerade das ganz Selbstverständliche in unserem und des Künstlers Selbstverständnis aufzuzeigen, das in der Tat jenseits der Bilder und des Dargestellten stattfindet, und zwar zwischen Menschen, zwischen Künstler und Künstler, zwischen Künstler und Betrachter wie zugleich auch zwischen Betrachter und Betrachter.
(Seite 13, Alan Bowness, „Modern European art", deutsch: „Die Kunst der Moderne", übersetzt von Anne Vonderstein, Verlag Lichtenberg, 1998)Das genannte Zitat demonstriert und umschreibt gerade mit seiner Widersprüchlichkeit die Grenze jeder Kunstwissenschaft, die objektiv d.h. empirisch immer nur von vorhandenen Objekten, d.h. von bereits fertigen Bildern und von der bestehenden Karriere solcher Bilder ausgehend diese Bilder und Karrieren beschreiben kann. Empirisch wahrnehmbar ist eben nur diese quasi starre oder erstarrte Oberfläche.
Die Tiefendimension, die ein Künstler vor der leeren Leinwand angesichts der unendlichen Möglichkeit menschlicher Freiheit einerseits und der ästhetischen wie ethischen Dimension von Gut und Schlecht, Falsch und Richtig, Gut und Böse andererseits erlebt, kann der Wissenschaftler nur nachträglich, notdürftig und spekulativ mit Begriffen wie „gekonnt", „innovative Elemente", „abstrakt", „Farbauftrag", „Ductus", „Farbwerte", „unrealistische Elemente", „Umgang mit Farbe, Ton, Stofflichkeit, Form und Raum" usw. quasi von der Oberfläche her horizontal- und geschichtlich-kausal von einem quasi fertigen Kunstverständnis her aufsetzen. Und so ist es Bowness insbesonders als Brite auch nicht möglich, z.B. den Faschismus als Verwerfung und damit als Bestandteil der Moderne zu verstehen, weswegen er auch mit dem Beginn des 2. Weltkrieges die Moderne praktisch enden läßt oder abschließt.
eingesetzt werden kann und immer wurde und noch immer wird.
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Gilbert Et George, Attacked, 1991Vielleicht wird die spätere Kunstgeschichte Bowness darin ja auch bestätigen, daß nämlich mit dem 2. Weltkrieg und dem folgenden sog. „Kalten Krieg" die scheinbar traumwandlerische Naivität der frühen Moderne ein Ende findet, von wo an die Moderne polemisch, rhetorisch wie weltanschaulich zuerst von den Nazis und dann vom KGB wie vom CIA politisch instrumentalisiert wurde, wenn auch unterschiedlich. Aber das wurde Kunst schon immer seit Menschengedenken.
Hierbei gilt nun aber gerade die Instrumentalisierbarkeit als Nachweis der eigentlichen Realität der Kunst, und zwar jeder - auch der prämodernen - Kunst, zu verstehen, die wie eine Kanone oder Pistole eben sogar als Waffe eingesetzt werden kann, und zwar böse für wie gegen Böse, böse gegen Gut, gut gegen Böse und Gut wie schließlich auch gut, d.h. gerechtfertigt gegen BöseUnd so ist es vielleicht ganz verständlich, daß bei mir als Deutschem die Auseinandersetzung mit dem Faschismus innerhalb der Kunsttheorie als besonderem Reflexionsanlaß einen verhältnismäßig großen Raum einnimmt. Dennoch, was sich in dem Bowness-Zitat bereits - aber explizit mit meinen Bildern - deutlich macht, ist, daß sich mit der Moderne nicht in erster Linie Form, Thema und Technik - oder was auch immer - am Bild oder Kunstwerk verändert, sondern das, was nach Bowness scheinbar außerhalb der Realität stattfindet, was natürlich nur unbedacht so formuliert oder übersetzt ist, weil eben nicht in erster Linie Form, Thema und Technik - oder was auch immer - am Bild die eigentliche Realität ist, sondern das, was dazu führt, nämlich der Entschluß, die Absicht, das Gewollte angesichts der absoluten Freiheit vor der leeren Leinwand. Es ist die Veränderung als die mit der Entwicklung des Menschen wachsende Wachheit als Reflexionsvermögen genau auf das Mögliche in der Freiheit und zwar geübt und oft erst bewußt durch diese Reflexion - sowohl beim Machen wie beim Verstehen dessen, was der Mensch ist und tut, wobei Letzteres eben immer etwas Künstliches ist.
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Edouard Manet, "Frühstück im Freien" 1863
Die Kunsttheorie eines Künstlers, die im Gegensatz zu allen Kunstwissenschaften, vor der leeren Leinwand nicht von bestehenden Bildern ausgeht, und die damit seismisch also alles Vorherige an Freiheit, Zwängen, Versuchungen, Ereignissen und Zuständen und damit nur alles andere als das spätere Endprodukt auf der Leinwand wahrnehmen kann, weil jenes noch nicht existiert, scheint auf weiten Strecken eher Soziologie, Politik, Religion und Philosophie zu sein als Kunsttheorie, - allerdings mit dem Vorzug, sich den oft gänzlich verselbstständigten Dogmen, Diktaten oder Trampelpfaden des Kunsthandwerkes, des Kunsthandels und des Kunstbetriebes entziehen zu können. Dieses nachzuvollziehen ist sicher ermüdend, schwierig und weniger erbaulich, als ganz unabhängig davon ein gelungenes Endprodukt zu genießen. Letzteres soll keinem verleidet werden, im Gegenteil. Denn es sind die heimliche oder offene Mißachtung und Verachtung gerade der Konsumenten durch die Händler, Kunstwissenschaftler und Experten, die Begriffe wie Kunstexpansion und Kunstinflation eher negativ sehen und benutzen und daraus ein Karrierespiel wie einen Aktienmarkt des Kunstgeschehens veranstalten und Kunst zunehmend nur noch als erfolgloses oder erfolgreiches Marketing verstehen, das möglichst nicht erst mit fertigen Bildern sondern schon mit der Ausbildung der Künstler und der Fertigung der Bilder oder Kunstwerke beginnen muß. Natürlich gibt es sog. Marktgesetze, die wie Naturgesetze aufgespürt, gelernt und gekonnt eingesetzt werden können, und es wäre ganz weltfremd, wenn man annehmen wollte, daß diese nicht auch zur Welt des Künstlers gehörten und nicht ebenso bewußt benutzt werden, wie Pinsel, Farbe oder Terpentin. Hierzu aber könnten ehrliche Galeristen und Kunstwissenschaftler, die mit ihrem Wissen und ihren Beziehungen in und um den Kunstbetrieb erfolgreich oder erfolglos versucht haben, mit der Kunst eigener Bilder das dicke Geld oder Karriere zu machen, mehr und besser berichten. Auch eine solche Arbeit, etwa unter dem Titel "Der sichere Weg nach Venedig und Kassel" wäre ohne Zweifel verdienstvoll und würde sicher schnell zur Bibel für manchen Künstler.
Was ich Ihnen jedoch für ein paar Stunden Mühe zumute, ist ähnlich wie die "göttliche Kommödie" Dantes ein schwieriger Weg durch eine Unter- und Oberwelt, die seit je wie die Schlachtfelder dunkler und heller Mächte von Geistern und Dämonen im Kampf um die Seele des Menschen empfunden und umschrieben wurden, als würde dort im Bereich der Freiheit, der Entscheidungsmöglichkeiten und Entschlüsse entschieden, ob der Mensch wie ein Zombi, Sklave oder Schlafwandler nur als Produkt bestimmter Schablonen, Formen, Ismen, Veranlagungen und Gedanken endet, seien diese religiöser oder kultureller Art oder Kunst, oder ob er als moderner und mündiger Mensch als deren Produzent frei und verantwortlich bleibt, wobei es auch in der Freiheit nicht darum gehen kann, sich jeder Fremdbestimmung zu entziehen, was selbst als Versuch nur töricht und zwecklos wäre, sondern darum, zu wissen, welches Boot man mit seiner Geburt bereits bestiegen hat und auf welchem Planeten man aufwachte, und zu wissen, welche Strömungen wohin führen und verführen können.Die Disposition der folgenden Überlegungen. Man wird mir vielleicht vorhalten, daß solche Überlegungen nicht neu und heute ganz selbstverständlich sind. Und in der Tat hat Entwicklung keineswegs nur in der Kunst und in den Kunstwissenschaften stattgefunden, und ich spreche auch keineswegs von etwas, das ich erst fordern oder hervorbringen möchte, sondern das recht verbreitet und weltweit bereits selbstverständlicher Bestandteil eines modernen Selbstverständnisses ist.
Dennoch werden wir in jedem Gespräch über die Moderne ganz bestimmt und in jeder monologen Theorie werden wir höchstwahrscheinlich auch auf die Schwierigkeit eines Widerspruchs stoßen, der dadurch entsteht, daß sich die Moderne im obigen Sinne - und zwar als Qualitätsbewußtsein - einmal als Entwicklung oder Bewegung - also nicht nur als Veränderung oder Variation - versteht, was sich zum anderen aber als ein Istzustand irgend einer Zeit ganz formal also in einem Bild oder einer Statue oder einer Handlungsweise manifestiert hat, als wäre auch die Moderne nur eine neue Art der Konvention, in bestimmter Weise zu malen oder nicht zu malen. Man kann sich diesem Widerspruch behelfsmäßig am Vergleich mit einem Vogel entziehen, der als Istzustand auch dann die gleichen Flügel besitzt, wenn er durch die verschiedenen Kontinente fliegt. Ist also daß, was man heute als das Moderne den ganz individuellen Stil eines Künstlers oder der Künstlerin geradezu hypostasiert hervorhebt, nur das Produkt seiner oder ihrer Veranlagung und Genialität als sein oder ihr persönlicher Stil, den er oder sie in sich zu finden habe, so wie der Ornithologe einst z.B. eine Nachtigal verhungern ließ, um mit ihrem letzten Gesang den ganz typischen, reinen und vollständigen Gesang einer Nachtigal auf ein Tonband aufnehmen zu können, was in der Kunst dann eben unbewußt und ungewollt auch innerhalb einer bestimmten Konvention unserer oder früherer Zeit stattfindet, wie wir es z.B. in einem fertigen Bild mit einer gelungenen Karriere erkennen können?
Mit einer Kunsttheorie vor der leere Leinwand kann es mir im Gegenteil hauptsächlich nur darum gehen, diese Existenz im Bereich der Freiheit, eben der möglichen Beliebigkeit nicht zu meiden oder als Makel zu überspielen, sondern als Bereich zu präsentieren, der seit je den Entschluß, die Absicht und die freie Entscheidungsmöglichkeit und -notwendigkeit erforderte.
Freiheit und ihr Gebrauch ist unter dem Gesichtspunkt der Moderne als einer Entwicklung eben nicht nur die objektiv leere Leinwand, auf die ich ganz nach Entschluß in dieser oder jener Technik ein gutes, schlechtes oder böses Bild malen kann, so wie ich will und kann, sondern ist in immer weitergehenden Reflexionsschritten als Situation und Erlebnis also auch existentiell zu verstehen, zu erkennen und zu bewältigen, womit die Moderne bis heute einen ersten oder eigentlich einen ersten halben Schritt tat.Trotzdem muß ich am Ende natürlich auf den Vorwurf eingehen, daß die ganze Nachkriegskunst nichts Neues und nichts weiter als nur eine mehr oder weniger phantasiereiche und geschäftstüchtige Variation der Moderne bis zu DADA sei. Hierbei gilt es dann auch das Phänomen einer "qualitativen" Streamline der Kunst unserer Zeit zu beachten und zu kommentieren. Wenn auch diese beiden letzten Aspekte eher auf einen Stillstand hinweisen, können wir gerade im geistigen Zustand noch vor der leeren Leinwand nicht übersehen, also angesichts nahezu absoluter Freiheit, die jeder Mensch mit einem Bleistift und einem leeren Blatt Papier vor sich erleben kann, daß gerade die Nachkriegszeit seit 1945 der ganzen Menschheit einen noch nie so deutlich erlebten Entwicklungsschub beschert hat, der uns kaum Zeit zur Besinnung läßt und der Vorstellung eines Stillstandes widerspricht.
Aber wenn man im Gegensatz zur Kunst Entwicklung z.B. in Wissenschaften und Technik, in der Rechtsprechung oder in der Politik eher von Kriterien im Sinne von Fortschritt zu besseren Möglichkeiten und zu mehr Richtigkeit ausgeht, was sich mit der Überwindung von fehlenden oder schlechteren Möglichkeiten z.B. in der Beleuchtung eines Raumes oder von Unrichtigkeiten wie z.B. des ptolomäischen Weltbildes konkretisiert, während man in der Kunst wohl nirgends von schlechteren oder falschen Bildern alter Meister und den besseren der modernen Künstler sprechen würde, heißt dieses ja keineswegs, daß es damit die Kriterien, die für Wissenschaft und Technik gelten, in der Kunst nicht mehr gibt, und daß die Künstler sie beseitigt oder überwunden hätten. Natürlich gab und gibt es Künstler und Kunstinterpreten und besonders Kritiker, die durchaus sowohl bejahend wie verneinend in der Moderne ein Jenseits von Gut und Böse und Falsch und Richtig und darin eine Befreiung oder eine böse Ignorierung im Sinne des Verlustes, der Verneinung oder Relativierung ethischer wie ästhetischer Qualität und sogar das Ende jeder Kultur sehen und sahen, und nicht nur die Nazis. Aber dennoch gibt es natürlich, wie zu allen Zeiten, auch in der modernen Kunst die Kriterien Gut und Schlecht, Falsch und Richtig, Gut und Böse, sonst gäbe es wohl keine Kunstschulen, und Künstler wären zugleich Heilige.
Aber nicht allein durch die sicher privilegierende Distanz des Künstlers, die nun mal der Darstellende einer Wirklichkeit zu dieser Wirklichkeit hat oder bekommt, ergibt sich ein differenzierteres und reflektiertes Verhältnis zu Gut und Schlecht, Falsch und Richtig, Gut und Böse, obwohl ich diesen Vorteil an Freiheit nicht missen möchte, der keineswegs eine Ablehnung oder Relativierung dieser Kriterien bedeutet, aber es gilt zu verstehen, in welchem Sinne wir in einem besseren Verhältnis zu Gut und Böse, zu Falsch und Richtig leben, wenn wir solche Kriterien eben nicht damit aufgeben oder relativieren. Das, was wir als Entwicklung der vergangenen Jahrtausende, Jahrhunderte und Jahrzehnte bezeichnen, ist die Entwicklung im allgemeinen und im zunehmend bereits derart selbstverständlichen Selbstverständnis auch im Alltag wie in Wissenschaft, Technik, Politik, Religion und Recht, so daß wir uns vergangene Jahrzehnte, Jahrhunderte und Jahrtausende kaum noch vorstellen können, obwohl sich der Mensch im Guten wie im Bösen an Idealen wie an Verschlagenheit, Gemeinheit und Selbstvergessenheit wohl kaum geändert hat.
Und gerade, wenn wir ganz realistisch das alltägliche Gerangel, wenn wir Bosheit und Kriminalität als Kontinuum unseres Zusammenlebens dennoch weiter zur Kenntnis nehmen müssen, ist es schwer, von einer Entwicklung zum Besseren zu sprechen, womit nur deutlich wird, daß es hier Entwicklung als etwas Schwierigeres noch erst zu verstehen gilt, das neben der rein formalen z.B. gesetzgeberischen, parlamentarischen, bildungsmäßigen Veränderung der Moderne besonders in der Kunst deutlich wird.
Dennoch bedeutet die Emanzipation zu einem zivilisierteren Verhältnis von Menschen und Nationen zueinander - im oder als Ergebnis, daß sich Unredlichkeiten schwieriger verbergen lassen und selbst die Mächtigen und Reichen wie die Supermächte auch zu eigenem - wie natürlich zu allgemeinem - Vorteil nicht mehr ungeniert mit Unmenschlichkeit und Willkür drohen, und damit erpressen und protzen können, wie noch vor 50 Jahren in der ganzen christlichen Welt. Also doch auch eine ethische Emanzipation, wenn auch ohne Veränderung der Moral? Jedenfalls eine allgemeine Erweiterung der Denk- und Reflexionsfähigkeit.
Derart gehört hier die Selbstbestimmung moderner Kunst gerade vor dem Entstehen eines Kunstwerkes in den Kontext der Gegenwart, die ich im Folgenden am Beispiel einer möglichen negativen Variante innerhalb der Moderne, dem Faschismus und Neofaschismus, etwas ausführlicher versuchen will und muß. Denn gerade wegen der rasanten Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte und Jahrhunderte halten sich nicht nur alte Sprüche, sondern auch alte, überholte Denkmuster wie Abgründe neben uns, in die wir wie in alte Barbarei um so tiefer zurückzufallen drohen, je weiter sich die Menschheit entwickelt.1. Teil
Der sichtbare Vordergrund als das Horizontale und der unsichtbare Hintergrund als das Vertikale des Bildes und der Wirklichkeit.
2. Teil
Subjekt und Objekt
3. Teil
Vier Schichten, die unser Selbstverständnis bestimmen.
Der Vortrag
1. Teil
Der sichtbare Vordergrund als das Horizontale und der unsichtbare Hintergrund als das Vertikale des Bildes und der Wirklichkeit.
Ich behaupte, daß moderne Kunst immer zugleich die Behauptung
ist, es sei Kunst, womit dann auch eine bestimmte entsprechend verwirklichte
Vorstellung verbunden sein muß, was Kunst ist.
Die Linienführung in den Bildern, die jeweiligen Striche, Formen,
Kurven, zu denen ich mich beim Malen meist ganz spontan und manchmal nach
einer längeren Besinnung entschlossen habe, entschließen mußte,
um das Bild fertig zu bekommen, sind nichts weiter, als eben solche
Entschlüsse, so als wenn ich mich frei für irgendwelche
Zahlen zwischen 1 und 6 entschließen wollte, was dann fast ebenso
so zufällig aussieht, als würde ich würfeln. Diese jeweiligen
Entschlüsse zu den Strichen Formen und Kurven sollen derart an die
indirekten Spuren erinnern, die Elementarteilchen, jene unsichtbare Realität
jeder Materie, in einer Nebelkammer oder auf einem Film hinterlassen, ohne
daß, wie in der Nebelkammer das Elementarteilchen so in den Bildern
der jeweilige Entschluß selbst sichtbar werden und nur nachvollzogen
werden kann, der oder das aber zum Entstehen des Bildes, d.h. zu dem eher
zufälligen tatsächlichen Linien- und Farbverlauf führte.
| Titel meinen Bilder auf Papier unter Glas | Bilder auf Leinwand |
| Mythos XLII"
Mythos XXXIV" Nucleon 10 Neutron 3 Proton p
|
Hyperion 2000
Hyperion II Hyperion III L(2020)F07** Baryon N(3690)* 41N(2100)S11** 128S+(1189,41±0,14)+1 |
| 61 Neutron 9, DM 380,-
127 Neutron, DM 249,- 33 Nucleon 3, DM 249,- 34 Nucleon 4, DM 249,- 59 Neutron 7, DM 400,- 129 c L, DM 249,- Hyperion 1xx, DM 249,- |
Baryon N (2100) D 15+, DM 3000,-
46 N (3030) xxx, DM 3000,- 97 S (1889) P 11xx, DM 3000,- Hyperon 2 XX, DM 3000,- Hyperion 3xxx, DM 3000,- P(1270) 0+(2+)+, DM 3000,- |
Mit dem Begriff „Elementarteilchen", dem Untertitel meiner Ausstellung,
verbindet sich heute die elementare Frage:
„Woraus bestehen wir und unsere Welt?" was sich mit der weiteren Frage
verbindet:
„Was sind wir?"
Sind wir ein Produkt des Zufalls? Das Epiphänomen einer ganz anderen
Realität, als derjenigen, die wir empirisch wahrnehmen, wie
es ähnlich vor 2600 Jahren bereits Plato in seinem Hölengleichnis
zeichnete?
Sind es die Natur, die Materie mit den unterschiedlichsten Eigenschaften,
die am Ende auch unser menschliches Aussehen und unser menschliches Verhalten
und also auch die Kunst bestimmen, sind es also anonyme geistlose, naturgesetzliche
Kräfte, deren Produkt oder Produzent die winzigen Elementarteilchen
sind, die wahrscheinlich wieder aus noch kleineren Teilchen und noch anderen
Kräften bestehen, oder wird nicht wie das Kunstwerk so auch die Welt
zunehmend künstlich gestaltet von menschlichen Handlungen, die allesamt
letztlich jeweils auf irgendeinen freien menschlichen Entschluß zurückgehen,
z.B. etwas in dieser oder jener Weise zu tun, illukationär zu veranlassen
oder zu lassen und zu verhindern, so daß die geheimnisvolle Materie
und Natur und auch der Mensch dem Menschen und dem menschlichen Geist gehorcht
und ausgeliefert ist, und nicht umgekehrt?
Das heißt, ist der Mensch Produkt oder Produzent dessen, was er tut oder läßt, wie er sich bewegt? Ist z.B. der Herzschlag Ursache oder Folge des Lebens?Sicher nähert sich die moderne Kunst als solche Frage nur langsam dieser Prausschen Grundsätzlichkeit, sei es, daß „Artefakt" und „unberührte Natur", sei es, daß die „individuelle Handlung als Folge eines Entschlusses einerseits und kulturelles, d.h. allgemeines, quasi natur-menschliches Geschehen andererseits gegeneinander gestellt werden, womit sich das Individuum bereits bewußt außerhalb einer überindividuellen Gültigkeit oder über eine und sogar gegen eine solche stellt.
Ist es die empirisch sichtbare Kunst selbst bzw. das jeweils Dargestellte, die oder das auch die Theorie beinhaltet, was Kunst oder was das Dargestellte ist, was ich in der aufgezeigten gemeinsamen Alternative „Produkt oder Produzent" bei Elementarteilchen wie bei der menschlichen Handlung in dem Wort „oder" andeute, ist es der Wahrnehmende, der Konsument, Käufer und Betrachter, der vom empirisch Sichtbaren ausgehend entscheidet, was Kunst ist, mit der Konsequenz „Was sich als Kunst verkaufen läßt, ist Kunst", oder ist es der Künstler mit seinen Vorstellungen.
Man kann sich die grundsätzliche Problematik sehr vereinfacht so verdeutlichen, wenn man überlegt, ob der Mensch und sein Tun aus der Materie resultiert, aus der er besteht, d.h. aus physikalischen, naturgesetzlich notwendigen Vorgängen, oder ob umgekehrt auch seine materielle Zusammensetzung Resultat ist von menschlicher Existenz, was sich nicht nur aus dem ergibt, was er z.B. ißt und trinkt und wie er sich vermehrt, sondern auch, wie er lebt, so daß nicht nur der Körper, sondern auch Kinder und damit alle Menschen Produkt wie Produzent von Menschsein ist, wie natürlich auch Sprache und Kunstwerke von Sprechenden und Künstlern hervorgebracht sind und wie zugleich Sprache und Kunst wieder Sprecher und Künstler hervorbringt. Es ist die uralte Problematik, die sich im Kunstgeschehen ganz profan etwa derart stellt: „Ist Kunst etwas Materielles, eine gute Geldanlage? Eine gute Dekoration wie der Schweif des Pfaus? Ist sie als Funktion ein reines Such- oder Existenzsignal, wie der Gesang der Nachtigall?" oder „Ist Kunst ganz grundsätzlich bereits etwas Geistiges und nur geistig Zugängliches?" Wichtige Grundüberlegungen dazu finden Sie in den beiden Bänden von Gerold Prauss „Die Welt und wir" (Metzler Verlag, Stuttgart) etwa derart: Bd.2, Seite 125:„Was als diese weitere Verallgemeinerung des Artefaktbegriffs erforderlich wird, ist infolgedessen eine Neubestimmung unseres Wirklichkeitsbegriffs von Grund auf, nämlich eine Preisgabe der Auffassung des Wahrnehmens als Hinnehmens von Wirklichkeit als einer Fix- und Fertigkeit. Gerade insofern sie nur Ergebnis einer Wechselwirkung mit uns sein kann — weil wir mit zu ihr gehören —und mithin auch grundsätzlich Ergebnis einer Mitwirkung von uns sein muß — da wir von einer andern Wirklichkeit empirisch keine Kenntnis haben können —, kann sie als in diesem Sinn von uns erkannte eine solche Fix- und Fertigkeit nicht sein: Empirisches Erkennen kann danach nicht einfach im Entgegennehmen einer Wirklichkeit bestehen, die als alles das, als was sie das Erkannte ist, etwas schon immer Vorgegebenes wäre, so wie unsere inneren und äußeren Empiristen meinen.
Folglich tun Sie, da dies Vorurteil nicht stimmen kann, auch gut daran, es vor seiner Verabschiedung noch als Herausforderung zu benutzen, um daran zu überprüfen, was aus jener weiteren Verallgemeinerung des Artefaktbegriffs als einer Neubestimmung unseres Wirklichkeitsbegriffs sich Punkt für Punkt ergeben muß."
2. Teil
Subjekt und Objekt
Selbstverständlichkeiten im Selbstverständnis in einem Koordinatenkreuz vonObjektivität und Subjektivität.

Bedeuten diese beiden Ansichten, einmal die Ansicht unter die Haut von "Beauty" und auf der rechten Seite in die atomare Struktur jeder Materie nun etwas im Sinne der Tiefe als ein Blick unter die Oberfläche, nämlich auf die objektive Wahrheit? und ist das normale und schön gepuderte Gesicht mit Haut oder z.B. der Glanz einer goldenen Metallfläche nur Oberfläche und subjektiver Irrtum?Will sagen, daß solche Darstellung einer Entwicklung des Menschen mit Hilfe von jenen Koordinaten die bestehenden Widersprüche unseres Verhaltens keineswegs löst oder erklärt oder schon beseitigen könnte, sondern zeigt im Gegenteil, daß wir mit solchen Wahrheitskriterien wie Subjektivität und Objektivität, Vordergrund und Hintergrund zwar denken, rechnen, handeln und argumentieren, und damit durchaus einen Weg zur besseren und richtigeren Einsicht und auch zum besseren Selbstverständnis besitzen, aber damit keineswegs eine Eindeutigkeit als Antwort haben, wenn auch Wissenschaft, Technik, Forschung und das, was wir die Aufklärung und in deren Namen dann die Moderne nennen, durchaus Begleiterscheinungen einer Entwicklung solchen Denkens sind.
Wir können uns dazu ein sehr grob und einfach gezeichnetes Bild der Entwicklung als Denkmodell vor Augen halten:
Der erste gewaltige Schritt einer neuen Entwicklung bestand für Nord- und Osteuropa ja darin, daß wir Barbaren mit der Christianisierung mit einfachen Geboten zum sozialen Verhalten, bzw. mit Verboten von unsozialem Verhalten quasi provisorisch ohne logische Begründung und mehr mit biblischen Drohungen und Versprechungen von Oben, von Staat und Kirche zum Wohlverhalten überredet, gezwungen und erzogen wurden, was dann für den nächsten Schritt von Mündigkeit die Voraussetzung war, daß nämlich Wahrheit und Wahrhaftigkeit zum höchsten auch sozialen Qualitätskriterium wurde, wenn auch erst nur theoretisch und in der genannten Widersprüchlichkeit, während in der Praxis natürlich weiter gerade das Gegenteil, nämlich Verschlagenheit, Betrug, List, Übervorteilung die eigentlichen Qualitätskriterien ganz "natürlicher" Barbarei blieben. Immerhin entstand dadurch die Voraussetzung für eine Entwicklung von neuen und höheren Wertkriterien im Alltag wie von Arbeitskriterien in den Wissenschaften, was sich zuerst nur in einem von der profanen Welt und ihren Regeln künstlich abgetrennten Bereich unter der Schirmherrschaft der Kirche innerhalb strenger Orden und Regeln z.B. der Klöster sich entwickeln und existieren konnte, die ihrerseits aber zur profanen Welt hin mehr oder weniger auch deren Regeln beachten mußten.
Was hier quasi gesellschaftspolitisch ablief, lief und läuft bis heute natürlich auch in jedem einzelnen Subjekt sowohl außerhalb, wie natürlich auch innerhalb der Klöster, Universitäten und Eliten ab, wie es im normalen "natürlichen" Gerangel zwischen Menschen nun mal geschieht, woimmer und wieimmer der Bessere den Schwächeren verdrängt, wo immer es um Führung, Macht und Positionen und Funktionen geht.
Das gleiche Bild von Prozess gilt dann auf einer weiteren kleineren Stufe ganz entsprechend bei jeder einzelnen Handlung, zu jeder Gelegenheit, bei jedem Zusammenkommen von zwei oder mehr Menschen, und dabei bei jedem einzelnen Gedanken, bei jeder Absicht einer Aktion, und dann entsprechend wiederum in der fast gleichen Konstellation bei jeder Reaktion, wobei sich die Koordinaten Vordergrund und Hintergrund, Subjekt und Objekt immer wieder vertauschen, wie bei einer russischen Puppe, in der man innen immer wieder das kleinere Modell der jeweils größeren findet, das nun wieder das größere Modell der nächst kleineren Puppe ist usw...
Und so war mit Buddha, Jesus, Mohammed und dem Bekannt- und Gültigwerden ihrer Lehren, die diesen "natürlichen" und barbarischen Teufelskreis zu durchbrechen verlangten, keineswegs schon eine Entwicklung vollzogen, so war selbst mit dem Entstehen von Kirchen, Klöstern, Schulen, Universitäten oder mit irgendeiner Gesetzgebung in Kirche und Staat keineswegs eine Entwicklung im Sinne unserer Frage einer Entwicklung z.B. in der Kunst oder der Gesellschaft bereits erreicht, sondern, ohne damit die Bedeutung jener Religionsstifter und die Bedeutung der Klöster, Schulen und Universitäten und die Bedeutung einer vernünftigen Gesetzgebung schmälern oder gar bezweifeln zu wollen, es war all dieses bestenfalls ein Motor, eine Stufe oder Etappe oder der Richtungswechsel einer Entwicklung, die Millionen Jahre vor ihnen mit dem Beginn der Menschheit begann.
Wir können uns vereinfacht den jeweiligen Entwicklungsstand des Menschen an jenem Bild der russischen Puppe so vorstellen, daß sich jeweils wechselseitig bedingt einerseits die Lehre und Strucktur von Staat und Kirche, also z.B. von Kaiser und Papst dann in den Strukturen jeweiliger Regionen der Könige und Fürsten, der Familien, der einzelnen Personen und in diesen Personen auch noch in den Strukturen der Sprache, Gedanken und Entschlüsse wie dann auch in den Handlungen wiederspiegelt,aber andererseits genau auch umgekehrt oder hauptsächlich so, daß Handeln, Denken, Familienstruktur, also von Unten her jeweiliges Oberhaupt, Fürsten- und Königsgehabe wie letztlich das Verhalten und Verständnis von Kaiser und Papst auch das Verständnis von Lehre und Staat bestimmen.
Man muß sich vorstellen, daß Sinn und Bedeutung selbst eines normalen Wortes eines normalen Bauern den gleichen Entwicklungsstand einer Zeit wiederspiegelt, wie z.B. ein großer Reichstag oder eine Debatte im Bundestag. Vereinfacht etwa derart, daß derjenige, der Ansehen und Applaus will, im Sinne derjenigen denken und auftreten muß, die applaudieren sollen.
Natürlich hätte Jesus in Person wie jeder andere "normale" Mensch damals so wenig wie heute eine Chance, Gehör und Ansehen zu finden, weswegen er und seine Lehre wie auch der "normale" Mensch und seine Bedeutung den jeweils der Zeit gemäßen Akzent bekamen. Ich denke, daß bereits heute, sicher aber in absehbarer Zukunft, z.B. das Attribut König, Monarch oder Despot eher ein Schimpfwort und eine Beleidigung ist oder sein wird als die Empfehlung eines Vorbildes. Und was einst als Lob und Preis Gottes gemeint war, würde heute als Beleidigung und Blasphemie gelten müssen.
Man kann sich die Entwicklung an diesen alten Schriften wie Bibel und Koran selbst deutlich machen: Es ist doch verwunderlich und entsprechend bezeichnend für den damaligen Entwicklungsstand des Menschen vor nur 2000 Jahren, daß ein damals bereits hochgebildeter und hochintelligenter Mensch wie Paulus sich bezüglich Jesu zwar über Wahrheit, Unwahrheit und Unwahrhaftigkeit wie Gerechtigkeit und Glauben äußert, aber in Übereinstimmung mit allen Evangelien aber auch noch zu Mohammed sich nicht über die Barbarei der unmenschlich grausamen Hinrichtungsweise eines Menschen am Kreuz oder durch eine Steinigung aufregt, was wir heute nicht einmal einem Tier zumuten oder anzutun gestatten würden.
Selbst Luther 1500 Jahre nach Jesus und selbst die Bachkantaten nochmals 200 Jahre später lassen uns in eine Zeit schauen, die im Vergleich zu den Verhältnissen und Nachempfindungen vor 2000 Jahren ja doch schon einen gewaltigen Fortschritt an normaler Menschlichkeit erkennbar machen, dennoch erscheinen sie uns heute, - wo natürlich der Mensch nicht weniger verschlagen ist, als zu jenen Zeiten - grob, grausam und unmenschlich.
In einem der wohl entscheidendsten Sätze heutiger Philosophie ist diese Komplexität in einem noch grundsätzlicheren Sinne zusammengefaßt, mit dem jedoch eine Logik der Entwicklung erkennbar wird, den ich zitieren möchte, ehe wir zu noch weiteren Aspekten gelangen müssen, die unser Denken und Handeln und damit unsere Entwicklung auch innerhalb dieser Koordinaten bestimmen, denn selbst das höher entwickelte Tier unterscheidet schon sehr wohl diesen Vordergrund einer Wahrnehmung von der tieferen und eigentliche Bedeutung und besitzt wie wir Menschen mit der Unterscheidung von Ich und Nicht-ich, also von Subjekt und Objekt ein Selbstbewußtsein, wobei eine geistige Entwicklung in unserem Sinne beim Tier durch eine quasi genetische Dogmatisierung von Richtig und Falsch, - wie ich hier etwas spekulativ und deswegen hypotetisch annehme -, wie durch eine Entwicklungssperre von Selbsterkenntnis verhindert wird, die wir Menschen uns durch Irrtum, Unmenschlichkeit wie durch rhetorische Dogmen selbst verpassen können, nämlich durch die Dogmatisierung eines zu engen Naturbegriffes.
Den komplexen Zusammenhang von unserer jeweiligen Umwelt der Gegenstände und Mitmenschen formuliert Gerold Prauss - wenn auch als Nebenaussage - folgendermaßen:
Gerold Prauss "Die Welt und Wir" Bd.2, Seite 254:"Dagegen nämlich (nämlich gegen die Möglichkeit der Freiheit und Verantwortung einer menschlichen Handlung, ohne daß letztere also von außen bewirkt wird und verantwortet werden müßte, {meine Einfügung}) könnten Sie von vornherein schon einen Einwand hegen, dahingehend, daß dies letztlich widersprüchlich werden müsse. Schließlich könne es doch keinen Zweifel daran geben, daß auch solche Subjektivität nur aus Natur entstanden sei, phylogenetisch, und, ontogenetisch, immer wieder aus Natur entstehe. Notwendigerweise aber laufe dies dann auch auf einen Widerspruch hinaus, wenn Subjektivität zum einen doch als Selbstbewegung einer Selbstverwirklichung im Sinn der Selbstverursachung entspringen soll, zum andern aber aus Natur entstanden sein oder entstehen soll und damit doch durch Fremdbewegung einer Fremdverwirklichung im Sinn der Fremdverursachung.Ein Widerspruch und damit auch ein Einwand aber ist das nur, wenn Subjektivität dabei von vornherein als etwas Anderes als Natur vorausgesetzt wird: letztlich also wieder einmal so, als wäre sie, gut cartesianisch, gegeniiber der Natur als res extensa eine Art res cogitans, was aber eben alles andere als überzeugend ist. Dem-gegenüber gilt es vielmehr festzuhalten: Da auch Subjektivität nur aus Natur entstanden sein oder entstehen kann, muß es auch gerade umgekehrt Natur als solche selbst sein, die zu so etwas wie Subjektivität aus sich heraus sich bildet und mithin als solche selbst sich auch aus sich heraus zu einem Selbstverhältnis bildet wie zu dem der Selbstbewegung einer Selbstverwirklichung im Sinn der Selbstverursachung.In jedem Fall ist es danach Natur als solche selbst, die in Gestalt von jedem einzelnen von uns als Subjektivität in solch ein Selbstverhältnis zu sich tritt und damit eben als Mentales oder Psychisches auch zu Bewußtsein von sich kommt: womit sie zu all dem wird, was dazu nun einmal mit hinzugehören muß, wie etwa die Struktur einer Identität, die sich aus sich heraus zu einer Differenz in sich macht. Ist es doch Natur als solche selbst, die danach in Gestalt eines Empirikers wie etwa eines Alltagsmenschen oder eines Wissenschaftlers, so zum Beispiel eines Physikers, Erfahrung von sich macht: sich also auch als solche selbst nach einer Seite zum Erfahren macht sowie nach anderer Seite zum Erfahrenen. Und damit macht sie als Identität sich eben in sich selbst zur Differenz, wenn anders zwischen dem Erfahren und Erfahrenen als dem Erkennen und Erkannten eine Differenz besteht, die aber eben nicht besteht wie eine zwischen einer absoluten Vielheit von zwei Welten, sondern nur wie eine innerhalb von einer und derselben Welt als der Identität dieser Natur. Und auch Natur als solche selbst ist es danach, die in Gestalt von Philosophen nicht allein Erfahrung als empirische Erkenntnis von sich als empirischem Erkannten macht, sondern als nichtempirische Erkenntnis auch sich reflektierend noch bewußt macht, was allein es letztlich sein kann, wozu sie als Empirie sich beiderseits da macht. Sich nicht zu dieser Grundstruktur derselben als einer Identität mit einer oder mehr als einer Differenz in sich verstehen zu wollen, hieße jedenfalls, dogmatisch auf Natur als absoluter Vielheit von Objekten wie den makroskopischen gemäß der Newtonschen Physik beharren zu wollen, die heute aber schon allein empirisch widerlegt ist.Um dies alles einzusehen, ist es denn auch von entscheidender Bedeutung, festzuhalten: Nicht einmal für Empirie kann es noch länger fraglich bleiben, daß zu so etwas wie Spontaneität bereits Natur als solche selbst imstande ist, mag Empirie als solche selbst auch nicht mehr in der Lage sein, die Spontaneität derselben über ihre Negativität hinaus auch noch als eine Positivität derselben zu erfassen. Jedenfalls muß danach die Natur als solche selbst schon generell dazu vermögend sein, spontan, von selbst, von sich aus in ein Selbstverhältnis zu sich einzutreten. Und speziell vermögen muß sie das dann auch als Spontaneität einer Intentionalität von Subjektivität, als die sie das spezielle Selbstverhältnis jener Selbstbewegung einer Selbstverwirklichung als Selbstverursachung sein muß, als das sie nur durch Reflexion ermittelt werden kann und somit nur durch Nichtempirie der Philosophie. Doch wohlgemerkt: Auch als Nichtempirie hat diese es dabei grundsätzlich mit Natur als solcher selbst zu tun und nicht mit etwas Jenseitigem außerhalb derselben, wie Sie für das Folgende beachten sollten. Schließlich ist es auch Natur als solche selbst, die sich spontan aus sich heraus zu Subjektivität gestaltet: aus sich selbst als dem Substrathaft-Makroskopischen heraus, das eben dadurch, daß sie sich aus ihm heraus zu ihr gestaltet, auch zum Körper oder Leib der jeweiligen Subjektivität wird."
Denn was wir heute ganz selbstverständlich im Unterschied zum Menschen mit seiner freien Entscheidungsmöglichkeit und damit im Unterschied auch zu einer menschlichen Entwicklung dem entgegen bei Pflanze und Tier und deren evolutionäres Entstehen "natürlich" nennen und im Bestehen der Natur auch im modernsten Verständnis als ökologisch richtig und ausgewogen und zurecht schützenswert empfinden, nämlich das Vegetieren von Tier und Vegetation, und was in der Dogmatik von Faschismus und Neofaschismus zu Unrecht als das Recht des Stärkeren über den Schwächeren auch für menschliches Verhalten als natürlich und deswegen richtig verstanden wird, und was noch viel grundsätzlicher auch in der Dogmatik der modernen cartesianischen Linken als Aufklärung, als Objektivität und Wissenschaftlichkeit auch den Menschen und sein Handeln ganz innerhalb der Kausalität verstanden wird, nämlich ganz innerhalb von Ursache und Wirkung einer Welt nur unterschiedlicher Dinge, - wie es Prauss brandmarkt - , wäre genau das eine Natur, in der gar kein Platz für Freiheit und Verantwortung vorstellbar wäre, weswegen die Natürlichkeit nicht nur des Menschen sondern auch die Natürlichkeit der Welt in einer größeren Dimension gedacht werden muß, die uns allerdings erschrecken läßt.![]()
Denn was ich am Beispiel der russischen Puppe gezeichnet habe, bedeutet nichts Geringeres, als daß mit der zunehmenden Bedeutung und zugleich mit dem Verständnis des Subjekts auch die Bedeutung und das Verständnis der Natur zunehmend nicht nur eine irdisch-globale, sondern auch eine universale - fast pantheistische - Dimension erhält, - wie auch umgekehrt, daß mit einem globalen und universalen Verständnis der Natur auch dem Subjekt Mensch zunehmend eine globale wie universale Freiheit an Handlungsmöglichkeit mit entsprechender Verantwortung zufällt, die in biblischen Zeiten nur Gott selbst zugestanden werden konnte.
In Umbruchzeiten eines Entwicklungsschubes wie heute und wie zu Jesu Zeiten, der ja nie sofort gleichmäßig und flächendeckend stattfindet, ergeben sich denn auch zwei Versuchungen des irrtümlichen oder bewußten Mißbrauches durch die Vermischung alter und neuer Paradigmen:
Es ist ohne Zweifel die Dogmatisierung eines zu engen Naturbegriffes, die im Faschismus zur Barbarei oder aber zu ihrer Legitimierung führt und in der Linken zu einem typisch linken zu engen Selbst-, Mensch- und Weltverständnis, das nichts weniger zu einem Prokrustesbett wird, wo immer es sich verwirklicht. Dennoch ist ganz grundsätzlich natürlich die Differenzierung einer Erkenntnis als Fähigkeit der Unterscheidung zwischen Vordergrund und Hintergrund, zwischen Ich und Nicht-Ich als Subjekt und Objekt in der Evolution - und nicht erst beim Menschen - die Voraussetzung dafür, überhaupt über eine brauchbare Erkenntnis verfügen zu können, wobei der Mensch seinem selbstverständlichen Unterschied zum Tier und einem menschlichen Leben als selbstverantwortlich im Unterschied zum Vegetieren nicht ausweichen kann, wobei in der weit vielschichtigeren Struktur des Alltagsgerangel eines Menschen diese bewußt "aufgeklärten" Argumente einer zu engen Dogmatisierung gerade in der Modernen meist eher zur Rechtfertigung oder Entschuldigung für die eigene Verschlagenheit, Rücksichtslosigkeit oder Unfähigkeit diente und dient, - und zwar auf allen Ebenen, vom Denken und Tun des Privaten bis zu den weltpolitischen Entscheidungen auf höchster Ebene, was im Folgenden wohl hauptsächlich das Thema ist..
Die zweite Versuchung ist nicht weniger verfänglich und teuflisch, weil vielleicht sogar Ursache der typisch linken Engstirnigkeit cartesianischer Aufklärung und der faschistischen Rücksichtslosigkeit, da sie im Gegenteil gerade diesen unverstandenen Unterschied zum "Normal Natürlichen" als eine jeweils eigene Sonderstellung erleben läßt, und zwar zum verachteten Underdog und zum "Vegetieren des niederen Volkes", zur verachteten "Masse", zum Staat oder noch grundsätzlicher zu jedem anderen Fremden, den man rein numerisch in der Tat oft nur als Objekt erlebt und bei dem man jenes freie Subjektive nur negativ als Unberechenbarkeit und Gefahr fürchtet, eine Versuchung, die wir als Hang zur Selbstherrlichkeit und Menschenverachtung überall in allen Schichten bis zur heimlichen oder offenen Deklamation der eigenen Göttlichkeit über Tier, Untermensch, Fremden und der eigenen Frau und Kinder findet.
Natürlich gehört diese recht verstandene Sonderstellung des Menschen, wie sie Prauss hervorhebt, zu der größten Leistung der recht verstandenen Natur. Aber hierbei ist eine Emanzipation, Zivilisierung oder Entwicklung des jeweiligen Individuums naturgemäß nur schwer allgemein z.B. an wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften und in der Gesetzgebung nur eher negativ als erreichter Schutz des Individuums vor Staat und anderen Individuuen festzumachen.
Hierbei bietet der oben zitierte Text von Gerold Prauss wohl den entscheidenden Hinweis auf ein richtigeres Verständnis, bei dem das Individuum eben nicht nur als ein von der Welt und der Allgemeinheit isolierter Einzelfall gesehen werden kann, den die Allgemeinheit zwar schützen und rein nummerisch oder objektiv gerecht behandeln kann, der jedoch für sein rechtes, richtiges oder falsches, erfolgreiches oder gescheitertes Verhältnis zur eigentlich einzig realen Gegebenheit von Welt und Gemeinschaft nur auf sich gestellt ist.Aber es war und ist nicht dieses Doppelspiel von Pragmatik zwischen Geistlichkeit und Weltlichkeit, christlicher Lehre einerseits und weltliche Barbarei andererseits, zwischen Gewissen und alltäglichem Gerangel, zwischen Individuum und Gesellschaft, zwischen offizieller Lehre und politischer, geschäftlicher und lebensnotwendiger Härte des gesamten Alltags der Milliarden Facetten in jeder Sekunde des Weltgeschehens, sondern es war und ist diese Problematik der Wahrheit selbst und zwar ganz in jenem künstlichen Bereich von Lehre, Theologie, Philosophie und Wissenschaft, und war im Christentum noch um eine Stufe weiter als von Prauss entworfen in der Person Jesu als Prototyp des guten Menschen in seiner Verantwortung für die Welt und Menschheit - selbst für den Glauben - einerseits und als Gott selbst andererseits.
In jeweils entsprechender Variation galt und gilt dieses auch für die anderen Kultur- und Religionsräume. Denn die Gefahr, beiden Versuchungen gleichzeitig zu erliegen, war in der religiös-theologischen oder philosophischen Konzeption noch mehr gegeben als im überkommenen und überwundenen allgemeinen Animismus frühester Christenheit, wobei gerade in den großen Religionen die begriffliche Trennung oder Unterscheidung von Hintergrund wie Subjektivität als Seele, Geist, Reinkarnation, Seelenwanderung usw. von der jeweils viel aktuelleren und sinnlich wahrnehmbaren, vordergründigen natürlichen und objektiven Realität des Alltags und der sterblichen und körperlichen Natur des Menschen dazu neigt, diese Natur gerade durch die Unterscheidung vom Übernatürlichen in einer zu engen Sichtweise zu sehen und zu dogmatisieren, - was dann nicht nur mit einem bewußten Atheismus das Selbstverständnis auf eine dogmatische Reduzierung des Menschenbildes, d.h. auf eine tierische, vegetierende Ebene geradezu festnagelt, sondern eben auch im Religiösen zu einer zu negativen Sicht des "Fleisches", des Irdischen, der menschlichen Natur und damit des Menschen führte.
Aber selbst mit diesem Hintergrundwissen in Form einer Information wie jener Philosophie von Prauss, und selbst wenn sie allgemein bekannt und verstanden wäre, hätte damit noch keine Entwicklung im Sinne der Moderne oder heutiger Zivilisation stattgefunden, sich nämlich der Verirrungen zu entledigen, die durch die mehr oder weniger bewußt ausgenutzten Widersprüche zu den obskursen Mißbräuchen kirchlicher und staatlicher Macht ausgeartet bzw. eingerissen waren, sich der Bevormundung von zu engen Konventionen, von Staat und Kirche zu entziehen, sich zu enthäuten, sich der zu eng gewordenen Haut in Form einer zu engen Natur- wie Leib-Seele-Theorie zu entledigen, was nur mit einer erreichten Mündigkeit im Sinne einer erreichten Reife an Reflexionsvermögen gelingen kann, die deswegen als die eigentliche Entwicklung gesehen werden muß, die sich aber keineswegs an solchen Kriterien, wie sie unsere Koordinaten darstellen, messen läßt. Denn sowohl Subjektivität wie Objektivität bringen uns in die ärgsten Widersprüche und Abgründe, wenn wir sie z.B. als alleinige Kriterien oder als Maß für Kunst und Kultur wie auch für menschliches Verhalten nehmen wollten, wie wir verstehen müssen, um den Kontext der Moderne verstehen zu können.Entsprechend widersprüchlich findet man z.B. den Standpunkt, daß der persönliche Stil eines Künstlers die Folge der Eigenart des Künstlers und Genies sei, der dem Künstler in die Wiege gelegt wurde, und den der Künstler in sich finden oder gewissermaßen ehrlich bekennen und nur perfektionieren müsse, wenn er echt und glaubwürdig sein will, was dazu verleitet, eine bestimmte Masche oder frei wählbare Technik als solchen Stil auszugeben, wie man entsprechend auch eine ganze Kunstepoche als Folge einer bestimmten Zeit und Kultur versteht, die dann auch entweder das Handeln des Künstlers bestimmt oder der sich der Künstler anpaßt.
So steht bis heute bei dem Laien das erkennbar Willkürliche und Gewollte noch immer in einem schlechten Ruf.
Während man zugleich oder alternativ auch durchaus Eigenart, Motiv, Duktus, Farbe und das gewählte Format des Kunstwerkes usw. auf den freien Entschluß und die Entscheidung und Leistung des Künstlers zurückführt. Was in diesem kleinen und harmlosen Bereich der schönen Künste eher als Spiel geübt wird, findet ja auch ganz allgemein im Alltag als solche harmlose Vermischung - wegen der bestehenden Unklarheit - sowohl aus Höflichkeit und Etikette, aus moralischen wie aus unmoralischen Gründen statt, mit rhetorischem und strategischem Kalkül wie auch aus naiver Gläubigkeit. Warum sollte man in einer alltäglichen Situation auch klären und unterscheiden, ob z.B. jemand höflich ist oder nur höflich handelt. Im ersten Fall wäre er objektiv - also praktisch ohne Eigenleistung und im letzteren „nur" subjektiv höflich - wie ein Schauspieler.Aber hierbei wird dennoch die ethische Dimension der Entwicklung zum Richtigeren im Selbstverständnis hin deutlich, die in unserer Menschheitsgeschichte nicht nur in der Kunst und dort im Virtuell-künstlichen stattfand und stattfindet, sondern immer auch im Kontext mit der Entwicklung der Sprache, Religion, Kultur, Philosophie, Technik und Wissenschaft stand.
Diese scheinbar kleinen Unklarheiten und Vermischungen und damit möglichen Unredlichkeiten in unserem alltäglichen Pragmatismus, wovon ich diese drei nur angedeutet habe, bekommen seit der Renaissance langsam zunehmend eine weltpolitische Dimension.
Als eine regelrechte weltanschauliche Pest finden wir dies heute, wenn man Verhalten und Wert des Menschen einerseits z.B. an der Nationalität oder Religion eines Menschen festmacht, was ja in der Tat nur selten frei gewählt wurde, und wenn man den Menschen andererseits deswegen aber persönlich verantwortlich macht, verfolgt, haßt, verachtet oder bestraft und tötet. Hierbei kann durch solche Mischung aus Rhetorik, Moral und Verschlagenheit, die unter Umständen ganz bewußt von Außen „künstlich kreiert" wurde, meist aber in weiter Vergangenheit als Vorstellung oder Redewendung ganz zufällig entstand, ein Teufelskreis entstehen, besonders, wenn der Mensch auch seine eigene Identität und sein eigenes Verhalten danach ausrichtet oder damit rechtfertigt oder eben damit ganz naiv das „Echte", „Wahre", „Gute", „Loyale", „Ehrenhafte" zu sein und zu verwirklichen sucht, sei es als Deutscher oder Franzose, als Moslem oder Katholik, als Mann oder Frau, was ja impliziert, daß das Nichtdeutsche, Nichtfranzösische, Nichtmoslemische, Nichtkatholische, Nichtmännliche oder Nichtfrauliche entsprechend als unecht, unwahr, ungut, unloyal und unehrenhaft zu gelten hätte - um die implizite Widersprüchlichkeit zu verdeutlichen.
Wenn ich vorwegnehmend auch unser heutiges engstirniges Stammesdenken, und heutigen Rassismus, Nationalismus und religiösen Fundamentalismus als eine Mischung von solcher Naivität und Dummheit - das heißt: weniger sorgfältiges und weniger richtiges d.h. unklares Denken in den alltäglichen Selbstverständlichkeiten einerseits - und Verschlagenheit andererseits sehen kann, so findet dieses sicher eine einfache Begründung auch darin, daß sich solche kleinen Unklarheiten und Unredlichkeiten des normalen Alltags dann im Politischen und Weltpolitischen zu Katastrophen vergrößern können. Ich denke an das Verhalten der ersten „Christen" in Amerika gegenüber den Indianern, wo dann nicht nur tatsächlich und ganz naiv spanische Kleiderordnung und Sprache zum rechten Glauben und gültigen Menschsein gehörte, sondern wobei gerade die alltägliche Verschlagenheit Objektivität, Sachlichkeit, Realpolitik wie in der Natur „objektiv" ablesbar so auch im politischen Verhalten als Klugheit und Erfolgsrezept und durch den Erfolg als Wahrheitsbeweis galt und nicht nur Glaubwürdigkeit und Inkulturation verhinderte sondern eben auch in der Moderne bewußter Zivilisation und Humanität zum Massenmord und zur Sklaverei und den Handelnden selbst dabei in die Barbarei führte.
Dennoch müssen wir wissen, daß wir uns auch heute von diesen beiden sehr verfänglichen Koordinatensystemen nicht lösen können.
Es gilt also nicht, diese Koordinaten als Kriterien unseres Selbstverständnisses
neu einzuführen, was sie in der ganzen Widersprüchlichkeit als
„Ich" und „Nicht-Ich" ganz unreflektiert schon immer sind, sondern sie
als unser natürliches Denken in unserem alltäglichen wie auch
wissenschaftlichen und politischen Handeln als Fehlerquelle und mögliche
Fallgrube unseres Selbstverständnis zu reflektieren.
Das heimtückische Netz der Spinne wie das Fischernetz, die Tarnung
des Raubtieres z.B. der Eule so wie das grüne Jägerwams ist eine
bestimmte Art der natürlichen Klugheit, die im sozialen Verhalten
zwischen Menschen und auch als eigene Identität als eben das Erfolgreiche,
Echte, Wahre, Gute, Loyale und Ehrenhafte nicht nur der eigenen Einsicht
von eigener Verschlagenheit und auch der naiven Verlogenheit und Falschheit
gegen andere im Wege steht - weil es eben als das "Erfolgreiche, Echte,
Wahre, Gute, Loyale und Ehrenhafte" ist -, sondern auch für bessere
Einsichten und rechtes und richtigeres Denken blind und taub macht, das
nicht
durch „natürliche" Zweckmäßigkeit bestimmt bzw. determiniert
ist. Auf der Linie der Evolution wäre hier die Freiheit gleich Null.

Dazu mein Beitrag im "Bündnis gegen Faschismus".Beginn
Dieser Beitrag gehört in der Tat auch in die Kunsttheorie der "Modernen"
und auch zum Thema dieser beiden Koordinaten, weil Nationalismus,
Faschismus, Fundamentalismus und Rassismus ( selbst bei Kant unverstanden)
auch in heutiger Auffassung durchaus ein Phänomen der Moderne und
der Aufklärung aber eben nicht der modernen Malerei sind, worauf ich
auch stolz bin.
Eine angemessene Faschismuskritik kann nicht vom idealen Staat Platos
oder dem faktischen Staat des Aristoteles ausgehen, und auch nicht von
den ersten segregationistischen Staatsgebilden im 11 Jahrhundert in England
und später in Sizilien unter Friedrich II., wo die zufällige
Begrenzung der Insel sowohl Geltungs- und Machtbereich wie Zugehörigkeit
natürlich und quasi empirisch definierte, determinierte und bis zum
Gottesgnadentum hypostasierte, dies alle würde den Faschismus eher
rechtfertigen als in Frage stellen, und gilt auch für die späteren
Staatstheoretiker von Machiavelli über Montesquieu, Lockes, Darwin,
Marx, Lenin bis zur Gegenwart, wo immer es um ein objektives Richtig und
Falsch geht, denn Hitler tat in Europa, also im eigenen Haus, faktisch
das Gleiche, was alle Kolonialmächte ungeniert in aller Welt trieben,
jedoch aus einem anderen Grund als jene, denen es bewußt vornehmlich
um Ansehen, Geld und Reichtum ging. Die Grenzen innerhalb Europas waren
zufällig unter Eigentumskriterien durch Verwandschaftskungel, Vererbung,
Raub, Krieg, Betrug und Übervorteilung nach dem Recht des Stärkeren
d.h. nach den "natürlichen" Regeln in dem "normalen" engen Sinne entstanden,
wie wir sie im Affenstall oder bei der Hackordnung auf dem Hühnerhof
finden. Man hielt die "eigene" Bevölkerung in Unwissenheit und Unmündigkeit.
Was nämlich bei den Mächtigen der Kolonialmächte eher
wie die beneidete Nebenerscheinung von Reichtum aussah, sowohl Macht, glänzende
Ausstattung wie Arroganz und Größenwahn, Verachtung der Schwächeren,
Ärmeren, Ungebildeten und deren Versklavung und Entrechtung, dies
alles, was ganz sicher, wenn auch versteckt, der eigentliche Antrieb für
die Profitgier ist, wurde von den Faschisten nun ganz offen ausgesprochen
zum erklärten Vorbild und Hauptziel, was denn auch zurecht als geschmacklos
empfunden wurde, so geschmacklos und kriminell, als würde sich ein
Mann ohne den umständlich-kulturellen Modus des Lebens- und Arterhalts,
wozu das religiös-ethische Miteinander durch die halbfertige Aufklärung
herabgestuft worden war, der Frau mit den Worten bekanntmachen „Ich will
dich f. und ausrauben.", um sie dann mit dem Recht des Stärkeren zu
vergewaltigen, zu plündern und zu töten, wenn sie nicht will.
Das was Gerold Prauss bezüglich Kant, aber eigentlich bezüglich
der ganzen empiristisch begrenzten Aufklärung treffender nicht formulieren
könnte:
„ ...als die Tragödie (s)einer Newtonschen Gefangenschaft, die eine Theorie der Subjektivität als etwas innerhalb von dieser Welt oder Natur verhindert und mithin, wenn überhaupt, so nur als etwas außerhalb derselben zuläßt, also nur als etwas letztlich Unglaubwürdiges." („Die Welt und wir", Band II, Teil I, S. 250)bedeutet innhalb der Entwicklung zur Moderne, daß nicht nur Gott und der ideale König Jesus, sondern auch das Subjekt durch den objektiven Determinator „Natur" ersetzt wird, dem auch demokratische Strukturen untergeordnet sind und deswegen je nach Selbstverständnis untergeordnet werden können und dürfen. Dies bedeutet, daß nach Prauss „Falsch" und „Richtig" nur dies Selbst- und Naturverständnis betrifft.
Wie das obige Evolutionspiktogramm „Wie aus Affen Menschen wurden" scheinen
lassen könnte, und wie es leider auch als die verbreitete Überzeugung
und besonders beschämend bei Künstlern zu finden ist, ist es
nur religiöser und „unaufgeklärter" Fanatismus, der sowohl bei
Tätern wie bei Opfern aus Menschen Unmenschen macht; d.h. daß
der Unmensch auch andere Menschen als Unmenschen sieht und so behandelt.
Nicht die Natur selbst ist das Subjekt.
Hierbei wird Zweierlei sowohl miteinander verwechselt wie vermischt:
nämlich
1. dieser Emanzipationsschritt zur Mündigkeit und Selbstverantwortung
innerhalb der Demokratie, was ganz vereinfacht als ein Übergang vom
Mittelalter zur Modernen eben auch vom religiösen zum rationalen Verhalten
verstanden werden muß, ist für einen immer größeren
Teil des alltäglichen Lebens eben auch unvermeidlich. Man kann z.B.
ein Auto nicht nach religiösen Dogmen und den 10 Geboten reparieren,
man kann eine immer dichter werdende Gesellschaft, wie eine moderne Großstadt,
nicht über religiöse Gebote und theologische Theorien mit der
notwendigen Infrastruktur versorgen, sondern muß dazu Technik und
Wissenschaft verstehen und anwenden können. Das gilt dann erst recht
für die internationale Integration , was ein Verständnis anderer
Kulturen, Sprachen, Traditionen und Religionen erfordert, ohne das kein
Land mehr existieren kann, was aber auch nicht bedeuten kann, damit auch
seinen religiösen Glauben und seine eigene Kultur aufgeben zu müssen.
Natürlich wird nun mit zunehmender individueller Kompetenz in Beruf,
Politik und Wissenschaft auch die eigene religiöse Kompetenz und damit
ein eigenes Selbstverständnis vor Gott und dem Mitmenschen reifen,
was aber nicht bedeutet, daß nun Gott sowenig wie der Mensch politischen,
handwerklichen oder wissenschaftlichen Kriterien untergeordnet oder durch
solche definiert werden könnte. Den Verkehrsvorschriften, daß
z.B. ein Auto nicht das Leben von Menschen gefährden darf, ist sicher
das ganz unnatürliche und eigentlich unlogische religiöse Gebot
„Du sollst nicht töten." weiterhin übergeordnet, und bleibt das
Fundament einer zivilisierten Gesellschaft, das aber nicht mehr einfach
durch religiösen Gehorsam sondern nur durch wissenschaftliches, technisches
und verkehrstechnisches Wissen und Können eingehalten werden kann.
2. Was mit dem vorigen Schritt eben nicht verwechselt werden darf, ist die erst daraus entstandene und noch unverstandene neue Problematik mit der Freiheit der eigenen Vernunft, der eigenen Entscheidungsmöglichkeit wie -notwendigkeit und der daraus resultierenden Selbstverantwortung. Dabei ist es erst mal „natürlich" und auch notwendig, die vielschichtige menschliche Wirklichkeit an objektiven Daten ganz normaler Alltagserfahrung festzumachen, wodurch diese nun einerseits mit der ganzen Tiefe eben nicht objektivierbarer menschlicher Existenz und Identität quasi aufgeladen werden und dabei ja nicht nur eine fast religiöse neue Dimension oder Bedeutung bekommen und als solche selbst erlebt werden, sondern die naiv und „gläubig" und ehrlich, wie auch rhetorisch, strategisch und verschlagen mit solchen Argumenten instrumentalisiert und gehandhabt werden können, nämlich genauso naiv, gläubig und eigentlich kindisch wie verschlagen z.B. die objektive eigene wie nationale Identität und Gültigkeit an den objektiven Grenzen einer Nation oder die objektive religiöse Identität und Gültigkeit an den objektiven Formen, Kleidern, Traditionen einer Religion festzumachen, eben das Subjektive mit dem Objektiven selbst zu begründen, wie auch die Handhabung zu praktizieren und damit zu objektivieren, oder je nach Bedürfnis, Empfindung, Naivität, oder Verschlagenheit auch umgekehrt.
Dies alles, sowohl das Subjektive wie Objektive, ist derart nur halb
richtig verstanden oder bezeichnet, und das Leben ist natürlich auch
kein mathematisches Produkt von Beidem.
Natürlich hängen Subjektivität und Objektivität,
Geist und Körper, Leib und Seele, Identität mit Lebensraum, Besitz,
Verfügungsrechte und Eigentum irgendwie zusammen, wie es die vielen
oft uralten Redewendungen, Begriffe, Vorstellungen und Theorien aller Sprachen
und Kulturen auch wissen, aber ganz sicher ist dies nicht derart einfach,
wie wir es in vielen politisch-polemischen Manifesten noch unserer Zeit
finden, daß sich, wie in einer mathematischen Gleichung das eine
aus dem anderen ableiten und errechnen, präzisieren oder überhaupt
erst verwirklichen ließe. Wohl kann man mit dem Körper auch
den Geist töten und umgekehrt, weswegen die Unversehrtheit von Geist,
Körper und Menschenwürde und das Verbot von Folter einerseits,
und das Recht auf Bildung, Selbstverwirklichung und Lebensraum die Grundwerte
der UNO-Konventionen wurden.
Was aber damit mit dem Wandel der Zeit in der normalen überkommenen
Alltagssprache trotz aller Widersprüchlichkeit weiter eine ganz harmlos
gemeinte jeweilige kleine Richtigkeit hat, wenn wir z.B. sagen, „Ein gesunder
Geist gehört zu einem gesunden Körper." oder „Essen hält
Leib und Seele zusammen." oder „Kleider machen Leute.", oder „Ich bin Deutscher
mit Leib und Seele.", oder „Ich bin Sozialist, Katholik, Moslem mit Leib
und Seele." oder ähnliches, kann man zwar sprachlich und über
die Sprache vielleicht auch gefühlsmäßig als solche Alltagslogik
ins Politische und Weltpolitische hochrechnen, was dann eben wegen der
immanenten Widersprüchlichkeiten zu weltanschaulichen Katastrophen
führen kann, wie der deutsche Faschismus.
Wer sich über die tieferen Ursachen und Hintergründe dieser
Widersprüchlichkeiten in solcher Vermischung nun absolut keine weiteren
Gedanken machen möchte oder kann, weil dies in der Tat recht kompliziert
ist, darf sich durchaus an die Grundregeln neuester geschichtlicher Lehre
und Erfahrung halten, als sei es ein göttliches Gebot: Wo uns Gedanken,
Zitate, Verhalten, Ziele und Sozialstrukturen begegnen, wie wir sie im
realen, deutschen Faschismus gehabt haben, der sowohl die Faschisten selbst
wie auch alle anderen nachweislich in schreckliches Unglück gestürzt
hat, sollte man sich abwenden, wo immer man sich mit „Heil-Hitler" begrüßt
und das politische Hakenkreuz verehrt und wo man mit solchen Sprüchen
andere Menschen mobilisieren und instrumentalisieren will. Wenn auch nur
halb richtig und nur halb verstanden ist dennoch auch der Hinweis auf die
Primitivheit und Verschlagenheit des Faschismus berechtigt, was man zur
Not als Faustregel benutzen darf, daß z.B. wir Deutsche uns dabei
„wie die Wölfe und Jagdhunde als Schlächter einerseits und wie
Zuchtvieh und Schlachttiere andererseits durchaus „natürlich" nämlich
wie die Tiere und wie folgsames Schlachtvieh verhalten haben und dabei
Zivilisiertheit, Kultur und Menschlichkeit verloren hatten, außer
eben, daß unsere Intelligenz, Freiheit und Verantwortung dabei keineswegs
derart „natürlich" ist und dabei vielleicht betäubt aber nicht
irgendwie ausgeschaltet wurde, sondern daß gerade durch ein falsches
Selbstverständnis ganz teuflisch sowohl Tiersein wie Menschsein pervertiert
wurde und der Deutsche dabei intelligent, frei und verantwortlich war wie
er es heute ist.
Ebenso einfach und unkompliziert ist auch die Einsicht und das Nachempfinden
der schrecklichen Erfahrung, die die 50 bis 70 Millionen Opfer des Faschismus
machen mußten und mit ins Grab nahmen, daß Unrecht siegt, daß
die Sieger nicht die Guten sind, daß man nicht durch Sieg ein Guter
wird und dadurch Recht behält. Die Opfer mußten mit der schrecklichen
Erfahrung sterben, daß Bosheit siegt.
Wir sollten Gott danken, daß er einst die Intelligenz der Faschisten in ihrem verirrten Wahnsinn und Rausch in Grenzen hielt, und gerade wir Deutschen sollten aber auch zu sehen und zu verstehen suchen, wie es möglich war, die vielleicht gebildetste, frommste, ordentlichste und vielleicht moralischste Nation derart zu faszinieren und samt ihrer Moral in den faschistischen, nationalistischen und rassistischen Bann zu ziehen.
Wenn ich sage, daß solche notwendige Reflexion nur mit Hilfe der beiden Koordinaten „Subjekt und Objekt" nur die halbe Wahrheit ist, und damit warne,
daß Halbwahrheiten eben löchrige Wahrheiten sind und deswegen nur gefährlich halbüberzeugende Argumente, meine ich eben nicht, daß die andere verschwiegene oder unerkannte Hälfte eine gute Seite gewesen sei, wie die Autobahnen usw., sondern im Gegenteil, wenn ich Gott danke, daß durch die begrenzte Intelligenz der Faschisten noch Schlimmeres verhindert wurde, meine ich genau das noch Schlimmere, das sich eben leicht denken läßt, und das ich gar nicht aufzählen will, um die Phantasie des Teufels nicht noch zu beflügeln und ihn an die Wand zu malen.
Natürlich ist die peinliche Renaissance der Neofaschisten der Gegenwart im heutigen Deutschland mit der schwierigen Nachkriegssituation der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts nicht zu vergleichen. Der neue übervertragliche Konsens zu einer Freundschaft der europäischen Völker, wie das Beispiel der Freundschaft Deutschlands mit Frankreich, Polen und Rußland, besonders aber auch mit allen und zwischen allen übrigen Nachbarn Europas - wenn im Westen auch glücklicher Weise noch immer unter der Vormundschaft der USA - , ist ein Zeichen von Vernunft und kann als ein noch zartes Licht einer neuen Zeit Vorbild sein für die Völkergemeinschaft der Erde, wenn nicht solche europäische Gemeinschaft - nun ohne jene Peitsche eines kalten Krieges - nicht wieder unter das Vorzeichen der Übervorteilung anderer - außerhalb Europas - gerät, so bewußt oder unbewußt, so versteckt oder rücksichtslos offen es sich auch zeigt.
Für solche Vernunft fehlt mir bis heute die klare Selbstdefinition
der Konservativen, Liberalen und Sozialisten, denn friedliche Gemeinsamkeit
kann nicht die Verleugnung und Preisgabe der eigenen Kultur, Sprache und
Religion und auch nicht die Ablehnung und Segregation anderer Kulturen,
Sprachen und Religionen bedeuten.
Hier genügen nicht mehr die spontanen Definitionen der ersten
Umbruchzeit wie „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" einer nationalen,
internationalen oder kosmopolitischen Allgemeinheit. Nicht von Ungefähr
entstanden mit solchen Konzepten in aller Welt fast zeitgleich und oft
in gleichen Personen und mit konservativen, liberalen und sozialistischen
Argumenten faschistische Strukturen, wie unter Primo de Rivera und Franko
in Spanien, unter Salazar in Portugal, unter Horthy in Ungarn, unter Pilsudski
in Polen, Peron in Argentinen, Dollfuß, Schuschnik auf dem Balkan
und in Östereich und jüngst Milosowitsch in Serbien , wie natürlich
Musolini und Hitler in Italien und Deutschland, wozu viele andere entsprechende
schreckliche Erscheinungen in Amerika, Asien und Afrika gehören.
Natürlich klingt es absurd und wie Hohn, darüber in einem Zusammenhang mit einer Entwicklung der Menschheit zum Richtigeren hin zu sprechen. Man muß sich dieses vereinfacht vorstellen mit einem neuen Instrument, das der Mensch plötzlich in der Hand hat, das sich durch die Aufklärung und Sachlichkeit einerseits und durch die neuen technischen Möglichkeiten in Wissenschaft, Militär, Mobilität, Informationsmedien und Organisationformen andererseits ergab, das man wie ein neues Auto weder versteht noch beherrscht und deswegen gegen die Wand fährt, weil es sich eben auch mißbrauchen läßt, was eben bis heute noch nicht verstanden ist, soweit dabei der Mensch eben sowohl Subjekt wie zugleich Objekt, Führer wie Anhänger, sowohl Täter wie auch Nutznießer oder Opfer zugleich ist, wobei ja Staat, Wirtschaft, Bildung, Forschung und Wissenschaft samt Justiz, Verwaltung, Polizei und Militär jeweils ohne grundsätzliche Probleme das Vorzeichen ändern konnten, was nichts anderes heißt, als daß auch solche Institutionen dabei und gerade in einer idealen Demokratie instrumentalisierbare Instrumente sind, die der Mensch heute in seiner Hand hat, und die er im kleinen Einzelfall ohnehin wie aber auch gesamt zum Guten wie zum Bösen, zum Richtigen wie zum Falschen gebrauchen kann und verantworten muß, worüber nicht die Logik unserer Koordinaten entscheiden kann, sondern nur das Gewissen.
(Zeichen)
Dieser gewaltige pragmatische Schritt der Menschheit mit dieser Veränderung in ihrem Selbstverständnis von der universalen, göttlich-transzendenten Welt- und Selbstvorstellung des Mittelalters weg und zwar eigentlich zurück zur nur geographisch-globalen, internationalen Strategie des Strebens und der Orientierung war im Faschismus praktisch nur die Kehrseite der gleichen Vorstellung, daß der Mensch nun sowohl mit wie auch als Sprache, Rasse, Geschlecht, Religion, Kultur und Nation nun international gültig und anerkannt, geachtet werden, bzw. überhaupt existent sein oder bleiben wollte - wie auch in Asien und Afrika, d.h. Geltung in der Welt, vor der Welt und letztendlich - wenn auch eher pathologisch - über die Welt anstrebte, was unterschiedlich instinktiv oder bewußt und programmatisch mit dem als objektiv wie als subjektiv nur so verstandenem Naturrecht von Fauna und Flora gerechtfertigt wurde.
Neben der oben durch Prauss bereits formulierten philosophischen Fehlleistung,
zu der in diesem vielschichtigen Gemisch von Sprache, Kultur, Religion
und Selbstverständnis nun in Folge noch viele weitere Fehlleistungen
hinzu kommen, die sich im Faschismus überlagern und addieren, sei
vorweg als Folge menschlicher Eitelkeit und Selbstüberhebung die ganz
einfach menschliche Fehlleistung genannt, wie sie heute noch in allen Schulen
den Kindern und danach an allen Stammtischen der Kneipen gelallt wird-
nicht erst unserer Tage, sondern bereits seit dem 15. 16. Jahrhundert zunehmend
allgemein - , als sei nämlich dieser Schritt vom Transzendent-Universalen
des Mittelalters zum Materiell-Wissenschaftlichen der aufgeklärten
Renaissance und Gegenwart ein Schritt vom Bösen weil falsch zum Guten
weil richtig. Zum Teil liegt diese Vereinfachung ganz sicher an der noch
weit verbreiteten Auffassung und Praxis der hauptsächlich nur universal-ethischen
Kindererziehung, soweit sie eher als Dressur verwirklicht wird, wobei das
vielleicht ja tatsächlich falsche auch als Böse nur verboten
statt korrigiert wird und mit jenem berühmten Klaps oder sonstwie
eingebleut wird.
Mit anderen Worten: Im noch mittelalterlichen oder gar antiken Anspruch
vertreten im universal-ethischen Selbstverständnis Eltern ganz normale
Allgemeingültigkeiten als bestehende Alleingültigkeiten
So gilt dann auch dem Erwachsenen noch das Richtige als Gut und das
Falsche oder das Andere anderer Allgemeingültigkeiten als Böse,
was sich dann leicht mit „Aufklatschen" demonstrieren läßt.
Was dabei vordergründig gesehen nur wie ein sprachlich-grammatisches Problem analytischer Philosophie erscheinen könnte, wie es noch Russell ausspricht, was mit diesem großen Schritt der Menschheit zur Wissenschaftlichkeit, zum Humanismus über die nur halb vollzogene Aufklärung zum gegenwärtig geforderten globalen Selbstverständnis des Menschen führte, wenn das transzendente Subjekt als Schöpfer und Schöpfung im entsprechend transzendenten Objekt nun im gleichen Satzgefüge in mathematisch, geographisch, physikalisch naturwissenschaftlich meßbaren Fakten gemeint wird, und damit so auch in die Verfügungskompetenz des Menschen kommt, wie jedes Werkzeug, für das er nun selbst verantwortlich ist , wurde als neues Problem der Politik wie auch als Alltagsproblematik weder in der Antike gesehen, noch scheint auch die Gegenwart - und schon gar nicht jene verirrten Jugendlichen - schon in der Lage, die vielschichtige Schwierigkeit zu erfassen. Zumindest sehe ich kaum Ansätze in dem laufenden Kulturdiskurs, über jene einfache widersprüchliche Koordinatenorientierung hinaus zu kommen, als daß man einerseits den Menschen und sich selbst nicht nur wie Vieh, das man versorgen muß, oder nicht nur wie Material, das so oder so funktioniert, und das man behandeln und dann gebrauchen und entsorgen muß, verstehen darf, obwohl natürlich beides sehr wohl zu jeder objektiv richtigen Wirtschaft und Politik des Alltags gehört, wobei das Individuum zumindest schon in den reicheren Ländern gegen Hunger, Obdachlosigkeit, Analphabetismus, Krankheit, Willkür, Folter und Ungerechtigkeit weitgehend geschützt sich in Parteien und an Wahlen beteiligen darf aber sonst sich selbst und Gott überlassen ist, und man die Widersprüche trefflich für rhetorische Paraden und verschlagene Ausflüchte benutzt.
1.Teil
Obwohl ich gegen die wörtlichen Aussagen von Gerold Prauss verstoße,
wo er behauptet, es könne es bei einer irdischen Erkenntnis nur Falsch
und Richtig und nicht viele Zwischenwerte geben, so daß es z.B. nicht
halb richtig sein könne, daß sich die Sonne um die Erde drehe
und zur anderen Hälfte das Gegenteil, spreche ich dennoch innerhalb
dieser geistigen Entwicklung von einem langsamen „Mehr" an Richtigkeit
und einer langsamen Abnahme von Irrtum und Falschheit, wozu auch die obigen
Faustregeln gehören.
Dennoch hat Prauss recht, denn es sind gerade die Halbwahrheiten und
Ungenauigkeiten, die er allenthalben nachweist, die uns den Weg zu mehr
Richtigkeit selbst in den Wissenschaften oft verstellen.
Und es bedeutet für mich nicht Trost, sondern Erschrecken, wo
immer er eine Präzisierung allgemeiner falscher - und in meiner Interpretation
weniger oder nur halb wahrer - Ansichten etwa folgendermaßen einleitet:
Aber zur verfänglichsten Halbwahrheit gehört sicher die bewußte Beschränkung nur auf diese eine horizontale Koordinate einer Erkenntnis oder Handlung, wo sie in der neueren Geschichte nur als sog. Realpolitik, als Objektivität, Empirismus, Cartesianismus oder Rhetorik auch allein wahr zu sein glaubt und sogar das Subjekt und Subjektive zu überwinden und zu übertreffen sucht und es dabei samt seiner Freiheit diskriminiert, dem Objektiven unterordnet und quasi opfert, wenn nicht ganz verneint, nämlich den Menschen selbst in seiner Freiheit und Verantwortung, womit der Mensch zugleich in primitiven Animismus zurückfällt, wie es Prauss Bd 2. ab Seite 90 weiter formuliert, was er am Ende seines 1. Bandes unter „Subjektivität und Intersubjektivität" als seine vielleicht wichtigste Leistung auch begründen konnte:Bd.1;S.900 „weil Sie dazu gegen eine Überzeugung angehen müssen, wie sie fester kaum noch vorzustellen ist, weil wir alle sie zunächst einmal wie selbstverständlich hegen."
Bd.2;S.84„Und die Art der Täuschung, der wir alle dabei unterliegen, können Sie ermitteln, ...."
wie noch an vielen weiteren Stellen seiner Untersuchung
Bd 2. ab Seite 90: „Das Problem, das hier sich stellt, betrifft nämlich durchaus nicht nur das Handeln, sondern auch noch das Erkennen des Subjekts. Denn auch Erkennen ist ein inhaltlich-bestimmtes doch nur dadurch, daß es gleichfalls irgendwie auf Heteronomie beruht, auch wenn Kant aufschlußreicherweise sie im Fall dieses Erkennens nicht so nennt. Kann auch Erkennen doch ein inhaltlich-bestimmtes nur durch irgendeine Art der ,,Reizung« oder der „Erregung" sein, die im erkennenden Subjekt auf irgendeine Art hervorgerufen wird und die Kant in der Regel bloß als ,,Affektion" bezeichnet.- So daß ich z.B als Deutscher in meinem deutschen Handeln, oder ich als Engländer in meinem britischen Handeln durch die zufälligen Landesgrenzen oder ich als Protestant oder Moslem durch Aussagen bestimmt werde, die Propheten oder Theologen im 6. oder 16. Jahrhundert ausgesagt und aufgeschrieben und die irgendwelche Potentaten vor Jahrhunderte für eine Region als gültig festgelegt haben, die ich in der Regel nicht einmal kenne und sie dennoch als meine objektiv Identität empfinde.
Doch so weit man sich bisher auch diesem sogenannten ,,Affektionsproblem" bereits gewidmet hat, — das eigentlich darin verborgene Problem hat man bislang noch nicht einmal gesehen, geschweige denn behandelt.
Seine eigentliche Problematik nämlich liegt gerade darin, daß es Handeln und Erkennen des Subjekts ineinem und durchaus nicht nur Erkennen des Subjekts betrifft, wie man bisher vermeint. Denn wie ,,Erregung« oder «Reizung« oder ,,Affektion« ein Fall von ,,Heteromomie« durch ein Objekt, das heißt, durch etwas Wirklich-Anderes als ein Subjekt sein könnte, wird noch weitaus problematischer, wenn Sie dabei den grundsätzlichen Unterschied von Handeln und Erkennen, wie man ihn seit jeher schon mit größter Selbstverständlichkeit zugrunde legt, in Rechnung stellen. Soll es danach etwa von der Seite des Objektes her entschieden werden —dadurch nämlich, daß ein Subjekt durch ein Objekt jeweils theoretisch/praktisch unterschiedlich ,,affiziert" oder ,,gereizt« oder ,,erregt« wird—, ob dies Subjekt auf dies Objekt sich erkennend oder handelnd oder auch erkennend ebenso wie handelnd richtet? Liegt es danach etwa am Objekt als einer Art Subjekt, durch ein spezifisch theoretisches bzw. ein spezifisch praktisches ,,Erregen« oder ,,Reizen« oder ,,Affizieren« auf der Seite des Subjekts spezifisch Theorie hervorzurufen oder auch spezifisch Praxis oder beides? Noch dazu, wo solche Heteronomie doch immer wieder nur neutralerweise in Kausalität bestehen soll?
Spätestens an dieser letzten Konsequenz, die diese ganze Konzeption der Lächerlichkeit preisgibt, werden Sie denn auch in aller Klarheit sehen, was hier eigentlich vonstatten geht: die reine Projektion, und als Erfolg davon: der reine Animismus. Nicht ich selbst, das Subjekt, bin es, was dabei bewegt, nein, etwas Anderes als ich, das Objekt, ist es, was dabei bewegt. Nicht ich bin dafür, daß ich etwas will, die Ursache, nein, etwas Anderes als ich verursacht dies — Objektverfallenheit infolge von Subjektunkundigkeit: zumindest soweitgehend, daß wir uns dabei als die ursprünglich und eigentlich Bewegenden selbst unterschlagen und Bewegung ausschließlich dem Ding als Objekt unterstellen."
Ich, Subjekt, Freiheit und Verantwortung.
Der obige Text von Prauss ist in der Tat der Schlüssel einmal
für ein Verständnis dafür, wie solche nur halb verstandene
Objektivität und als solche selbst der Glaube, der Staat und jede
Kultur zum Kulturkult und zum Götzen werden kann, was zum anderen
aber auch für die nur halb verstandene Subjektivität gilt, wobei
ersteres als das Problem - auch im gegenwärtigen Diskurs über
Faschismus und Leitkultur - erst richtig deutlich wird, wenn wir versuchen,
das einzelne Subjekt von Staat, Religion und Kultur zu lösen und davon
getrennt als Subjektivität zu betrachten.
Auch hierbei würden wir uns ohne den Prausschen Ansatz zu einem
weiteren Schritt am Ende wieder in Widersprüche verlieren, wie sie
von Zenon, Plato über Descartes bis zu Kant, Schelling, Hegel Marx
und Heidegger eher gefestigt als verstanden wurden und zum Verständnis
des abartigen Selbstverständnisses von Faschismus beitragen könnten.
Der sonst ganz normale, demokratische und gute Staat, der im Vergleich
zu den vordemokratischen Staaten ein Segen für den Menschen und eine
große Verbesserung bedeutet, erscheint natürlich nur von den
beiden neuralgischen Schnittstellen zum Subjekt her gesehen, nämlich
da, wo sich in unserem Koordinatenkreuz die Senkrechte von der Horizontalen
erhebt oder senkt, ausgesprochen negativ wie ein zweischneidiges Schwert,
einmal von der konstitutiven, automatistisch funktionierenden und sich
selbst erhaltenden Seite, die zudem Menschen einschließt und Andersstaatliche
ausschließt und zum anderen von der befangenen, kriminellen und korrupten
Seite.
Wegen dieser Schnittstellen sollte man in der Tat täglich für
den Staat und die Betroffenen beten.
Diese Problematik gilt eben nicht nur, wo wir das Subjekt gegen jede
unstatthafte, mißbräuchliche Objektivierung, Versachlichung,
Instrumentalisierung, Unterordnung, Versklavung, Entfremdung und Opferung
verteidigend hervorheben. Im Unterschied zu den alten Diktaturen und Aristokratien
der vordemokratischen Zeit, wo sich Religion, Staat, Gesetz, Recht und
Obrigkeit in Gott, Papst, Bischof, Kaiser, König, Fürsten usw.
personifizierten, ist nun zwar theoretisch der Bürger selbst die Obrigkeit,
wobei aber der jeweils gemeinsame Modus von Lebens- und Arterhalt wie auch
Religion nun schriftlich in der Bibel oder im Koran bzw. in den Gesetzen,
Vorschriften und Verboten geregelt und damit objektiv das ist, was wir
den modernen Staatsapparat nennen, der sich erhalten muß und den
man gebrauchen wie mißbrauchen kann, eben mit zwei menschenfeindlichen
Schneiden: Der Mensch, d.h. das Individuum ist staatstreu, angepaßt,
Staatsdiener, Steuerzahler, Produktionskraft, Menschenmaterial und nicht
nur entsprechend dezisionistisch , wissenschaftlich und statistisch definiert
sondern auch entsprechend gebildet, ausgebildet, eingeordnet, abhängig,
versorgt, entsorgt und gewertet, - eine objektive Gesetzgebung ist anders
nun mal nicht zu machen - und der Staat tendiert mit diesem seinem Eigengewicht
d.h. mit seiner anonymen, maschinellen oder digitalen Eigendynamik des
Funktionierens zur Normierung des Menschen, was nun mal Entartung ist.
Der Mensch ist dabei, wie schon gesagt als besonderes Individuum nur eine
kurzzeitige, zufällige Erscheinung unter vielen. Der einzelne Mensch
ist weniger als der Staat samt Religion und der Ausländer ist Nicht-
bzw Nurmensch.
Das Subjekt wird übersehen, ihm wird mißtraut, es wird geopfert,
bzw. als prozentual-tolerables Collateral-damage hingenommen, aufgerechnet,
untergeordnet.
Kritik, Reformideen und Widerstand gelten naturgemäß als
staatsfeindlich, als Widerstand und Obstination gegen die Staatsgewalt
oder jedenfalls als unerwünscht, lästig, anmaßend, frech,
unkompetent, weswegen die Legitimierung der freien Presse und das Recht
auf freie Meinungsäußerung eines der wichtigsten, wenn auch
wohl oder gerade weil am schwächsten definierten Standbeine moderner
Demokratie ist, und zwar schon deshalb, weil dabei genau wie bei allen
vorherigen Normierungsproblemen, objektive Öffentlichkeit als Macht
und Rechts- und Kompetenzlegitimierung ebenfalls über der einzelnen
subjektiven, privaten Meinung steht.
Über alle genannten Punkte wie auch über den kriminellen
Mißbrauch des Staates, wo Staatsrecht bestochen, ignoriert und gegen
das Individuum angewandt wird, dürfte in tausend Büchern alles
Wesentliche inzwischen zumindest thematisiert worden sein.
Der Unterschied zwischen echt = subjektiv einerseits und normiert, angepaßt,
deformiert = objektiv oder dezisionistisch andererseits wird innerhalb
der christlichen Botschaft mit sehr harten Worten deutlich, wenn ich z.B.
eine gute Tat tue oder eine schlechte unterlasse aus eigenem subjektiven
Bedürfnis, Gewissen und Befinden heraus, was dann echt ist, während
ich das Gleiche aus Gründen der Gebote, der Norm, der Gesetze oder
der Öffentlichkeit tuen kann, was vor Gott ungültig ist, was
aber dem Staat, den Gericht und der Öffentlichkeit genügt. Ob
die Kirche, die Öffentlichkeit, der Staat, die Natur, Jesus oder Mohammed,
Buddha oder das heilige Buch die Verantwortung vor Gott übernehmen
können, ist dabei die eine Frage, ob aber der Mensch die Verantwortung
an irgend jemand oder irgend etwas abgeben kann, bleibt dabei ganz in der
Verantwortung des Subjekts.
An diesem Dilemma, das nur sichtbar wird, wo sich Gewissen und Staat
kontrovers gegenüber stehen, würde sich auch - und erst recht
- in einem idealen Staat mit einer idealen Definition des Menschen nichts
ändern, wo die Differenz zwischen Selbst und Konvention nur noch undeutlicher
würde.
Sicher war dieses Dilemma, das oben durch diesen ersten Schritt an notwendiger
Reflexion auf den objektiven Staat deutlich werden sollte, für den
Pfarrerssohn Friedrich Nietzsche der Grund für seine scheinbar menschenverachtende
Kritik an demokratischen und sozialistischen Systemen und jeder konstitutionell
abgesicherten Monarchie, wie auch am braven Kirchenbetrieb, wo unreflektiert
scheinbar statt Gott Konvention gepredigt wurde, mit der offensichtlich
Gott begraben werden konnte und für viele auch wurde.
Ich beschreibe das Ausmaß der Problematik am Beispiel von „Max
und Moritz" unter „www.jesus-und-kirche.de" 3. Teil.
Um aber Faschismus begreifen zu können, müssen wir den zweiten
Schritt an Reflexion tun.
Die obige noch immer objektive Kritik am objektiven Staat, bliebe sonst
in der Tat nichts weiter als hilfloser Subjektivismus, der einen Ausweg
nur im Anarchismus sieht.
Wir müssen in einem nächsten Schritt nicht nur verstehen, wie beide Koordinaten im oder beim Denken zusammenhängen und sich gegenseitig bedingen, sondern auch, wie derart widersprüchlich rauschhaft, eiskalt, unbarmherzig bis zur Selbstaufgabe die Logik des Verhaltens quasi eindimensional absolut wird, wenn man von der logischen Richtigkeit quasi geritten wird, wobei sich dabei zum einen das Ego quasi ins Unendliche und Göttliche zu steigern glaubt, weil es ohne eigene Verantwortung und Zuständigkeit hemmungslos zur willkürlichen Raserei und Rücksichtslosigkeit ausarten kann, wie es aber auch zugleich zur vorbehaltlosen Folgsamkeit und Folgerichtigkeit und Selbstopferung fähig macht. Diese Exessivität kann durchaus aber muß sich nicht mit Schaum vor dem Mund und mit lautem Geschreie und protzigen Hitlerfahnen äußern, sondern kann den Tod oder die Beseitigung, Erniedrigung oder Verneinung von Menschen auch in scheinbar zivilisierter Art einfach nur denken oder auch eiskalt verfügen.
Ohne Zweifel liegt dem Faschismus ein Selbstverständnis zugrunde, etwas Höheres zu erkennen und damit zu sein und anzustreben. Wenn aber Nietzsche seinen Übermenschen eigentlich noch immer christlich gerade jenseits und über der Norm ansiedelt, ist dem Provinzler gerade die objektive Norm das Höhere, die er vielleicht sogar logisch richtig sieht, die er nun gleichsam als das höhere Naturgesetz und die sog. Vorsehung oder Determinate erkennt, anwendet, zu sein versucht und als seine Identität empfindet.
Man wird diese immer mögliche Entgleisung menschlichen Verhaltens natürlich komplexer sehen müssen, mindestens so, wie es in der folgenden Beschreibung nur einer einfachen nichtmenschlichen Bewegung aus einem zentralen Text von Gerold Prauss hier deutlich gemacht werden soll, der natürlich ohne Kenntnis der ganzen Entwicklung der Prausschen Arbeit bis zu diesem Punkt kaum ganz verständlich sein dürfte, was aber Pflichtlektüre in allen Lehranstalten sein sollte:
Bd.1;II. S.917 aus Gerold Prauss „Die Welt und wir", Metzler VerlagWas Prauss hier allein für ein bewegtes oder ruhendes Objekt beschreibt, gilt natürlich prinzipiell auch für so etwas wie Natur, Vorsehung, Naturgesetz, aber auch für Region, Nation und Staat.
„Dazu vollständig wird ein Subjekt jedoch gerade dadurch, daß es nicht nur sich als jenen subjektiven Raum zu objektivem, sondern auf Grund dessen auch noch sich als jene subjektive Zeit zu objektiver selbst objektiviert, wodurch es folglich als ein Selbstbewußtsein von sich selbst als innerer Bewegung jener subjektiven Zeit dann dieser objektiven auch zugrunde liegt. Und so ist das in solcher objektiver Zeit für ein Subjekt erscheinende Objekt auf Grund von solchem objektiven Raum dann zwar ein Anderes, auf Grund von dadurch auch noch objektiver Zeit jedoch ein Anderes gerade als ein anderes Subjekt und damit als ein objektives Subjekt. Denn als grundsätzlich in objektiver Zeit bewegtes kann ein Objekt - einerlei, ob es in objektivem Raum nun ruhen oder gleichfalls sich bewegen mag - für ein Subjekt aus sich als Selbstbewußtsein innerer Bewegung subjektiver Zeit heraus nur wie ein anderer Fall von sich erscheinen: nur wie andere innere Bewegung und sonach als objektive Zeit und damit objektives Subjekt, dem es selbst als subjektives Subjekt seines vollständig zum Fremd- gewordenen Selbstbewußtseins der Erkenntnis von ihm eben gegenübersteht9. (Anm. 9.: Mit subjektiver Subjektivität, die sich auf solche Weise wie von selbst ergibt, ist somit die gemeint, die jeweils ich für mich bin oder Sie für sich sind, nämlich je als Selbstbewußtsein.)
Kein Wunder also, daß ein solches Abenteurertum dann überall und immerfort zunächst einmal auf Geisterhaftes, ja auf Geister stößt. Entsprechend sollten Sie auch beides, mag es Ihnen seiner Herleitung nach auf den ersten Blick auch noch so ungeheuerlich erscheinen, deshalb nicht sogleich als unglaubwürdig abtun. Diese Herleitung ist nämlich wieder einmal nichts geringeres als die Erklärung für ein bisher unerklärtes Faktum, die wir ernstzunehmen haben, weil sie grundlegend für uns ist. Denn nach allem, was wir bisher wissen, gilt nicht nur phylogenetisch, sondern auch ontogenetisch und sonach in aufschlußreicher Weise übereinstimmend: Ob als phylogenetisch frühes oder als ontogenetisch junges, - jedes Subjekt nimmt zunächst einmal von jedem Objekt innerhalb eines magischen Weltbilds Kenntnis, oder, jedes Subjekt treibt zunächst einmal mit jedem Objekt Animismus.
Dies jedoch heißt überhaupt nichts anderes, als daß jedem Subjekt jedes Objekt auch zunächst einmal als objektives oder anderes Subjekt erscheint, was bisher um so rätselhafter ist und bleibt, als doch durchaus nicht jedes Objekt auch tatsächlich, faktisch, kontingent, will sagen, auch empirisch solch ein Subjekt ist. Vor einem Rätsel stehen hier denn auch gerade überzeugte Empiristen, weil die Lösung dieses Rätsels eben nur ein nichtempirischer Apriorismus sein kann, den sie desto weniger wahrhaben wollen, da er noch viel grundsätzlicher gelten muß, als sie für möglich halten können. Denn aus jenen Gründen, die wir hergeleitet haben, kann nur gelten: Wann und wo auch immer in Phylogenese oder in Ontogenese erstmals ein Subjekt sich bilden mag, - als solches selbst tritt ein Subjekt dabei von vornherein gerade so auf, daß es ein Objekt für sich von vornherein schon immer für ein anderes und damit für ein objektives Subjekt hält. Weil, als ein Subjekt aufzutreten, und, ein Objekt als ein Subjekt aufzufassen, unserer Herleitung nach ursprünglich und notwendig dasselbe ist, tritt ein Subjekt an ein Objekt heran und so als ein Subjekt hervor gerade dadurch, daß es immer schon mit Anirnismus oder mit magischem Weltbild gleichsam vorprescht."
So war obiges dann nur das intersubjektive Grundgerüst für
ein Grundgefühl im neuen Selbstverständnis, das mit anderen Menschen
gemeinsam und interaktiv als politischer Sprach-, Kultur- und Lebensraum
nun plötzlich frei und unabhängig vom jeweiligen besitzenden
Herrscher oder Herrschergeschlecht, der oder das es vorher praktisch besaß
und beherrschte, einerseits noch um vieles komplizierter, andererseits
aber eben etwas Neues, das sich erst mit den Demokratien bilden konnte
und ein modernes, noch kaum definiertes Phänomen von „belebter Sachlichkeit"
bzw. Ideologie ist und damit einerseits mythischen, geistigen Universalitätsanspruch
suggeriert und - wie schon gesagt - andererseits zugleich globale Anerkennung
will.
Die Widersprüchlichkeit in unserem Koordinatensystem erklärt
sich daraus, daß sich das Subjekt dann eben nicht von jenem gedachten
waagerechten Objektsein und Fremdbestimmtsein - wie Evolution, Naturgesetz,
Realpolitik usw., - erhebt (wie es aber nur scheint, denn es ist in der
Tat nur so etwas wie Spiel, das man mitmacht, wie es Wittgenstein bezeichnet,
das jedoch verantwortet werden muß), sondern wobei man sich im Gegenteil
zum animistisch belebten bzw. besessenen Objekt macht, Freiheit, eigene
Urteilskompetenz und Verantwortung aufgibt (in sich ignoriert), weil das
Richtigkeitskriterium nun sozusagen in der objektiven „Natur der Sache"
liegt, wobei man sich selbst genauso wie Gott, Natur und Mitmensch - ob
Freund oder Feind - nun als neue „aber animistisch begeisterte" Sache,
zum künstlichen Götzen macht.
Geschichtlich geschieht mit Renaissance, Humanismus, Cartesianismus,
Aufklärung und Buchdruck also die Loslösung des Richtigkeitskriteriums
offizieller Lehre von personalen Autoritäten wie Gott, Papst, Bischof,
Kaiser, König, Fürsten, Lehrer, Eltern usw.. Man konnte vorher
ohne weiteres der Tochter zum Geburtstag ein Dorf samt Einwohner schenken
oder sich ein Dorf stehlen bzw. mit Gewalt nehmen. Der Besitzer bestimmte
in dieser Übergangszeit vom 16. bis noch zum 19. Jahrhundert, ob man
dort z.B. protestantisch, katholisch oder anglikanisch glaubte. Mit den
ersten freien Universitäten in Neapel und Paris wird das Richtigkeitskriterium
für Wahrheit nun langsam von solchem übergeordneten Subjekt auf
das Objekt übertragen bzw. im Objekt selbst gesucht. Das Objekt, wozu
nun auch die Bibel gehört, wird nun einerseits als lebendiges Wort
der Beweis für objektive Wahrheit und bedeutet andererseits Freiheit
von der weltanschaulichen Bevormundung durch die Obrigkeit.
Mit anderen Worten und aus einer anderen Blickrichtung: Das einstige
personengebundene Geschenkobjekt, wie jenes Dorf samt offizieller Konfession
oder Religion, in dem ganz „natürlich" für die Bewohner jeder
„Gegenstand" irgendwie als Behaustsein, als Heim, Sprache, Tradition, Verwandschaft,
Verwurzelung und Heimat „lebte", wird mit der Aufklärung - spätestens
seit Napoleon mit den demokratischen Ideen zum objektiven Wohn- und Verwaltungsgebiet
mit Straßennamen und Hausnummern. Die Romantik entdeckte dann in
Auflehnung gegen einen dogmatischen Objektivismus, Empirismus, physikalistischen
Naturalismus die Volkskunst der Märchen, Sagen, Legenden und Volkslieder
und in jenen auch den einst inoffiziellen animistischen Brei von Aberglauben
unter der Oberfläche der jeweils offiziellen christlichen Lehre. Die
vielschichtigen Märchen von Feen, Hexen, schönen Königstöchtern
und Königssöhnen sind quasi ein Spiel mit jener animstischen
Struktur jeder Erkenntnis, die erst mit Gerold Prauss verständlich
wird, die wir seit je mit Mummenschanz und Puppenspielen teils genießen
und teils auf diese Weise wohl zuzuordnen lernen und abreagieren.
Ich denke, daß ich hier Gerold Prauss sachgerecht extrapoliere,
wo er verlautbart:
B.I. Seite 918-919 "Daraus nämlich können Sie sich weiterhin erklären, daß es für ein solches Subjekt dann auch in der Tat zum Drama werden muß, als Subjekt nicht nur anzufangen, sondern auch noch aufzuwachsen, nämlich auch noch fortzufahren damit, jegliches Objekt zunächst einmal als anderes oder als objektives Subjekt anzusehen: phylogenetisch ebenso wie auch ontogenetisch. Denn je danach, ob ihm solch ein Objekt auch tatsächlich, faktisch, kontingent, will sagen, auch empirisch als ein objektives oder anderes Subjekt begegnet, und wenn ja, wie ihm ein solches Subjekt dann begegnet, wird dies Drama zur Tragödie oder zur Groteske oder zur Komödie oder zur Idylle und so weiter, wie aus eigenster Erfahrung jeder von uns zur Genüge weiß, soweit er sich zurückerinnern kann."Natürlich sind die oft wunderschönen Mythen, Sagen, Legenden, Märchen und auch die moderneren Schauergeschichten vom „Faktor X" sehr vielschichtig, was ich anschließend noch andeuten muß, vielschichtig wie auch die erlernten oder zu erlernenden Kriterien realer Selbst- wie Wirklichkeitseinschätzung, was Prauss oben mit „ „tatsächlich, faktisch, kontingent, empirisch und objektiv" umschreibt, dennoch ist es, wie ich meine, jener unreflektierte animistische Brei, der nicht nur die Faszination jener Märchen ausmacht, sondern in allen Nationalismen Folge eines neuen Weltbewußtseins ist.
| Was sich dabei vereinfacht bei beiden Koordinaten quasi als Konkurrenten
entgegen zu stehen scheint, wie ich sie im Diagramm vereinfacht darstelle,
sind also im konfusen Selbstverständnis wie das Möbiusband ineinander
und übereinander verlaufende unterschiedliche und dennoch voneinander
abhängige Dinge oder Denkweisen oder Dispositionen.
Dieser mit dem Nationalismus wiederum objektivierte jeweils subjektive animistische Brei innerhalb dessen, was wir als gemeinsame Lebensform oder als Modus von Lebens- und Arterhalt Kultur nennen, und was als |
Þ Der angeborene Lebensdrang als natürliches Sentiment.Das selbstverständliche Selbstverständnis, das was Prauss „tatsächlich, faktisch, kontingent, empirisch und objektiv" nennt, woran wir uns im Alltag lebenspraktisch orientieren, und das in jeder Nation und dort in jeder Gesellschaftsschicht und auch in jeder Region den eigenen habituellen Akzent hat, so daß man z.B. in einem Dorf in Niedersachsen den „Fremden", der oft nur 20 km entfernt wohnt, an Sprache, Körperhaltung und Reaktion sofort erkennt, darf man deswegen auch nicht verwechseln mit der programmatischen, offiziellen und als objektiv definierten monarchischen, faschistischen oder demokratischen Gesellschaftsordnung und Verfassung.
Þ Patriotismus als animistisch-persönliches Verhältnis wie oben beschrieben.
Þ Patriotismus im Gerangel als eigene Gültigkeit.
Þ Patriotismus im Gerangel als Veranlagung und Abgrenzung.
Þ Patriotismus im Gerangel als Delegieren von Verantwortung und als delegierte Verantwortung.
Und es ist gerade das Selbstverständliche des Subjektiven, weswegen
weder Aristoteles noch Newton und Kant und leider auch Marx und Lenin von
dem ganz offensichtlich ja Subjektiven des Einwandes von Zenon gegen die
Verläßlichkeit unserer Logik verunsichert wurden, die wir als
zusätzliche Dimension bei der Konstruktion einer Möbiusschleife
benutzen, wie auch bei dieser Konstruktion eines Koordinatensystems, das
in allem eher nur wie ein Beweis gegen sich selbst funktioniert.
Die Problematik unseres Koordinatensystems von „Subjekt und Objekt",
dessen Kategorien aber real das Denken des Abendlandes seit Beginn bis
heute bestimmt, bestünde also theoretisch darin, daß wir alles,
was wir über das Subjekt aussagen können, zugleich als Objektives
vom Subjekt abziehen müßten, wie es Descartes (1596-1650) wohl
als erster explizit mit der Ausklammerung aller Attribute bis zum letzten
konsekutiven cogito auch durchführte, während es implizit von
Beginn des abendländischen Denkens an schon immer geschah.
Anfang
In der Entwicklungsgeschichte des menschlichen
Selbstverständnisses hat sich nach meiner Überzeugung mit der
und durch die Christianisierung etwas Grundsätzliches in der Akzentuierung
verändert, das wahrscheinlich zuerst durch die Selbstverständlichkeit
der Kirchenlehre und dann durch die Konfrontation mit ihr übersehen
wird, was ich in meinem bereits angeführten Brief an Rudolf Augstein
auch nachzuweisen versuche (siehe „www.jesus-und-kirche.de" 3. Teil.),
und was sicher sehr kompliziert ist und graphisch dargestellt etwa so aussähe:
daß also das Subjekt nicht mehr vom Objektiven, von der Welt
und dem Weltlichen und von der Repräsentation her gesehen und beurteilt
wird, sondern umgekehrt und bekehrt das Objektive vom Subjekt und vom Schöpfer
her. Künstlerisch oder bildlich gesehen wird das Kreuz von der Waagerechten
in die Senkrechte aufgerichtet, wodurch sich erst diese Koordinaten voneinander
als grundsätzlich verschiedenes auch unterscheiden lassen.
Die grundsätzliche Veränderung, Bekehrung, Wiedergeburt,
Vergöttlichung (Joh. 10;34) aber auch Weltsicht, Weltanschauung, bedeutet,
daß vorher der Mensch von seiner Repräsentation aus verstanden
und bejaht wurde und nun die Selbstrepräsentation wie auch die Welt
vom Selbstverständnis aus beurteilt und gemessen wird. Es ist als
Veränderung ein Hochseilakt quasi ohne empirisches Netz und ohne empirisches
Seil.
Als Vergleich kann man dazu den Idealstaat von Plato anführen,
in dem der Mensch von der Repräsentation zum Selbstverständnis
gelangt, bzw. gelangen sollte, was nur eine Katastrophe - schlimmer als
jeder Faschismus - geworden wäre und werden würde, wogegen bereits
im Gottesstaat von Augustinus, aber auch als das Grundkonzept jeder modernen
Demokratie - und zwar selbstverständlich - das Gegenkonzept angestrebt
wird, in dem die Selbstrepräsentation bzw. die Selbstverwirklichung
vom Selbstverständnis ausgeht.
Der deutsche Faschismus war der Form nach ganz sicher ein Rückfall,
wie jeder Faschismus ein Rückfall bedeutet, was aber ganz unvermeidlich
zur Katastrophe im Handeln und zur Lächerlichkeit und Unglaubwürdigkeit
in der Selbstdarstellung führen muß. Mit einfachen Worten heißt
dies, daß man von Landesgrenzen, von Sprache, Reichtum/Armut, von
Religion und Kultur als „objektive Realität" auf sich und andere,
d.h. auf den Menschen und auf ein Selbstverständnis kommt, und nicht
umgekehrt.
Diese Veränderung als Entwicklung des Abendlandes geschah nicht
programmatisch. Vom Glauben her sahen Augustinus und Thomas Plato und Aristoteles
quasi nur spiegelverkehrt, wobei die Grammatik, die Logik und auch der
Mensch in seiner möglichen Gutheit bzw. Verschlagenheit von Subjekt
zu Objekt unverändert blieb und wobei diese Entwicklung von jedem
Individuum nachvollzogen werden muß.
D.h. bis zum Ende der Scholastik ist solches Selbstverständnis
als Urteilskriterium für Richtig und Falsch der Selbstdarstellung
durchaus religiös-mystisch als und in der oder durch die Person Jesu
bzw. als Christ derart, daß auch Pythagoras, Plato und Aristoteles
so gelesen wurden, als hätten auch jene vom Selbstverständnis
her über Gott und die Welt ausgesagt. Erst im 18 Jahrhundert wird
auch quasi grammatisch und programmatisch das Objekt - statt von der naiven
Dingverfallenheit aus, sondern grundsätzlich die Bedeutung des Objekts
auch für das Subjekt erkannt.
In der Tat ist die Fähigkeit des Subjekts, etwas zu objektivieren,
nämlich ein Objekt als Nichtich überhaupt wahrzunehmen, eine
gewaltige Leistung der Natur, wodurch eben nicht nur das Bewußtsein
von einem Selbst als ein Nichtding und Nichtobjekt möglich wurde,
wie es Prauss einsichtig nachweist, sondern womit das Subjekt als Möglichkeit
wie „Gegenstand" auch der Selbsterkenntnis und der Selbstverantwortung
überhaupt erst besteht. Aber wie die Verknüpfung des Möbiusbandes
und die Aufrichtung des Koordinatensystems zu einer Horizontalen und Vertikalen
nur in der zusätzlichen 3. Dimension des Raumes geschehen kann, was
wir nur als Hilfsbild für das Verhältnis von Subjekt und Objekt
benutzen, so war und ist eine Umorientierung des Selbstverständnisses
als Blick und Urteil vom Subjekt auf das Objekt und auf die objektive Selbstdarstellung
des Menschen - statt umgekehrt - nur über die zusätzliche Dimension
des Göttlichen möglich.
Und wenn als Einwand ein Atheist eine solche höhere Dimension
als eine göttliche auch ablehnen kann, so kann er behelfsmäßig
von einer ethischen ausgehen. Natürlich begegnet mit der allgemeinen
Christianisierung oder Islamisierung wieder die ganz „natürliche"
Struktur von Allgemeinheiten, wie wir sie in Sprache, Sippe, Volk, in allen
Religionen und Nationen vor und nach Christi samt allen Schichten und Verschlagenheiten
antreffen. Aber wie schon Paulus in der 1. Generation nach Christi Geburt
die grundsätzliche Veränderung zur „natürlichen" Religiösität
und dem „natürlichen" Animismus wie in Römer 1;V.25 reflektiert
und damit selbst noch das ethische Gewissen solcher Umorientierung der
Denkdisposition unterordnet, wenn er feststellt, daß es gilt, nicht
mehr die Geschöpfe des Schöpfers sondern den Schöpfer anzubeten,
dann meint er nicht den logisch gefolgerten Urbeweger oder Demiurgen, sondern
ein eigenes neues Verhältnis zur Welt und auch zur Präsentation
und zum Tun des Menschen und zwar eben vom Subjekt, von Jesus, vom Christsein
vom Glauben her. Man kann Jesus als zufällige Erscheinung zur rechten
Zeit und zur rechten Situation mit der richtigen Richtung für ein
bestehendes allgemeines Bedürfnis als zufälliges Medium einer
neuen Religion abtun und selbst die Verbreitung, die offizielle Christianisierung
mit staatlichen Verordnungen und gewaltsamen Bekehrungen begründen,
dennoch installiert sich mit ihr diese neue Disposition, in der allerdings
das Subjekt zwar das Ziel der Botschaft aber selbst eben nicht Programm
und Objekt sein kann.
Aber auch, wenn man bestreiten will, daß solcher Dispositions-
oder Paradigmenwechsel ein Thema von Ethik und Gewissen war, sondern daß
es dabei nur um einen regelrechten Kungel oder ein Geschäft ging,
und zwar um die Lieferung von gutem Verhalten im Diesseits gegen Lohn und
Vergütung im Jenseits, wobei vor 2000 Jahren der Glaube an die Existenz
des Außer- und Übersinnlichen auch jenseits des Todes ganz selbstverständlich
war, dann war und ist und bedeutet die Aufrichtung, bzw. das Neue des Glaubens
dennoch eine Wendung, die über das Empirisch-Objektive des Alltags
hinausgeht und es einerseits mit dem Jenseits, dem Übersinnlichen
oder Transzendenten unlösbar verquickt und den Menschen in seiner
Wertungsdisposition auf das Subjektive selbst des rein Gedanklichlichen
und der Absichtlichkeit zurückwirft. Dabei beruht der christliche
Glaube keineswegs auf eine vorhandene reine Lehre. Selbst diese verkürzte
Christologie als Analyse geht ja bereits wieder vom objektiven Geschehen
am Menschen oder in der Gesellschaft aus und könnte bestenfalls eine
Christlehre sein, die mehr oder weniger verneint oder dogmatisiert werden
müßte, aber nicht zum Christsein führen könnte. Natürlich
ist weder das Subjekt noch Gott die rechnerische oder logische Unendlichkeit
in einem Koordinatensystem.. Das reale Geschehen einer menschlichen Situation
kann auch nicht innerhalb des Koordinatensystems liegen. Im Gegenteil
ist Christsein ein genau davon befreites Menschsein und ist grundsätzlich
persönliche Erfahrung, wenn auch deren Erkenntnis, Mitteilung
und Formulierung in der jeweiligen Zeit und im jeweiligen Kontext von objektiver
wie subjektiver Zuordnung stattfindet. Und natürlich ist diese eine
für unsere Analyse recht zweckmäßige und deswegen verkürzte
Sicht des christlichen Glaubens, mit der solche Wendung der Sichtweise
zugleich als jederzeit erlebter Wissensvorsprung nachvollziehbar werden
soll, der weniger im Sinn von neuer Information über den Menschen
empfunden wurde und schon gar nicht vergleichbar wäre mit heutigen
Informationen aus Wissenschaft und Forschung, sondern ist praktisch nur
die Aufforderung zu einer immer und in jedem Augenblick möglichen
und notwendigen Wende oder Besinnung, womit sich zugleich das Gefühl
von neuer Kompetenz, Allwissenheit und sogar Allmächtigkeit wie zugleich
die Erkenntnis von entsprechend weitgehender Unzulänglichkeit, Unsauberkeit
und Schuld verbindet, - eben weil verantwortlich seit Kain - selbst für
das Geschehen während der Kreuzzüge und der Inquisition, was
nur von einem eben auch eigenen Selbstverständnis heraus zu verstehen
ist.
Erst von dieser grundsätzlichen Position als Selbstverständnis
oder Erfahrung aus aber kann nun das diesseitige, empirische, von jeder
animistischen, jenseitigen Eigenbedeutung gereinige Objekt innerhalb einer
sicher beschämend langsamen Entwicklung einerseits Gegenstand von
Wissenschaft werden, andererseits aber zunehmend selbst als subjektives
Konstrukt unserer Erkenntnis entlarft werden, womit spätestens seit
Kant ein noumenaisches, ganz unreligiöses Jenseits auch für den
Wissenschaftler selbstverständlich wird, das jedoch zu unserer Wahrnehmung
eine für Berechnungen weitgehend stabile und keineswegs spiritistische
oder mystische Relation besitzt, die zu formulieren sowohl Wissenschaft
wie zugleich Selbsterkenntnis ist.
Dieses Noumena, das praktisch nur dem empirisch Wahrnehmbaren, bzw.
Meß- oder mathematisch Berechenbaren zugewiesen wird, und zwar wissenschaftlich-philophisch,
in dem nach Einstein „Gott nicht würfelt" und auch keinen freien Willen
hat oder benutzt, kann oder muß sogar- und zwar als operationale
Arbeitsdisposition - ignoriert werden, und es ist nicht mehr - oder nur
bedingt - mit dem spekulativen Noumena Platos vergleichbar, das jener mit
seinem Höhlenbeispiel umschreibt. (Bei Plato ist allerdings jener
Entwurf eines Jenseits nur ein mehr zufälliges Beispiel, das er benötigt,
um das Verhalten der Menschen zu illustrieren.) Als existentiale Aussage
wäre diese Disposition allerdings Dingverfallenheit und Empirismus
und eine neue Form von Animismus, wie sie Prauss nachweist.
Im wesentlichen wird dabei jener Zusammenhang von sozialer Allgemeinheit,
bzw. von allgemeiner Übereinstimmung in der Wahrnehmung mit der extensiven
Allgemeinheit aller Dinge und aller möglichen Welten übersehen.
Dies ist eine in der Tat ärgerliche und mehr als studentische,
nämlich modische Entgleisung von aufgeblähter sog. Aufklärung,
mit der das Subjekt in dreifacher Weise diskriminiert und sogar verneint
wird: zum ersten wird damit auch dem Subjekt der freie Wille und zum anderen
die Kompetenz individueller Erfahrung und Meinung abgesprochen.
Und letztlich ist die peinliche Erfahrung, die wohl jeder machen muß,
der sich fürsorglich mit Assozialen beschäftigt, ein gutes Beispiel
auch für das Gerangel im Wissenschaftsbetrieb, daß nämlich
ein Strauchdieb denjenigen regelrecht "als Dorftrottel" verachtet, der
ihn ernst nimmt und zwar, weil er ihn ernst nimmt, was in den Augen des
Strauchdiebes nur ein Zeichen von Unwissenheit, Dummheit oder Verschrobenheit
sein kann, weil er sich selbst für unwert hält, und worin jener
nun seine Chance sieht, den Fürsorger zu übervorteilen, zu betrügen.
Und genau in diesem Sinne gilt es hier das Sentiment im Vereins-, National- oder Konfessionspatriotismus als etwas zu verstehen, das sowohl durch etwas passiv mit dem Menschen wie auch als etwas aktiv durch das Subjekt und 3, in einer bestimmten Weise geschieht, wenn z.B. der Franzose für diese und der Deutsche für jene Mannschaft empfindet. Ich habe dazu 9 verschiedene Icons entworfen, von denen wir uns jeweils das Passende aussuchen können.
Vielleicht wird es Prauss noch gelingen, auch logisch-synthetisch bis
zu solchen komplexen Strukturen oder „Situationen" des Menschen oder der
Subjektivität vorzudringen.
Aber wir können uns als Hilfsvorstellung, und ich hoffe mit etwas
Humor, einmal denken, daß es der Physiologie gelingen würde,
ein bestimmtes Hormon ähnlich dem Adrenalin zu finden, das zu solchen
Gelegenheiten im Hirn oder Rückenmark erzeugt wird und dann in unserem
Blut kreist. Mit genau solchen Vorstellungen, daß man dieses dann
sogar künstlich herstellen und damit sogar Patriotismus evtl. medizinisch
verabreichen könne, wie man früher vor schwierigen Schlachten
kräftig Alkohol verabreichte, um den Todesmut der Soldaten zu steigern,
fragt sich natürlich, wie wir es versuchsweise als theoretische Denkhilfe
einmal annehmen können, ob es dann für jeden der tausend möglichen
Parteien ein je besonderes Hormon gäbe, d.h. für die Deutschen
ein deutsches, für die Franzosen ein französisches Frankreichhormon,
für die Kosovo-Albaner ein Kosovo-Albaner-Hormon; für die Protestanten
ein protestantisches und die Katholiken ein katholisches, und für
Hertha BSC ein Berliner und für den HSV ein Hamburger Hormon usw.,
oder ob es bei allen eher wahrscheinlich das gleiche Patriotismushormon
wäre, das, wie bei Hunden mit dem Zugehörigkeitsgefühl -
zu wem auch immer - , nur die jeweilig zufällige, durch Geburt, Erziehung
oder Wohnort gegebene genetische, geographische oder theologische Zugehörigkeit
emotional verknüpft, verstärkt oder determiniert.
Um zu verdeutlichen, daß wir es zwar vielleicht bei jenem Hormon
nur mit einer theoretischen Denkhypothese zu tun haben, nicht aber bei
jenem Gefühl, sollten wir uns vergegenwärtigen, daß bei
und mit Olympiaden, bei und mit Fußballweltmeisterschaften und auch
bei Kriegen ganz abseits vom eigentlichen Geschehen auf dem Sport- oder
Kriegsplatz viele Millionen und vielleicht Milliarden Dollars umgesetzt
werden, die weder die Krieger noch die Fußballspieler noch die begeisterten
Fernsehzuschauer bekommen, die also auch nicht gekauft oder bestochen sind,
für die die Veranstaltung sogar mehr als nur ein unterhaltendes Fest,
sondern ein regelrechtes Bedürfnis ist, wobei sich aber die Millionen
und Milliarden durch die objektive Realität und Berechenbarkeit des
Gefühls dann in Form von Zuschauer- und Einschaltquoten und von kalkulierbarem
Konsumverhalten ergeben. Es sind Kräfte, mit denen seit je Geld verdient
und Politik gemacht wird, aus denen Kulturen und Religionen bestehen, wie
ich noch nachweisen will, und mit denen Sonntagsredner Vergnügen bereiten
und Demagogen jonglieren und Unheil anrichten können, wenn sich die
Betroffenen dessen nicht rechtzeitig bewußt werden.
Was Konrad Lorenz, (geb. 1903) bei jungen Graugänsen mit Experimenten
dieser Art ermittelte, wäre also einerseits etwas biologisch Objektives
und unterläge als Gefühl für eine bestimmte Nation, Konfession,
Religion oder Fußballmannschaft dann gar nicht subjektiver menschlicher
Entscheidung und Verantwortung, weil sich die Zugehörigkeit durch
Geburt, Erziehung oder Wohnort ergibt. In den Kontinentalkriegen hätten
danach dann Franzosen für Frankreich und Deutsche für Deutschland
sterben müssen, wenn Krieg war.
Allerdings unterlag andererseits die Entscheidung, ob Krieg oder ob
man mit dem jeweiligen Patriotismus friedlich nebeneinander leben wollte,
der durchaus subjektiven Ansicht und Verantwortung der ehemaligen Potentaten
oder der später demokratisch gewählten Präsidenten.
Also auch mit einer solchen einfachen Definition von Patriotismus wäre
das Problem nicht einfach. Das Schwierige daran ist, wie schon gesagt,
das Selbstverständliche am selbstverständlichen Selbstverständnis
eines braven und treuen Patrioten.
Daß man aber braven Patriotismus, falschen Fanatismus und die
problematische Voreingenommenheit auch ohne Tabletten, Hormone und Alkohol
bereits durch geschickte Agitation, Propaganda, Rhetorik und Regie erzeugen
oder steigern kann, und daß danach die „Agitierten" zu Sinn und Unsinn,
zum Guten wie zu Unmenschlichkeiten bereit sind, zeigt die Geschichte und
zeigen einschlägige Experimente.
Wenn man aber auch dabei weiter von der Existenz irgend eines Hormons
als Erzeuger des Gefühls oder von sonst einer Eigenschaft unseres
Nervenkonstüms ausgehen will, das dann so ähnlich wie ein Sexualhormon
im Körper durch erotische Erzählungen oder Bilder angeregt, erzeugt
oder gesteigert werden kann, dann gehört es jedenfalls teilweise zu
den relativ objektiven Attributen des Menschen.
Eine weitere ähnliche Objektivität als scheinbar eigene Schicht
in diesem patriotischen Selbstverständnis eines modernen Demokraten
ist gerade wegen der Selbstverständlichkeit nicht weniger problematisch.
Es ist das Land oder die Stadt, auf das oder auf die ich stolz bin. So
sehr auch das Vaterland oder die Heimat bei der Objektivierung hypostasiert,
d.h. fast animistisch verpersönlicht und zum Subjekt, Übermensch
oder zu einer Art Gott gemacht und als solches vielleicht empfunden wird,
so lassen sich Grenzen und Lage ja doch objektiv abstecken. "Für dieses
Land, für diese Stadt, für diese Fußballmannschaft schlägt
mein Herz", sagt man.
Interessant und aufschlußreich und als Einsicht für den
Frieden kommender Jahrhunderte wohl die Voraussetzung ist nun der Vergleich
des nationalen mit dem konfessionellen bzw. religiösen Patriotismus.
Bei Letzterem scheint gerade durch den Patriotismus so etwas wie eine Versachlichung
und Verdinglichung des eigentlich Geistigen oder Göttlichen zu geschehen,
wenn wir patriotisch vom Protestantismus, Katholizismus oder vom Islam
sprechen, wobei die geographische Ausbreitung zwar ganz sicher auch eine
Rolle spielt, was aber im wesentlichen durch eine Funktion des Gemeinsamen
der Lehre und Organisation eine quasi objektive Realität bekommt,
die auch bei der Funktion der Sprache, ganz gleichgültig welcher Sprache
- wenn nur „meiner" Sprache, so auch „meiner Konfession",
„meiner
Religion" eine fundamentale Rolle spielt, wie ich auch von meiner Nation,
meiner Heimat, meiner Kultur usw. - aber auch von meinem Körper wie
von einem objektiven Gegenstand spreche.
Deutlich wird die Denkproblematik beim Selbstverständnis, (also
dabei, das Subjekt und Subjektive aufzuspüren,) am einfachsten und
neutralsten am Beispiel der Sprache, wenn ich mir die Kontradiktionen
„Sprache besteht durch Sprechen." Und „Sprechen besteht durch Sprache."
Um dieses nochmals zu verdeutlichen und als Denkproblem darzustellen können wir uns das Verhältnis von Rang und Uniform im Militär vorstellen, wobei ich ehrlicher und noirmaler Weise über den Rang zu einer richtigen Uniform gelange und nicht umgekehrt, so daß in unserem Thema ein richtiges und ehrliches und damit auch realistisches Verhalten als Selbstrepräsentation vom wahren subjektiven Selbst und vom wahren subjektiven Selbstverständnis her entsteht, statt daß umgekehrt mein wahres, subjektives Selbst als Verantwortlichkeit von den „objektiven" äußeren Umständen, von Hormonen, Nationalgrenzen, Konfessionen, Sprache und Kultur bestimmt wird. Ich kann weder als Christ noch als Individuum einer modernen Demokratie die Verantwortung für z.B. Tötungen und Verbrechen, die ich begehe, einem Hormon oder einer objektiven Sprache, Nation, Konfession, Religion oder Kultur zuordnen oder zuschieben , - selbst wenn ich dann im Alltag oft umgekehrt mein Selbstvertrauen und Selbstverständnis von der objektivierten Selbstdarstellung, also von der Uniform, von dem Ritus religiöser Tätigkeit und Gemeinsamkeit, vom jeweiligen Wohnort, von objektiven Grenzen usw. gewinne - und nur mühsam und sogar widerwillig und erst über eine oft nur heimlich vollzogene Selbstbesinnung und Reflexion zu einem normalen Verhältnis zu mir selbst zurück finde..
(ab hier in Schicht1 neu formuliert)
Es gilt als Christ, Moslem, Buddhist, Hindu und als Mensch in einer
modernen Demokratie oder Staatsform als Angehöriger oder Nichtangehöriger
der einen oder anderen Nation oder Religion immer zu einem normalen Verhältnis
zum eigenen Selbstverständnis zurückzufinden.
Denn auch wenn es ein solches Patriotismushormon, Enzym oder ein Patriotismusgen
gäbe und selbst wir es mit einer objektiven physischen Eigenschaft
des Menschen zu tun hätten, - was ja anzunehmnen ist - , so gibt es
im Unterschied zum dressierbaren Tier beim Menschen jedoch auch diese subjektive
Seite, die zumindest in der Verantwortlichkeit für das eigene Tun
besteht, - in welchem Namen, unter welchem Befehl und unter welcher Flagge
und Religion auch immer solch ein Eifer zu einer unverantwortlichen Selbstvergessenheit
führt, was Unmenschlichkeit nun mal ist.
Zu diesem Selbst, das dabei vergessen wird und zu solchen Unmenschlichkeiten
vergangener Jahrhunderte führte, gehören, wie wir noch sehen
müssen, noch weitere Schichten, und wir wissen, daß es diese
quasi objektive Berechenbarkeit des Wahnsinns war und ist, die auch zu
den nicht minder unmenschlichen Gegenreaktionen führte, so daß
in diesem Teufelskreis auch oft nicht mehr auszumachen ist, was Aktion
oder Reaktion war, wobei man die Schuld gewöhnlich zurecht oder unrecht
dem Unterlegenen zuschob und den Sieger rechtfertigte, bis der Unterlegene
seine Chance wahrnahm, auf die er im Gefühl von Unrecht oder Unterlegenheit
lauerte, den Spieß umzudrehen.
Natürlich begann dieses nicht erst mit dem europäischen Kolonialismus
und den Gegenbewegungen.
Es ist keine Frage, und es ist mit jeder der bestehenden großen
Religionen auch zu belegen, daß der Mensch auch für die Schuld
aus solcher Dummheit und Selbstvergessenheit verantwortlich ist, und erst
recht natürlich, soweit solche Schuld einsehbar ist. Es ist nur Blasphemie
anzunehmen, daß Gott solchen gegenseitigen Terror wolle und gutheiße,
und geschehe er auch auf beiden Seiten in Gottes Namen.
Wie man solchen Wahnsinn beendet und überwindet, wobei die Einsicht
des Wahnsinns zur Entwicklung und Emanzipation des Menschen gehört,
kann in meinem kurzen Statement endgültig, und zwar als eine Selbstverständlichkeit
erst deutlich werden, wenn wir neben den weiteren Schichten unseres Selbstverständnisses
auch diese objektive wie subjektive Abhängigkeit des Menschen vom
Gemeinsamen und Allgemeinen bei Namen genannt haben.
Angesichts der Eskalation der Gewalt in Israel und Palästina heute,
sei hier vorweggenommen, daß in den Religionen Sinn und Zweck von
Meditation und Gebet weit über das hinausgeht, was wir täglich
als Selbstbesinnung und Selbstreflexion benötigen, um Mensch statt
Unmensch zu sein
Dennoch wäre es ganz weltfremd und wäre nur ein Zeichen mangelnder
Selbsterkenntnis im Selbstverständnis, wollte man die Wechselwirkung
zwischen diesen beiden „objektiven" Gefühlskriterien, also dem, was
wir „Hormon" nannten und dem, was sich als geographische, soziale und genetische
Zuordnung objektivierte, einerseits, und dem selbstverständlichen
Selbstverständnis andererseits leugnen; daß also z.B., wie im
Militär vielleicht am deutlichsten, ein Mensch durch sein Auftreten,
sein Selbstbewußtsein, sein Vermögen und seine Fähigkeiten
zu einem Rang und dadurch zu einer Offiziersuniform kommt, wonach andererseits
umgekehrt Rang und Uniform auch das Auftreten, das Selbstbewußtsein
und sogar Vermögen und Fähigkeit beeinflußt. Ich denke,
solche Einsicht dürfte im 21. Jahrhundert Allgemeingut sein. Übersehen
wird jedoch weithin, weil etwas schwieriger zu denken, die mehrfache Relation
dessen, was hier als Rang bezeichnet ist. Ich will es mal allgemeiner als
Gültigkeit bezeichnen, die man einerseits innerhalb der eigenen Gemeinschaft,
und als Mitglied einer solchen mit dieser Gemeinschaft andererseits heute
in der Weltgemeinschaft hat. Dieses Gefühl von Rang und Gültigkeit,
das wir bereits auf den beiden Ebenen oben regelrecht objektivieren konnten,
sollte man deswegen keineswegs nur als Schwäche oder als lächerliche
Eitelkeit sehen, - wozu man neigt, wenn man „selbst sicher" ist, und einen
festen oder sogar höheren Rang, d.h. eine höhere Gültigkeit
zu besitzen glaubt, wozu der Europäer noch immer neigt. Denn genau
dann übersieht man leicht, in welcher Art und Weise und in welcher
in der Tat oft lächerlichen bis unmenschlichen Art und Weise man selbst
dabei seinen eigenen Rang- bzw. Gültigkeitsvorsprung behauptet und
verteidigt, was man dem jeweiligen Gegenspieler als lächerlich bis
unmenschlich ankreidet und verwehren möchte. Diese Art und Weise im
Bereich der sog. objektiven Kriterien, in dem wir immer auch von den objektiven
Kriterien her zu einem Selbstverständnis kommen, funktioniert bis
heute und regelt in der Tat - und zwar bis heute leider wohl noch immer
unverzichtbar - auch die zivilisierte Gemeinschaft auch unserer Gegenwart
nach solchen „objektiven" darwinistischen und als empirisch d.h. als realistisch
gedachten Regeln der Hackordnung auf dem Hühnerhof, die alle - ob
in der Familie, ob einer Firma oder ob in Verwaltung oder Staat - eine
faschistoide Komponente enthalten. Es wäre ganz weltfremd, solches
zu bestreiten, ob man dies nun als gesunden Ehrgeiz im Konkurrenzkampf
bezeichnet, als Charisma oder als Führungsqualität.
Ich denke, daß genau hierzu das weltweite Fernsehen, so schlecht
es auch sein möge, einen entscheidenen und wertvollen Beitrag zur
allgemeinen Entwicklung und Abstimmung zivilisierten Verhaltens dabei und
damit zu einer globalen Sozialisation leistet, in der Unfairneß und
Unmenschlichkeit nicht mehr als klug, großartig und Zeichen der Überlegenheit,
sondern als Makel, häßlich und minderwertig dargestellt und
empfunden wird.
Es sind dort gerade die oft primitiv und holzschnitzartig herausgearbeiteten
Standartsituationen, an denen man das Verhalten anderer in dem Affenstall
des alltäglichen Gerangels durchschaut und sich zugleich entsprechend
auch in der eigenen Lächerlichkeit durchschaut weiß, wobei das
gemeinsame Bedürfnis, aus solcher Lächerlichkeit herauszukommen,
zu einem Emanzipationsmotor wird.
Ich denke hier dabei weniger an die formalen alten oft lächerlichen
Insignien, Orden und Kleider- wie Verhaltensregeln, wodurch geregelt wird,
wer sich nach einem bereits entschiedenen Gerangel vor dem anderen auf
die Knie und in den Staub zu beugen hatte, was erst in der vierten Schicht
Thema sein soll, sondern an die innere Selbsterniedrigung des Verlierers.
So stellte sich die Theologie in den abrahamäischen Religionen vor
tausend Jahren Gott als den Sieger in diesem Affenstall auch als entsprechend
protzig vor, wie man Gott in einem eigentlich der liebsten und schönsten
Dichtungen der Bibel als eitlen und heute lächerlichen Protz beschrieben
findet, der bereits deswegen recht hat, weil er donnern und blitzen und
Ungeheuer kreieren kann (Kap. 38). So stellte sich der Mensch früherer
Zeit auch göttliche Großartigkeit als reinen Despotismus vor.
Und so gilt es, - und das dürfte heute ebenfalls und dennoch der
Standart eines zivilisierten Verhaltens sein, - daß man in dem alltäglichen
Gerangel zwischen Menschen und ihren Rängen, zwischen Dörfern,
Städten, Ländern, Rassen, Konfessionen und Religionen, was eben
immer auch eine objektive, wenn auch zufällige Zugehörigkeit
beinhaltet, wo immer jene Wertestruktur in solcher Korrelation eines ständigen
Wechsels das Urteilen und Beurteiltwerden und ein entsprechendes auch patriotisches
Verhalten bestimmt, das auch auf diesen „objektiven" Fakten beruht, wie
Kleidung, Rang, Geld, Macht, Ansehen usw., wie es nun mal zur menschlichen
Natur gehört, daß man also als zivilisierter Mensch - wenn schon
nicht als Christ oder Moslem - dennoch ganz selbstverständlich auch
dieses Treiben vom subjektiven Selbstverständnis und von subjektiver
Verantwortlichkeit her versteht, daß man in diesem noch unvermeidlichen
Gerangel auch zu diesem Gerangel einen ethischen Abstand behält und
z.B. nicht mehr über Leichen geht.
Diese Graphik zeigt mit der Frenquenz nicht mehr nur das Gerangel
selbst, sondern, wie wir in diesem Gerangel, mit dem sich wie auf dem Hühnerhof
und wie im Affenstall die Hack- und Rangordnung im Alltag regelt, auch
regelrecht ein- und untergehen können, und daß diese notwendige
und mögliche Distanz zu sich, d.h. der Blick vom reinen Selbstverständnis
aus zu dem sich in der Selbstdarstellung verlierenden Selbstverständnis
ein übergeordnetes Selbstverständnis erfordert und daß
dies möglich ist und als Zivilisiertheit und menschliche Qualität
zum weltweiten Standard gehört.
Ob wir hierzu Meditation oder Gebet oder dabei nur die gelegentliche
einfache Besinnung benutzen, nämlich auf das, was wir tun und von
uns denken, bleibt jedem überlassen.
Das Übernationale und selbst Über- oder Außerreligiöse
solcher modernen Sozialisation kann man sich daran vergegenwärtigen,
daß z.B. die ethische Grundhaltung Jesu wie auch die von Gandhi,
Martin Luther King oder Mandela ganz unabhängig von jeder Theologie
durchaus von allen großen Religionen in allen Regionen und von der
Allgemeinheit der Welt als Sozialisationsbestandteil akzeptiert ist, womit
im Falle Jesu zwar die Exklusivität zu den christlichen Religionen
und Konfessionen oder im Falle Gandhis die zu den hinduistischen relativiert
und vielleicht geschmälert wird oder für das jeweils private
Denken sogar aufgehoben ist, nicht aber deren ethische Gültigkeit
und Allgemeingültigkeit als Orientierungsnorm.
Diese bewußt damit kontrastierende drastische und negative Beschreibung
des Gerangels als Kampf im Affenstall um den jeweiligen Rang oder auf dem
Hühnerhof um die jeweilige Hackordnung wähle ich mit Absicht
als Unterscheidung von obigem, um die empirische, objektive, quasi angeborene
Natürlichkeit als Gegensatz zu dem eigentlich verantwortlichen Subjekt
Mensch zu unterstreichen, das wir ja herausfinden wollen.
Ob Hormon oder natürliche Veranlagung, von beidem könnten
wir natürlich niemals Verantwortung einklagen, und beides könnte
niemals Verantwortung übernehmen, während wir vom Subjekt erwarten
müssen, daß es - im Gegensatz zum Tier - auch für dies
ganz Natürliche seines Verhaltens die Verantwortung übernimmt.
Alles andere wäre gerade in solchem „natürlichen" Aufgehen oder
Untergehen, sei es im Beruf, in der Politik, in der Partei oder im Militär,
sei es in nationaler, konfessioneller oder religiöser Parteinahme
beim Menschen nichts anderes als Realitätsverlust im Sinne von „tatsächlich,
faktisch, kontingent, empirisch und objektiv" als soziale Isolierung und
Selbstverlust, und eben offensichtlich asozial und verantwortungslos, sei
es eine Parteinahme für eine Partei, Religion oder für Gott.
In der Natur wie beim Menschen findet seit je und bis heute in diesem
und durch dieses Gerangel auch die Kompetenzauswahl im Sinne von Qualifizierung
und Qualitätskriterien also nach den obigen drei Kriterien oder Schichten
statt, worauf es sich dabei immer zu besinnen gilt:
1. wie oben umschrieben mit der Vorstellung einer geradezu animistisch hypostasierten Bedeutung von Amt und Würden,als gesellschaftlicher bzw. beruflicher Kampf oder gesellschaftliches bzw. berufliches Gerangel, wobei sich auch recht „natürlich und objektiv" Fähigkeit von Unfähigkeit zu einer Position herausstellt: eine Führerpersönlichkeit kommt auf einen Führerposten und der loyale Funktionär auf einen Funktionärsposten.
2. durch jenes Sentiment - als Ehrgeiz oder Strebsamkeit und
3. mit diesem meist funktional als Loyalität verstehbaren Sprach-, Gemeinschafts-, Betriebs-, Nations-, Konfessions- oder auch Religionspatriotismus
Es sind nicht nur die westlichen Sextouristen jeder Art, die derart Aids in der Welt verbreitet haben, sondern auch die familienfeindlichen Sexideologen jeder Sexart und jeden Geschlechts, die derart als Prediger der „Natur" des Menschen statt der Vernunft und Verantwortung des Menschen schon mehr Männer, Frauen und Kinder auf ihrem Gewissen haben, als Hitler in seinem Wahn, mehr als alle Kreuzzüge und Hexenverbrennungen, - wenn im Unterschied zum Faschismus auch ungewollt, dennoch unendlich viel grausamer, was mit einem bedauernden Achselzucken verdrängt wird.
Der Quantensprung an Emanzipation der Menschheit, sowohl ethisch wie im sozialen Gemeinschaftsbewußtsein besteht nicht im Sexerlebnis und auch nicht durch dieses, wie es ganz vordergründig irre Phantasien scheinen lassen wollen. Schon rein physisch hat sich da wenig verändert. Dennoch gilt es zu verstehen, wenn ein uraltes, stolzes Kulturland wie Persien nicht das billige Bordell des reicheren Westens werden will.
Am leichtesten gelingt einem der Blick wieder auf die und damit der Zugang zu den wesentlicheren Kriterien, die unser modernes Bewußtsein bestimmen, dessen wir uns auch innerhalb der Religionen bewußt werden müssen, vor denen die Verwerfungen, die wir in den verschiedenen Variationen von Sexismus, Faschismus, Nationalismus, Rassismus, religiösen Fundamentalismus und rücksichtslosen Kapitalismus wie entmündigenden Sozialismus erleben mußten, als Entgleisungen erscheinen, wenn wir uns unsere kleine und von uns bereits geschädigte Erde von einem Sateliten aus gesehen vorstellen.
Theologisch und ganz menschlich-ehrlich bei der anstehenden analytischen
Selbstbesinnung, die keiner der bestehenden Religionen erspart bleiben
und nicht Verlust des Glaubens bedeuten kann, müssen hier wohl die
Christen vorangehen. Ich denke, daß dazu unendlich wertvolle Vorarbeit
bereits im vorigen Jahrhundert geleistet wurde, was ich hier nur andeuten
kann (Siehe im Internet die Namensliste einschlägiger Autoren am Ende
meines Vortrages). Dabei gilt es den Weg von der Gegenwart zurück
über alle Verwerfungen auch der Vergangenheit bis zum Ursprung unseres
Glaubens einerseits und aller Formen andererseits zurückzuverfolgen
und zu verstehen, die sich im Laufe der Jahrhunderte standartisiert oder
verbegrifflicht haben, d.h. wie müssen uns Jesus ohne künstliche
Verklärung mit unserer Bildung und sozialen Umwelt samt Geschichte
in unserer Gegenwart denken, wobei wir die Wahrscheinlichkeit denken müssen,
daß er weder als Papst oder Bischof, noch als Pfarrer oder angestellter
Religionslehrer sondern überall an jeder beliebigen Stelle eines Menschen
leben würde, woran wir uns die Verwerfungen wie aber auch die Werte
innerhalb unserer christlichen Welt veranschaulichen können und müssen.
Wie schon gesagt, bedeutet solche Vorstellung keineswegs eine Trivialisierung
unseres Glaubens, wenn wir dies im heutigen Bewußtsein einer Legitimität
für jeden und zwar jeweils jeder für sich tun und nicht mit dem
Anspruch einer Autorität für andere. Denn ob im Glauben oder
ob bei dem alltäglichen Gerangel, sei es um Rang, Geld oder Sexualität,
können wir die Verantwortung weder auf jemand oder etwas Formales,
Geschriebenes, Traditionelles oder Regionales, noch auf etwas Genetisches
abladen, noch können wir die Verantwortung von anderen übernehmen
wollen. Selbst wenn wir eine originale schriftliche oder irgendwie akustisch
konservierte Anweisung von Jesus, Buddha oder Mohammed ganz persönlich
geschrieben oder gesprochen vor uns hätten, wäre dort, sehr vereinfacht,
vor unseren Augen oder Ohren quasi empirisch nur Papier und Tinte oder
die Frequenz von Tönen, die immer erst von jedem persönlich in
eigener Kompetenz und Verantwortung gedacht, verstanden und geglaubt werden
müßte, wie es Max Black und Gerold Prauss deutlicher nicht machen
konnten.
Ist dieses nun aber nicht die Vergewaltung jeder Kultur mit einer radikalen
Sense, mit der ich jegliche Verbindlichkeit auch zwischen Menschen verneine,
sei sie schriftlich, mündlich, vertraglich oder eben unvereinbart
selbstverständlich, wie sie zwischen modernen Menschen unserer Zeit
bestehen sollte? Und sind nicht Tora, Bibel und Koran das einzig Gemeinsame
und Verbindliche im jeweiligen religiösen Bereich der Schriftreligionen,
und ist nicht das Landesgesetz und das bürgerliche Gesetz die Grundlage
für eine objektive Gerechtigkeit überhaupt auf der Erde, vor
der jeder gleich ist, und basieren nicht schließlich die international
akzeptierten Menschenrechte als höchste Errungenschaft der Moderne
und als der Menschheit höchster Schutz gegen Willkür und Ungerechtigkeit
auf die Verständlichkeit und Verbindlichkeit schriftlicher Verträge?
Und in der Tat ist es genau dieser Widerspruch, der mit meiner radikalen
Infragestellung des Formalen auch alles Schriftlichen und Gesagten diese
vierte Stufe an notwendiger Reflexion überhaupt erst verständlich
macht.
Und hiermit beginnt auch wieder das Thema moderner Kunst auch zum Thema
einer Emanzipation und Entwicklung aller Zeit der Welt zu werden. Wenn
man unsere Zeit und die Moderne ausschließlich nur als Veränderung
äußerer Formen, Gewohnheiten, Gesetze, Staatsformen, Techniken
und technischer und damit politischer Möglichkeiten sähe, wie
es einfache Gemüter wohl nicht anders können oder wollen, als
wäre mit der Mode von Rockmusik, sexueller Freizügigkeit oder
kurze Röcke zu tragen schon etwas verstanden, ist man bereits dabei,
auch solches ebenso ohne Verstand und Verständnis zu dogmatisieren.
Ebenso kann man Kunstgeschichte nur von den Formen her als die zeitliche
Reihenfolge unterschiedlicher Bilder, Themen und Techniken beschreiben,
wie es jüngst Alan Bowness demonstriert, ohne damit aber die Moderne
und selbst die Veränderungen verstehen und verständlich machen
zu können. Und derart, d.h. ohne die Reflexion auf die Vielschichtigkeit
des menschlichen Bewußtseins, wäre es auch gar nicht möglich,
die eigentlichen Leistungen der Moderne zu verstehen, wozu die moderne
Malerei, Musik und Literatur gehört, wie auch die modernen Demokratien
und die vielen Segnungen der Moderne, wie aber auch die möglichen
Entartungen, Entgleisungen und Verwerfungen, wozu der Faschismus, der darwinistische
Rassismus, Völkermorde, Zerfall der Familien und guten Sitten, neue
Seuchen, der Glaubensverlust usw. .
Derart ist diese vierte Schicht als Besinnung auf das Formale eigentlich
die einfachste Reflexionsstufe, eben weil sie das Formale und eher Äußere
und sichtbare betrifft. Um so schwieriger ist sie in ihrer grundsätzlichen,
tieferen Bedeutung für unser Bewußtsein und Selbstverständnis
aber bereits deswegen deutlich zu machen und zwar, weil es eben durchaus
auch die eher horizontale oder empirische Entwicklung aus den Gesetzen
des Formalen selbst heraus gibt, die jene anderen schichten eher verdeckt,
wie z.B. die Erfindung des Buchdrucks, der Ölfarbe, des Schwarzpulvers,
des Motors, der Atombombe, des Computers usw., die zu verstehen eher mit
der Fähigkeit gleichzusetzen ist, eine Gebrauchsanweisung verstehen
und anwenden zu können. Auf jener Ebene wäre Tora, Bibel, Koran
oder die Lehren Buddhas eher Gebrauchsanweisungen, mit Gott und dem eigenen
Gewissen ins Klare zu kommen, eine reine Formsache. Wir finden auch heute
solche Versuche in allen genannten Religionen, die wir als solche Verwerfungen
verstehen können und müssen.
Wenn ich aber gleichzeitig einmal die Sprache und Schrift des Menschen
als sein edelstes Werkzeug zur gegenseitigen Verständigung, als Möglichkeit
zu verbindlichen Verträgen, Gesetzen usw. konstatiere, was wohl kein
Mensch bestreitet, und zum anderen mir aber bewußt mache, daß
es sich dabei um flüchtige Schallwellen und um tote, starre, leb-
und geistlose und auch gedankenlose Formen von Tinte oder Druckerschwärze
auf Papier handelt und keineswegs um Gedanken, Wahrheiten oder Verbindlichkeiten
selbst, auch wenn sie mit Blut als Farbe geschrieben wären, dann ist
damit zugleich schon auch die moderne Sprachtheorie und alle Sprachforschung
der Gegenwart umschrieben. Sehr vereinfacht kann man sich dann die Form
eines Wortes oder Lautes so vorstellen, als hätte ich mir einen Knoten
ins Taschentuch gemacht, der mich selbst an etwas bestimmtes erinnern soll
und damit eine bestimmte Bedeutung hat, oder als hätte ich mit einem
anderen Menschen für ein Zeichen verabredet, z.B. eine Lampe ins Fenster
zu stellen, wenn ich ihn sprechen will. Dabei soll mich der Knoten nicht
an den Knoten und die Lampe nicht an eine Lampe erinnern, sondern an die
jeweilige Bedeutung, die ich allerdings wissen muß und nicht vergessen
darf. Wenn ich die Bedeutung vergesse oder nicht mehr verstehe, dann ist
da nur noch der Knoten oder ich sehe nur noch die Lampe als toten Gegenstand
in einem Fenster, wie jede andere Lampe auch.
Vereinfacht: weder Gott noch jene genannten Religionsstifter oder Propheten
wollten verantwortungslose Marionetten.
Beliebtes Reflexionsmedium sind seit je Realitätssimulationen.
Man kann hier unendlich viele Beispiele solcher Verwerfungen zwischen
Erfolg, d.h. Existenz und Menschlichkeit finden; ich denke, daß die
halbe Weltliteratur und nicht nur die der Kriege seit der Renaissance dieses
zum Thema haben.
Hier ist die Fairneß im sog. Lebenskampf mehr als nur Formsache.
Die ethische Verwerfung, die bei solcher Anpassung oder Koordinierung
in einem selbst allzuleicht stattfindet, mag man an folgendem Beispiel
beachten: Es ist sicher ein großes Verdienst bereits der amerikanischen
Filmindustrie früher Zeit für eine Weltkultur noch vor dem Fernsehen
und gehörte einst regelrecht zum Handwerk guter Regie, dem Zuschauer
in den Westernfilmen die patriotische Parteinahme für das Gute und
gegen das Böse nahezulegen und dadurch zu vereinfachen, daß
man das Böse eindeutig erkennbar und möglichst widerwärtig
und häßlich auch als das letztlich immer Unterlegene brandmarkte,
so daß man fast von einem amerikanischen Moralpatriotismus sprechen
könnte. Gerade, weil der Kampf und die Initiative für das Gute
eindeutig gut scheint, auch und gerade, wenn sich das Böse als objektive
d.h. als objektiv bewiesene und objektiv beweisbare Struktur z.B. in der
Form einer Gaunerbande und eines schlechten Charakters und einer häßlicher
Physiognomie präsentiert, sehen wir, bevor am Ende das obligatorische
regelrechte Gerangel als Duell der Hauptpersonen, als der reine allegorische
Kampf „Gut gegen Böse" stattfindet und den Ausgang entscheidet, mit
Wohlgefallen oder mit Gleichgültigkeit, wie die Mitläufer und
delegierten "unwichtigen" Nebenpersonen beider Seiten reihenweise ausgeschaltet,
d.h. getötet werden, als ginge es um lästige Insekten oder Unkraut
ohne Recht und gültigen Lebenslauf, obwohl die eigentliche Tragödie
zwischen Gewissen und Loyalität wohl meist in jenen unbeachteten Schicksalen
der Nebenrollen stattfindet, wenn man diese Filme zu Allegorien z.B. der
Religions- und Nationalkriege extrapoliert. Es ist der „natürliche"
objektive Vorgang, bei dem auch der Mensch ganz „sachlich", aber eben unmenschlich
zur Sache wird. Die Auseinandersetzung, der „Kampf" um das Gute und der
Sieg des Guten wird dabei nicht durch Erkenntnis, daß also der Böse
sich bekehrt, also durch das Gute selbst, sondern durch Fähigkeit
und Anwendung der Gewalt im Rangeln, Täuschen, Kämpfen, Schießen
und Töten, d.h. durch physische Beseitigung des Bösen entschieden.
Es wäre im Film geradezu langweilig, wenn sich der Böse zum Guten
bekehrt.
Die delegierte Verantwortung.
Die Unmenschlichkeit in uns selbst, die wir als gefühlsmäßiges
Verhalten beim Betrachten eines normalen, guten Western in uns selbst beobachten
können, wie sie bereits Wilhelm Busch (1832-1908) mit „Max und Moritz"
zum friedlichen und aufgeklärten Biedermeier zeichnete, wo zwei lustige
und phantasiereiche, sich selbst überlassene Kinder auf brutalste
Weise mit Zustimmung der Leser und der Allgemeinheit bei lebendigem Leibe
zerstückelt und den Tieren verfüttert werden, diese Unmenschlichkeit
als Verhalten geschieht uns, den Zuschauern selbst, wo immer wir von jenem
Sentiment und jener objektiven Parteinahme und Loyalität zum Christlichen,
zum Islam, zu Buddha, zu Gott , von dem Patriotismus wie von einem gewünschten
und organisierbaren und organisierten Automatismus mitgerissen werden,
statt daß wir umgekehrt von unserem selbstverständlichen demokratischen,
aufgeklärten und humanistischen oder eben christlichen bzw. islamischen,
buddhistischen Selbstverständnis her die Welt und unser eigenes Verhalten
sehen. Bei der Todesstrafe auch für Mord gibt es offensichtliche Widersprüchlichkeiten:
das Gesetz sollte ja den Mord verhindern und hat versagt, wofür der
Mörder sterben muß.
In einer Demokratie sind wir selbst verantwortliche Obrigkeit und sitzen
immer im gleichen Boot mit der Mehrheit. Sicher. Und genau dieses bedeutet
eine grundsätzliche Veränderung nicht nur im juristischen und
strafrechtlichen, sondern viel mehr noch im zivilen, kulturellen und auch
im religiösen Selbstverständnis, auf einer Ebene,
die wir hier als die vierte Schicht notwendiger Besinnung und Reflexion
noch ganz anders verdeutlichen müssen.
Denn was bei der Todesstrafe als ethische, religiöse und juristische
Problematik ganz besonders offensichtlich ist, verdeckt zugleich diese
grundsätzliche Veränderung der Bedeutung des Verständnisses
des Formalen und zwar als Selbstverständnis von Richter und Gerichtetem,
von Organisierer d.h. Beamte, Funktionäre usw. und den zugleich Organisierten,
was nur scheinbar nur eine rein formale Veränderung ist zu den Verhältnissen
unter einem Monarchen oder Despoten. Denn einerseits bleibt auch das demokratisch
beschlossene Gesetz und alle demokratisch beschlosene Regeln, an die man
die persönliche Verantwortung abgeben kann, Teil des Gerangels, wie
sich andererseits auch das vorherige Gerangel unter Kaiser, König
und Despoten durchaus in z.T. uralten, traditionellen und z.T. in vielleicht
ebenfalls „natürlichen" d.h. angeborenen Formen und Regeln abspielte
und bis heute auch in den Demokratien abspielt und zu den merkwürdigsten
Konstellationen führt, die eigentlich absurd erscheinen.
Um sich die Tragweite solcher notwendigen Reflexion darauf bewußt
zu machen, muß man sich bes. als Deutscher die Todesstrafe mal als
einen rein sachlichen Vollzug denken, wobei es formal ganz gleichgültig
ist, ob dieser den Tod eines einzelnen Menschen oder ganzer Volksgruppen
regelt oder bestimmt. Zum anderen ist dieses als Wertewandel nur schwer
vorstellbar und eigentlich gar nicht denkbar, weil eigentlich absurd und
lächerlich: was nämlich der wichtige ethische Aspekt zugleich
verdeckt, ist, daß und wie allein das Formale nicht nur zu Recht
und Unrecht wird, das z.B. in einem Gesetz formuliert wird, sondern daß
dieses rein formale innerhalb dessen, was Prauss mit „tatsächlich,
faktisch, kontingent, empirisch und objektiv" bezeichnet, zu einem Wahrheitskriterium
wird, daß also etwas dadurch gültig und wahr wird, weil wir
es schriftlich oder gedruckt, also Schwarz auf Weiß in Händen
halten. Praktisch bedeutet dies, daß man in den Verhältnissen,
wie immer sie auch sind, absurd oder logisch, vernünftig oder irre,
zurechtkommen muß.
Ich kann mich z.B. nicht mehr erinnern, wann und warum ich als zehnjähriger
beim Betreten eines Geschäftes statt „Guten Tag" „Heil Hitler" sagte,
was für mich keinen Unterschied in der Grußbedeutung hatte,
wobei mir die absurde Lächerlichkeit des Hitlergrußes gar nicht
bewußt wurde und deswegen auch nicht störte, die diesen Menschen
Hitler ja in den Wahnsinn treiben mußte.
Man muß dabei vor Augen behalten, daß die rasante
Entwicklung in Wissenschaft und Technik und auch im Selbstverständnis
des Menschen nicht nur eine Folge der Aufklärung und der Demokratisierung
ist, sondern daß Aufklärung und Demokratisierung auch selbst
die Folge einer Entwicklung im Selbstverständnis des Menschen ist,
die mit dem ersten Menschen beginnt.
Wir erinnern uns, daß viele gelehrte Leute mit dem Buchdruck
noch den Untergang jeder Kultur und jeder geistigen Ordnung befürchteten,
wie solche Weisen, - wie selbst Luther und der Geheimrat Goethe noch -
auch mit den Vorstellungen einer Demokratisierung nur den Aufstand des
Pöbels denken konnte, und mit einer Politik und Rechtsprechung durch
den Pöbel nur die Vorstellung von Marodieren und Lynchjustiz und als
das Gerangel in einem Affenstall auf niedrigstem Niveau verbanden, während
Recht und Ordnung und alles Offizielle und Geschriebene durch die Hand
der gottgewollten Obrigkeit von Klerus und Adel und deren Regel schon „seine
zumindest eine Richtigkeit" hatte, woran ja auch Klerus - zumindest das
Mönchswesen - und der Adel glaubten. Und dieses galt und gilt - wenn
auch ohne die apokalyptischen Befürchtungen - weitgehend heute noch,
und zwar nicht nur für jenes „Schwarz auf Weiß" des Gedruckten,
sondern auch für die zu Melodien gesetzen Töne, für die
zu Burgen aufeinandergeklebten Steine und für die zu Gewänder
aneinandergewebten Fäden. Als Gültigkeit und Wahrheitskriterium
galt und gilt weniger verdeckt - aber dennoch kaum reflektiert - Geld und
Besitz, Beruf und Titel, Gesichts- und Körpergröße, Sprach-,
Nationszugehörigkeit und Hautfarbe, die Flagge und das Wappen. Stolz
prangten in den Wappen die Raubtiere Adler, Löwe oder Bär als
Zeichen für die Rechtmäßigkeit von Macht, Raub und Gewalt.
Diese 4. Schicht ist als geleistete Reflexion in Europa und anderen
Entwicklungsländern eigentlich noch nicht existent, noch nicht entwickelt.
Wir Berliner sind noch immer stolz auf das zusammengestohlene Preussen
und die Deutschen, Engländer, Franzosen und Spanier auf die einstigen
Kolonien.
Diese 4. Schicht ist eigentlich nur eine weitere Stufe oder Konstellation
an Reflexion; sie bedeutet aber, daß man im Sinne des Prausschen
„tatsächlich, faktisch, kontingent, empirisch und objektiv"
weiß - oder wissen bzw. bedenken sollte - , in welcher Weise die
Form über die Realität und Wahrheit des Geformten bestimmt, daß
man und wann man dazu neigt, die Form von etwas als die Wahrheit selbst
zu empfinden und zu dogmatisieren.
Es gilt jetzt, dieses anschaulicher zu machen und an Beispielen zu verdeutlichen.
Was vor wie nach der Demokratisierung und selbst vor wie nach der Christianisierung,
Islamisierung oder buddhistischer und anderer Religionisierung der großen
Religionen und Konfessionen, die den animistischen Aberglauben überwanden,
im Normalfall scheinbar ohne jene verfänglichliche Tiefendimension
eines Wahrheitskriterium verläßliche Orientierung bedeutet und
bedeutete, daß man z.B. heute auf eine Frage, ob die Wurzel aus Zwei
eher 1,5 oder eher 1,4, oder was der rechte Weg zum Bahnhof sei, der Aussage
einer nobel gekleideten Person mit Hut und Krawatte, von der man sorgfältige
Erziehung, Bildung und normalen Anstand erwartet, mehr Vertrauen schenkt
als der Aussage eines heruntergekommenen Menschen, von dem man fürchtet,
daß er einem in einer dunklen Gasse die Geldbörse stiehlt, besteht
eben nur scheinbar nur in dieser offensichtlich auch rationell begründbaren
richtigen Erfahrung und logisch richtigen Schlußfolgerung, wozu man
weiß, daß es auch Ausnahmen gibt.
Aber jene verfängliche Tiefendimension beginnt bereits bei dem
Richtigen solcher Erfahrung, wo sich die Norm für menschliche Qualität
und Menschlichkeit an das Formale und Äußere, woran sich die
Unterscheidung sogar von Mensch und Niemand festmacht.
Und solche Entgleisung in uns als potentielles Verhalten begegnet uns
noch zusätzlich als sogar doppelte Versuchung in dem, was immer wir
an ordentlicher gesellschaftlicher Position in Gestalt eines Berufs, eines
Titels, eines Postens oder irgend einer gesellschaftlichen Funktion erreicht
spricht in diesem Gerangel erobert haben, und zwar einmal in dem, wie wir
uns und andere von solcher objektiven Position mit Zeugnis, Titel, Posten
usw. her verstehen, und zum anderen, wie wir selbst von anderen entsprechend
gesehen werden. Zudem noch wird Position, Posten, Titel und Beruf nun im
weiteren Gerangel des Alltags neben Kleidung und Rüstung zu einer
zusätzlichen Waffe. Natürlich ist die Institutionalisierung gesellschaftlicher
Funktionen, - und zwar doch eindeutig nach humanen und humanistischen Vorstellungen
- , und sind Institutionen und institutionell geordnete Zuständigkeiten
eine echte Errungenschaft moderner Zivilisation, was hiermit keineswegs
bezweifelt oder bestritten werden soll. Aber genau deshalb gilt es jene
Versuchungen zu erkennen, die eben nicht nur darin bestehen, mit Gesetzen
und institutionell geregelten Kompetenzen und Vorschriften, Unmenschlichkeiten
zu rechtfertigen und zu tun oder nicht zu verhindern, sondern prinzipiell
teils sogar zu deren Gunsten und Gültigkeit aber andernteils im ja
weitergehenden Gerangel mit Hilfe der Institutionen das persönliche,
private und ganz subjektive das persönliche Gewissen zu vergessen,
und angesichts formaler Kriterien verkümmern zu lassen oder zu ignorieren,
was nur dahin führt, sich im Sinne tierischer Natur natürlich
und nicht menschlich zu verhalten, wie es recht hilflos oder ratlos, jedenfalls
ohne Verständnis für die ordinative z.B. preussische Beamtentugend
Bertrand Russell der sog. Philosophie eines George Gordon Noel Byron (1788-1824)
zuschreibt, was seit den uralten Verwaltungsreformen von Diokletian unter
Konstantin dem Großen im 4 Jahrhundert sogar die Struktur der Kirche
und damit den gesamten Entwicklungsprozess des Abendlandes bestimmt, Fortgang
wie Trägheit.
Es mag für Russell sogar ein Kompliment sein, daß es für
ihn undenkbar und unvorstellbar ist, daß man etwas für wahr
und richtig hält, nur weil es von einem ordentlich bestallten Professor,
Vorgesetzen oder Beamten gesagt wird oder weil es irgendwo geschrieben
steht.
Weltfremd wäre es aber, solchen Tatbestand zu bestreiten. Andererseits
ist solcher Umstand für den Abendländer Russell derart selbstverständlich,
daß er nie darüber nachgedacht hat, selbst wenn er ganz selbstverständlich
jede ernstzunehmende Philosophie als eine Rebellion dagegen versteht. Dennoch
sieht er nicht das Formale als Wahrheitskriterium für den Gegenstand
der Rebellion, wenn auf beiden Seiten der Fronten den Millionen Sterbenden
der Weltkriege die vertrauten Wortfolgen des Vaterunsers oder die Notenfolgen
des gleichen Kirchenliedes „So nimm denn meine Hände" nicht anders
wie die Nationalflagge die jeweils „richtige" Seite des Kampfes und des
Brudermordes bedeutet, sondern wähnt Glaube und Vertrauen der Gläubigen
als die Hebel und Übel für die Instrumentalisierbarkeit des Menschen
durch Klerus und Aristokratie in solchen barbarischen Kriegen.
Natürlich haben sich seit je Institutionen und Vorgesetzte gegen
Rebellion und Subordination durch Sanktionen abgesichert, aber es wäre
völlig weltfremd, wollte man damit behaupten, daß die Verwaltung
von Kirche und Staat nur über die Angst vor den Sanktionen funktioniere,
wenn dies für extrem despotsische Regime auch das am meisten Auffällige
sein dürfte. Aber es gibt dennoch - und zwar überwiegend - Gesinnungsloyalität,
die bis heute einerseits Recht und Ordnung überhaupt erst ermöglicht
und ein zivilisiertes Leben ausmacht, die selbst im deutschen Faschismus
auf allen Ebenen der Gesellschaft als zivilisiertes Verhalten anzutreffen
war: Hitler fühlte sich durchaus vom Volkswillen und Volksbedürfnis
delegiert und dem auch verantwortlich, wie sich der gesamte Staatsapparat
von Hitler delegiert und deswegen sanktioniert fühlte und aus diesem
Grund auch akzeptiert wurde, woraus nun nicht wieder eine Möbiusschleife
sondern ein regelrechter, für alle Seiten verhängnisvoller Teufelskreis
wurde.
Deutlich wird dabei, wie wichtig es ist, dabei die Bedeutung und Struktur
der delegierten Verantwortung an das Formale auch in unserem eigenen Selbstverständnis
zu verstehen.
Dahinter steht nämlich nichts Geringeres als die altjüdische,
die christliche wie auch islamische Behauptung, daß der Mensch auch
für das, was er glaubt und für wahr hält, aus welchem Grund
auch immer, verantwortlich ist in der Kontradiktion der Behauptung, daß
es zwingende Gründe für eine Überzeugung geben könne,
wozu die Wissenschaften unter dem Newtonschen und cartesianischen Vorzeichen
noch neigten. Und noch eine weitere Vorüberlegung ergibt sich bereits
jetzt: Ohne Zweifel gibt es eine Verantwortlichkeit - aber anderer Bedeutung
- gegenüber Personen, gegenüber der Obrigkeit, gegenüber
göttlichen Geboten und irdischer Rechtsprechung angesichts von drohenden
Strafen; davon zu unterscheiden ist die Loyalitätsverantwortung; ich
könnte auch sagen, es sei eine Verantwortung gegenüber einem
Vertrauensverhältnis oder als Vertrauensverhältnis.
Dennoch bin ich als Subjekt allem übergeordnet natürlich
ganz unabhängig davon - und selbst unabhängig gegenüber
Gott - und bin als Verursacher von etwas verantwortlich für das, was
ich tue, auch ohne Richter.
Genau hierzu gehört auch das Phänomen des Formalen innerhalb
einer Überzeugung oder eines Glaubens, das nur scheinbar ein nur triviales
des Alltags ist aber dennoch in keiner Philosophie und Theologie diskutiert
wurde, wenn es um die Kleiderordnung als Rangkriterium geht, oder umgekehrt
um die Rangordnung als Kleidungskriterium bei einer Überzeugung -
in allen Religionen und zwischen ihnen. Und für den genannten Bertrand
Russell wäre es sogar absurd, auch nur zu denken, daß ein ernstzunehmender
Mensch die Richtigkeit einer Behauptung eines anderen Menschen danach beurteilt,
ob jener eine Mütze aufhat oder einen Hut oder Turban.
Weil Russell derart gar nicht denken könnte, ist sogar zu befürchten,
daß er entsprechend unbewußt solchen Kriterien erliegen würde,
ohne es zu merken, - etwas überspitzt und böse (aber nicht böse
gemeint) könnte das bedeuten, daß auch Russell unreflektiert
zumindest anfangs dem Hakenkreuzdesaster aufgesessen wäre, wenn dieses
auf oder unter einer britischen Flagge begonnen hätte, wie einst die
Kreuzritter unter dem Kreuz, oder die Al-kifãya unter dem Halbmond
die Gnadenbotschaft ohne Gnade mit Raub und Mord verbreiteten. Sicher hätte
Russell wegen seiner rebellischen Menschlichkeit dennoch sehr bald zu den
Opfern gehört, wie die vielen britischen Philosophen und Ehrenmänner
vor ihm unter ihren despotischen Herren, wobei er dieses aber „nur" wie
mit ihm alle Literaten wie z.B. Honoré de Balzac ausschließlich
von der ethischen Seite und natürlich zurecht als ethisches Versagen
verstanden hätte, ohne aber auch nur denken zu können, daß
und wie es hier offensichtlich irgendwie zwanghaft um Formen und Formsachen
ging, letztlich um unterschiedliche Formen der gleichen Sache, des gleichen
Gottes, des gleichen Glaubens unterschiedliche Form.
Diese Absurdität, daß eine Mütze oder ein Hut auf dem
Kopf des Sprechers über die Wahrheit seiner Aussage entscheidet, ob
z.B. die Wurzel von Zwei eher 1,5 oder eher 1,4 ergibt, ist natürlich
lächerlich, aber absurd nur in der Vordergründigkeit dieser Hut-
oder Mützemetapher, von der aus wir normaler Weise gemäß
unserer Erfahrung von Zusammenhang von Bildung und Kleidung und Gewohnheit
auf vorhandene oder nicht vorhandene oder auf mehr oder weniger Solidität
des Menschen und seiner Kenntnis und Bildung schließen. Es scheint
so, als hätte dieses nichts mit einem Hut oder einer Mütze zu
tun. Dennoch gehört auch dies zu dem, was Prauss „tatsächlich,
faktisch, kontingent, empirisch und objektiv" als unsere Orientierung bezeichnet,
und es ist sicher auch die Absurdität und Lächerlichkeit des
Vordergrunds, aber wohl mehr noch die nahezu unbewußte Selbstverständlichkeit
bei unserer Orientierung, weswegen dieser Bereich unseres Selbstverständnisses
und der Selbstdarstellung bis heute nicht ausführliches Thema in Theologie,
Ethik und Philosophie wurde.
Nur die Psychologie und Soziologie ist diesem im Grunde eidetischen
und eidologischen Aspekt unseres Denkens und Selbstverständnisses
auf der Spur und zwar auf dem gleichen Wege, wie wir behelfsmäßig
zur Vereinfachung bei jedem Patriotismus von einem möglichen Hormon
ausgegangen sind, das im Gerangel der Auseinandersetzung eine Parteinahme
für diejenige Partei bewirkt, zu der man selbst zufällig gehört.
Wie absurder Weise die ethische Absurdität selbst, steht einer
grundsätzlicheren Überlegung vielleicht nur noch die einfache,
plausible Begründung der Apotheose des Formalen im Wege, daß
in diesem chaotischen Gerangel besonders einer Demokratie, in dem jedes
Individuum in seinen Entschlüssen frei und deswegen unberechenbar
ist, nur das Formale von Gesetz, Ordnung und Organisation - und zwar über
alle anderen nur denkbaren Inhalten hinaus - so etwas wie Sicherheit und
Verbindlichkeit herstellen kann und deswegen dem, das durch Form geformt
wird, auch übergeordnet ist.
Lebenserhalt z.B. würde damit wichtiger als das Leben, Ordnung
und Gesetz würde wichtiger als das Geordnete und Geregelte bis zum
Dezisionismus und zur empiristischen und didaskalische Begründung
unseres Handelns, als verhielten wir uns in unserer demokratischen Zivilisation
nach Gesetz und Wissenschaft, als wäre der zivilisierte Mensch ein
Produkt aus Gesetz und Wissenschaft.
Was ich Russell oben vorwarf, der nur die ethische Absurdität sah,
und wohl deshalb Religion und Weltanschauung als Ursache der Fehlleistungen
ablehnte, würde mit der obigen Begründung, die durchaus verführerisch
ist, praktisch den Menschen überhaupt als Ursache seiner Unmenschlichkeit
ablehnen.
Hierzu haben die freidemokratischen und christlichen oder islamischen
Parteien aber auch die Philosophen und Theologen der westlichen wie der
islamischen Welt ihre philosophischen und theologischen Hausaufgaben nicht
gemacht, um der menschenverachtenden Tendenz in allen linken, empiristischen,
materialistischen Parteien antworten zu können, was als Reaktion ja
nicht durch einen Fundamentalismus geschehen kann, weil es dann zu nichts
anderem als zu einer menschenverachtende Formalisierung des Menschen und
zu einem theologischen Dezisionismus führen müßte, und
Gott würde zum Götzen und Freiheit zur Anarchie. Es hieße,
Folge mit Ursache verwechseln. Sicher ist diese Entgleisung aus Gründen
der Denkfaulheit bzw. Denkträgheit oder Unwilligkeit fast ein ebenso
großes Übel wie das, was es zu verstehen und zu reflektieren
gilt, weil beides nur dadurch zu vermeiden ist.
So absurd und lächerlich es scheint, daß z.B. der Papst oder
ein Mufti und all das, was er sagt, seine Glaubwürdigkeit, Verehrung,
Achtung und Aufmerksamkeit nur wegen seiner Kleidung und seiner Kopfbedeckung
„genießt", so absurd und lächerlich wäre es, genau dieses
zu bestreiten, daß nämlich genau diese Attribute zum einen im
Ursprung wie noch immer in der Gegenwart zu den Insignien des Kirchlichen
und Göttlichen und Heiligen gehören, ohne die uns ein Gottesdienst
geradezu entweiht, unecht und weniger glaubhaft vorkäme, wozu die
Texte der Lesungen wie die Melodien der Kirchenlieder genauso gehören,
wie die Glocken und der Geruch des Weihrauchs, oder der Ruf des Muezzin
im Islam, was zum Vorigen als Lächerlichkeit in einem so deutlichen
Widerspruch steht, daß es unverantwortlich leichtfertig und sicher
falsch wäre, darin nur ein albernes oder traditionelles Theater zu
sehen, das erwachsene, hochgebildete und in der Regel ehrenwerte Leute
dem einfachen Volk nur vorspielen bzw. aufzwingen und das diese nur aus
lächerlicher Dummheit oder aus Angst vor Repressalien dem Klerus und
der Obrigkeit als Heiliges abnehmen. Hätte Gott dieses gewollt, hätte
er keine Menschen sondern Roboter oder Puppen geschaffen.
Ohne Zweifel kennen wir in Geschichte und Gegenwart einen Klerus in,
kennen wir Despoten innerhalb jeder Religion und Konfession - im Kleinen
wie im Großen -, die in der Tat gottlos solche Verkehrung aus Macht-
oder Geldgründen auch wollen.
Und wenn dieses Formale ja fast nur Modische als Stil jeder Epoche,
wie gesagt, auch nur einen Teil oder ein Segment im realen Leben und bei
den Entscheidungsprozessen ausmacht und vielleicht deswegen von Theologie,
Philosophie und Politprogramm weniger beachtet und deswegen auch nicht
reflektiert wird, so spüre gerade auch ich als Linker, daß es
andererseits gerade der ethische Aspekt ist und der Aspekt der Gerechtigkeit,
der mich zwar veranlaßt, auch den Underdog, den Fremden und schlecht
gekleideten, den Menschen ohne Amt, Besitz und Titel als gleichberechtigt
zu sehen, was mich zugleich blind macht für die Einsicht, wie weit
dies nur aus Mitleid und nur rechnerisch geschieht, und wie weit ich gerade
deswegen um so härter blind dafür bin, daß ich dabei genau
dasjenige, weswegen ich seine Partei ergreife, zu seinem Attribut zementiere,
wie ja auch der Sozialismus genau aus diesem Grunde den Normalmenschen
auf den Status des Proletariers festnagelte, wie es Frau Angela Merkel
(allerdings erst in einer Rede im Febr. 2001! und wenn auch noch unverstanden
warum) als eines der ärgsten Verfehlungen der kommunistischen Idee
erkannte, womit der Normalmensch, nämlich der Mensch der unteren Schicht
gerade von denen, die sich in diesem sozialistischen Gerangel Amt und Würden
„erobert" hatten, auch dann in einem Unwert festgenagelt wurde, wenn seine
Klasse als das Gute verherrlicht wurde, wodurch dann auch die ganze Verwaltung
zu einer despotischen Struktur von Oben bis Unten neigte, - was ja nicht
heißt, daß nicht im Osten und durch den Osten mehr an Gerechtigkeit
und Gerechtigkeitsgefühl realisiert und zum Weltstandart wurde, als
es sich Marx und Lenin, und als es sich die westlichen Despoten des vorigen
Jahrhunderts überhaupt vorstellen konnten.
Aber dieses Nichtreflektierte und dieses Nicht-reflektieren verführte
und verführt denn auch um so ärger noch zum absurden Gegenteil,
daß man nur das Formale und deren Folge nicht aber die tiefere Ursache
des Faschismus, Despotismus und Kapitalismus - und im Westen den Kommunismus
zum Bösen erklärte, das Hakenkreuz, die braune Uniform, die Form
des Stahlhelms, die Lieder der Nazizeit und die Lieder und Melodien der
Kommunisten, bzw. z.B. den Jazz, den Rock usw. im Kapitalismus. Natürlich
sind die wenigen Gramm des Farbstoffes für ein Hakenkreuz und ist
das Papier und die Druckerschwärze für einen Koran oder eine
Bibel, ist das Holz, Metall oder die Plastik eines Kruzifix weder gut noch
böse und weder Gut noch Böse.
Und dennoch wäre es gerade wegen der Unfähigkeit, solches
zu reflektieren, nicht minder weltfremd und absurd, wenn man nicht den
Unterschied zwischen einem Kreuz in Klassenzimmer oder Kirche und einem
Halbmond, was ja Zeichen des gleichen Gottes ist, sehen oder machen würde
oder gar zu einem Hakenkreuz, weil es nur Form, Farbe oder Zeichen und
nicht die Verirrung des Faschismus oder eines anderen Fundamentalismus
selbst sei.
Wir kennen wir ja solche Formen auch aus der Natur, in Flora und Fauna,
wo sich Individuen, Geschlechter, Arten und Sippen zu bestimmten Gelegenheiten,
zur Erkennung, Vereinigung, Warnung, Paarung, Drohung, Trennung usw. durch
Laute, Farben, Formen und Gerüche kenntlich machen, - wie wir auch
im ganz unbewußten und teils angeborenem Verhalten und Aussehen,
in Sprache, Tonlage, Gesang und Gestik - ja auch Körpergeruch des
Menschen all dieses finden können. Es lohnt sich und ist dringend,
über genau dieses genauer und sehr sorgfältig nachzudenken. Denn
nicht nur Zustimmung, Zuneigung, Glauben, Akzeptanz, Furcht, Angst und
Vorsicht sondern auch die Ablehnung und Ignorierung gehören zu dieser
genetischen Metasprache.
Natürlich wurden von den Nazis die großartigen Paraden und
Fahnenwälder, die Uniformen und Lieder bewußt inszeniert, um
Glaubwürdigkeit zu erzeugen, um Eindruck zu machen, was aber nicht
heißt, daß nicht auch die Nazis selbst und zwar diese zuerst
und dabei auch Hitler und seine engsten Getreuen die Opfer des Spektakels
waren, wobei Ursache und Wirkung, das Formende und Geformte scheinbar jenseits
von Vernunft und Verantwortung den Teufelskreis ausmachten.
Ich weiß nicht ob oder wann es dem Menschen einmal gelingen wird, diese quasi empirische Wirkung des Formalen in der Natur zu verstehen, durch die einerseits Tiere zu einem regelrechten Sinn und Zweck eine bestimmte genetische Farbe, Form, Geruch und Stimme erhalten und andererseits durch solches Formale ihrer jeweiligen Außenwelt quasi empirisch zu einem bestimmten Verhalten gezwungen werden, wie eine Motte ins Licht und verderbliche Feuer fliegt.
Jedenfalls wissen wir spätestens seit Prauss, daß es zwar
eine Wirkung des Physischen auf das Psychische gibt, daß es aber
nicht der Apfel ist, der bei Mensch oder Tier beim Anblick eines Apfels
den Appetit auf Apfel erzeugt, als gäbe es eine empirische Wirkung
des Apfels auf Mensch oder Tier, sondern, daß der Appetit eine zerebrale
Leistung von Mensch oder Tier ist.
Dies gilt auch für Kreuz und Hakenkreuz, für Sechsstern und
Halbmond, ob diese Formen, ob Sprache, Gesang, Tanz und wie die bereits
Genannten nun Kreationen des Menschen sind, oder ob anderes Formale wie
Geruch, Physiognomie, Geschlecht, Gestalt und Hautfarbe genetisch bedingt
und angeboren ist.
Denn anders als bei der vorherigen Schicht des Patriotismus, wo wir
fast - oder zumindest behelfsmäßig - von einem Enzym oder Hormon
ausgehen konnten, der den Menschen, so er dieses nicht reflektiert, regelrecht
zwingt oder festlegt, für den äußeren - wenn auch ebenfalls
formalen - Bereich der eigenen Zugehörigkeit wie Land, Sprache, Religion,
Konfession oder Partei dann innerlich parteilich zu sein, gehört diese
vierte Schicht des Formalen beim Menschen eher zum Bereich der Rhetorik.
Natürlich würden die PR-Strategen regelrecht jubeln, wenn sie
den Hebel fänden, mit dem man den Menschen in einer Demokratie zwingen
könnte, eine bestimmte Partei zu wählen oder ein bestimmtes Produkt
zu kaufen oder einer bestimmten Religion oder Konfession beizutreten.
Ich will das Thema der Erpressung, das im Faschismus und in manchen
Sekten eben kriminell ohne Skrupel angewandt wurde und wird, hier außer
acht lassen, wobei es nicht um Überzeugung oder um ein Wahrheitskriterium
geht. Ich weiß nicht, aber ich hoffe, daß unsere Rechtsprechung
diesen Grenzbereich als Bereich von verfolgbarer Straftat entsprechend
abdeckt.
Wir kommen natürlich nicht umhin, die berechtigten Vorwürfe
gegen den Kolonialismus durch die „Christen" und durch den „Islam" beim
Namen zu nennen, denn die Tradition der Despoten unter Christentum und
Islam wird vom Faschismus nicht nur aufgegriffen, blindlings übernommen
und als Rechtfertigung gedacht, sondern gilt zugleich Faschisten wie Antifaschisten
als Argument gegen Glauben und Gewissen, was den Teufelskreis ja eröffnet.
Wenn den Christen mit der Dignität von Heiligkeit und Macht, die
über formale Insignien wie Architektur, Kleidung, Musik, Sprachstil,
Rhetorik, gesellschaftliche Stellung, Reichtum, Benehmen und gebildete
Sprache aber auch durch Androhung und öffentliche Vorführung
materieller Strafen im Diesseits vermittelt wird, daß der christliche
bzw. islamische Glaube zu einer Erlösung von Tod, gräßlicher
Pein und Schrecken nach dem Tode führt, daß aber „Ungehorsam"
genau jene Pein und jenen Schrecken wie ewiges Brennen, ewige Folter im
Feuer usw. nicht nur im Jenseits nach sich zieht, sondern auch im diesseitigen
Leben durch die Mächtigen direkt oder indirekt verschlagen realisiert
wird, dann ist dieses sicher nichts anderes als Erpressung und sollte strafbar
sein.
Ich brauche den gläubigen Christen und Moslems nicht zu sagen,
daß diese Art Verkündigung unchristlich und auch nicht islamisch
ist.
Andererseits ist es besonders die theologisch angedrohte Strafe, die
genau entsprechend der drastischen Demonstration auch unterstreicht und
zwar auch gegen solche Unsitte, daß der Mensch sowohl für seinen
Glauben wie für seine Untaten verantwortlich ist.
Hierbei müssen wir, wie schon gesagt, einerseits die Entwicklung
und Emanzipation der Allgemeinheit - nämlich auch im Bewußtsein
solcher Verantwortlichkeit - im Auge behalten, und andererseits die Schwierigkeit
sehen, die wir alle damit haben, nicht heutige Kriterien und Verhältnisse
einfach zum Maß für die Vergangenheit zu nehmen.
Wie ich heute (25.02.01;12:25) dem Presseclub im deutschen ARD-Sender
entnehme, ist es selbst nur 10 Jahre nach der menschlichen Großtat
von Gorbatschow für keinen der damals bereits aktiven Menschen, und
selbst den Politwissenschaftlern und Jounalisten nicht mehr vorstellbar,
daß es noch kürzlich - ausgehend und Realität ja im Westen!
aber nicht minder auch im Osten - einen kalten Krieg mit heute eben unvorstellbaren
Grausamkeiten, mit Massenmord, Folter, Verfolgung, Unterdrückung,
Diskriminierung, Einschüchterung, Mobbing usw. gegeben hat, wie es
im Mittelalter rein technisch noch gar nicht möglich war.
Und es ist kindisch davon auszugehen und zeigt erschreckend die nur
hauchdünne Schicht von emanzipiertem heutigem Bewußtsein, wie
wir heute von Intellektuellen und hochqualifizierten Wissenschaftlern einer
neuen Zeit noch immer zu hören bekommen, daß solche Schrecken
und Mißstände eine Erfindung von Christentum und Islam gewesen
seien und erst mit ihrer Überwindung den Weg zur Menschlichkeit d.h.
zu heutigen Menschenrechten ermöglicht hätte.
Und desgleichen, was die Despoten in Klerus und Weltmacht (nach heutigem
Bewußtsein zurecht so benannt) aber jener mittelalterlichen Zeit
verhaftet damals zurecht sahen und befürchteten und auch gar nicht
anders sehen konnten und auch aus Erfahrungen kannten, daß der freigelassene
Mob ein schlimmstes und höllisches Übel und das Ende jeder Vernunft
und Ordnung bedeuten würde, weswegen auch Luther ganz realistisch
gegen die „wildgewordenen" Bauern wie gegen die Höllensbrut wetterte,
muß man - und sollte man auch auf kirchlicher wie außerkirchlicher
Seite -, heute in der Beurteilung jener Zeit und bei Beurteilung der Tradition
und Art biblischer und islamischer Verkündigung und Interpretation
mitberücksichtigen und reflektieren.
Man wußte schon, Luther, Lenin, Stalin, Hitler wußten natürlich,
daß man die Leute auch mit praktisch jeder anderen Auslegung, Idee
und Ideologie in gleicher Weise mobilisieren konnte, wie sie es selbst
mit der ihren; und Ulbricht wie Adenauer hatten es ja erlebt, daß
ein (nach damaligem Maßstab) „zivilisiertes" Volk von der Kaisertreue
zur Weimarer Republik und dann zu Hitler bis zu Ulbricht bzw. Adenauer
umgeschwenkt werden konnte.

(Baustelle:
Hier wird gerade gearbeitet, d.h. noch formuliert)
ich beeile mich!!!!!!
weiter 5. März 2001
. Beginn